Kapitel 27 - Jeder Tag ist gleich

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**Bens Sicht**

Unsicher wich Poe einige Schritte nach hinten und kam, als er mit seinem Rücken ein Zelt berührte, zum stehen.
»Finn beruhige dich, er ist nicht mehr der, für den du ihn hältst«, hielt er sich beschützend die Hände vor die Brust. Mit knirschenden Zähnen näherte sich Finn seinem besten Freund und ließ ihn dabei keine Sekunde aus den Augen. Ich musste mir was einfallen lassen, sonst würde er ihm noch den Kopf abreißen.
»FN-«, begann ich, räusperte mich aber sofort.
»Finn, lass ihn doch einmal ausreden«, schlug ich vor. Indigniert musterte er mich bis er von Poe, den er mittlerweile am Kragen hielt, abließ und auf mich zu lief.
»Ich verstehe zwar nicht, wie du Reys Vertrauen gewonnen hast und offenbar Poe auch noch um den Finger gewickelt hast aber mich wirst du nicht überzeugen«, sprach er mit bedrohlicher Stimme und ging dann, in dem er meine Schulter rammte, an uns vorbei.
»Alles gut?«, erkundigte ich mich bei dem Piloten, der immer noch geschockt an der Zeltwand stand.
»Was? Eh ja«, antwortete er mir verwirrt. Mit angespannten Muskeln stellte sich Poe neben mich und blickte Finn fassungslos hinterher.
»Ich kann ihn verstehen«, sagte ich schlicht.
»Er hasst mich, weil ich mit Rey zusammen bin und ich ihm damit seine beste Freundin genommen habe«, beendete ich meinen Satz.
»Rede nicht so ein Unsinn, du hast ihm Rey nicht genommen«, schüttelte Poe mit seinem Kopf.
»So sieht er das aber«, erwiderte ich.
»Das wird sich schon klären«, befreite Poe sich aus seiner Starre, ging ein paar Schritte geradeaus ehe er sich wieder umdrehte und mich mit einem auffordernden: »Lass uns gehen«, anblickte.
»Wohin?«, blinzelte ich verwirrt.
»Ich kann mich noch erinnern, wie mir jemand erzählt hatte, dass er trainieren gehen wollte«, lachte Poe laut los. Gespielt genervt verdrehte ich meine Augen und machte mich dann zusammen mit ihm auf den Weg.

Als wir in den Tiefen des Waldes ankamen, zog ich ein kleines Gerät aus meiner Tasche und stellte es auf einen Stein. Poe, der hinter mir stand, verfolgte alle meine Bewegungen interessiert, runzelte dann jedoch die Stirn, als er den kleinen Kasten entdeckte.
»Was ist das?«, fragte er mit hochgezogener Augenbraue.
»Ein Simulator zum Kämpfen«, erklärte ich.
»Und was macht der genau?«, sah er mich überfordert an.
»Ich dachte, du kennst dich mit Technik aus«, ärgerte ich ihn.
»Ja, aber nicht mit diesem ganzen Jedi Kram«, lächelte Poe mich beschämt an.
»Verstehe«, sagte ich verständnisvoll. Woraufhin er mich erwartungsvoll musterte.
»Dieses Gerät simuliert Gegner«, hielt ich es ihm triumphierend vor die Nase und mit einer kurzen Handbewegung klappte ich es auf. In nicht einmal einer Sekunde bauten sich Computer animierte Menschen und Wesen vor mir auf. Schnell sprang ich zur Seite, schaltete mein Lichtschwert ein und teilte sie mit einen Zischen in Zwei. Wie viele kleine Würfel sprangen die blauen Figuren auseinander und verschwanden im nichts. Poe, der mit einem Schreck ebenfalls zurückwich, beobachtete mein Kampf sicher von einem Stein aus. Das ging etwa zwanzig Minuten lang so, bis ich dann außer Atem den letzten Gegner ausschaltete. Aufgeregt wie ein kleines Kind kam Poe auf mich zu.
»Wahnsinn, wie schnell du reagiert hast!«, sprach er begeistert.
»Meine Mutter hat es mir zum Üben gegeben, da ich keinen Lehrer mehr habe, der mich unterrichten kann«, informierte ich den Piloten. Kurz darauf hielt ich ihm mein Lichtschwert entgegen und drückte auf den Start Knopf, der sofort rot aufblinkte.
Es vergingen Stunden in denen ich Poe die verschiedensten Kampftechniken zeigte und er am Ende sogar einige davon gut ausführen konnte.
»Puh das ist zwar interessant aber auch echt anstrengend«, pustete er die Wörter förmlich aus seinem Mund. Kaputt vom Training gingen wir zurück zur Basis und machten noch ein neues Treffen für morgen aus, in dem mir Poe die neuen Schiffe des Widerstandes vorstellen und ihre Funktionen erklären wollte. Schlurfend schlich ich in mein Zelt und fiel sofort in mein gemütliches Bett. Innerhalb weniger Minuten, befand ich mich im Land der Träume.

Am nächsten Morgen fühlte ich mich ausgeruht und überraschender Weise auch gut gelaunt. Jedoch fiel mir beim Aufstehen auf, dass ich anscheinend letzte Nacht mit meiner Trainingskleidung ins Bett gegangen war. Also ging ich zu meinen Kleiderschrank, öffnete ihn und suchte mir frische Sachen für den bevorstehenden Tag heraus. Danach sprang ich schnell unter die Dusche und zog mir ein schwarz geripptes Muskelshirt mit Rollkragen und passender dunklen Hose an. Nachdenklich stand ich vor meinem Kleiderbügel und überlegte eine Jacke mitzunehmen, was sich aber mit einem Blick durchs Fenster selber beantwortete. Die Sonne schien ins Zimmer und brannte mir förmlich das Gesicht weg. Quietschend fiel die Tür ins Schloss, nachdem ich das Zelt verlassen hatte.
Unauffällig sah ich mich um und bemerkte, dass auch schon andere wach waren.
Normalerweise waren die meisten noch in ihren Zimmern und schliefen noch ein paar Stunden vor sich hin. Aber heute war dem nicht so, was mich dazu veranlasste Richtung Kantine zu laufen. Ich wartete eigentlich immer, bis die meisten mit ihrem Essen fertig waren und ging erst dann rein, wenn sich fast keiner mehr dort aufhielt. Ich mochte diesen Trubel an Massen nicht. Auch wenn ich es gewohnt war, vor hunderten von Sturmtrupplern zu stehen, fühlte es sich trotzdem fremd an. Am Abend machte ich genau dasselbe und das fast jeden Tag.
Es störte mich nicht im geringsten alleine irgendwo herumzusitzen, was mich aber sehr wohl störte waren die ständigen Blicke der anderen Widerstandskämpfer. Die mich entweder abwertend musterten oder über mich redeten und Sachen sagten wie, was für ein Glück ich habe, dass der General meine Mutter wäre und ich nur so zurückkehren konnte.
»Morgen Ben«, riss Poe mich aus meinen Gedanken. Ich musste mir ein Lachen verkneifen, als ich ihn ansah.
»Was ist denn mit dir passiert?«, grinste ich.
»Ich hatte mich gestern noch mit einer Pilotin getroffen und als ich am nächsten Morgen aufgewacht bin, lag ich in ihrem Bett.
Aber anstatt mich nett zu begrüßen, schmiss sie mich einfach aus ihrem Zelt. Ich hatte nicht einmal die Gelegenheit mich anzuziehen und erst als ich vor meiner Tür stand, fiel mir auf, dass ich meine Zimmerkarte bei ihr vergessen hatte. Also musste ich mich hinter einem Baum umziehen und ungeduscht hier aufkreuzen«, erzählte mir Poe verschlafen. Die ganze Zeit über konnte ich mich beherrschen aber nach seiner Geschichte platzte die angestaute Luft nur so aus mir raus und ich brach in großes Gelächter aus.
»Ja lach ruhig, ich habe es auch verdient. Wieso habe ich mich auch noch kurzfristig auf so etwas eingelassen?«, vergrub er sein Gesicht in seinen Händen und stützte sich mit seinen Ellenbogen auf den Tisch ab.
»Das kann ich dir leider nicht beantworten«, sah ich ihn belustigt an. Langsam hob er wieder seinen Kopf und drehte sich zu mir auf die rechte Seite der Bank, die sich durch den ganzen Saal erstreckte.
»Wie machst du das bloß?«, musterte mich der Pilot nachdenklich.
»Was meinst du?«, zog ich fragend eine Augenbraue nach oben.
»Mit Rey, wie hast du sie nur erobert? Frauen sind so schwer zu verstehen«, raufte er sich die Haare. Unwissend zuckte ich mit den Schultern und wandte mich daraufhin wieder meinem Essen zu, was vor mir auf einem Tablett stand. Enttäuscht hörte ich Poe neben mir ausatmen, der sich dann auch einen Teller und etwas zu trinken holte.
Als wir beide fertig waren, verließen wir mit zügigen Schritten die Kantine und Poe blieb dann irgendwann so abrupt stehen, dass ich fast in ihn hineingerannt wäre. Verwirrt blinzelte ich ihn an, folgte dann seinem Blick und entdeckte einige Schiffe die uns die Sicht auf den Wald nahmen.
»Heute bringe ich dir mal was bei«, stützte er seine Hände in die Seiten.

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Mal ein eher ruhiges Kapitel, hoffe es gefällt euch mehr von Bens Alltag beim Widerstand zusehen.

THE LAST 𝐃𝐄𝐂𝐈𝐒𝐈𝐎𝐍Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt