>>Reiina<<
Im Tod, erscheint einem das ganze bisherige Leben bedeutungslos. Dafür gewinnen diejenigen die einem die Liebsten sind an Bedeutung. So war es zumindest bei mir. Als ich starb verschwendete ich keinen Gedanken daran, wie Sinnlos mein Tod sei, wie dramatisch wie aus einem Roman. Ich dachte an meine kleine Tochter, die nur wenige Meter von mir entfernt, versteckt im Kleiderschrank saß und vermutlich alles mitbekam. Ich dachte wie schrecklich es doch ist, dass sie mein Schicksal mit ansehen muss. Kein Kind sollte so etwas sehen, schon gar nicht wenn es sich um ein fünfjähriges Mädchen handelt. Meine kleine Tochter, mein Sonnenschein, mein Lebenssinn. Ich dachte auch an mein erstes Kind Sayumi, sie war jetzt schon 10, doppelt so alt wie mein Nesthäkchen Rei und trotzdem würde sie meinen Tod verkraften können? Sie war schließlich auch noch ein Kind, nur ein klein wenig älter. Was machten schon fünf Jahre unterschied wenn es um den Verlust der Mutter ging? Immerhin war sie mit ihrem Vater in Sicherheit, im Gegensatz zu Rei... Himmel Rei, was wenn sie in Panik geraten, sich verraten würde, wenn sie mich sterben sah. Würde er ihr auch das Leben nehmen? Das durfte nicht geschehen sie war doch mein Kind. Ich war bereit für meine Tochter zu sterben, solange ihr nichts zustieß. Alleine die Vorstellung, dass dieser Mann meiner geliebten Tochter zu nahe kommen könnte, machte mich unglaublich wütend.Trotzig hob ich meinen Blick und schaute ihm in seine kalten hellgrauen Augen. Ein fieses grinsen schlich sich auf sein Gesicht „Wie kann man nur so Naiv sein und seine Tür nicht abschließen" fragte er spöttisch. Selbst wenn ich abgeschlossen hätte, so hätte es doch nichts genützt, unser Haus war alt, er hätte die Tür ohne weiteres aufhebeln können, für einen wie ihn war so etwas doch kein Hindernis. „Ich habe dich vermisst, meine Schöne. Warum bist du damals vor mir davon gelaufen. Wir waren doch so glücklich zusammen. Aber wir haben ja jetzt Zeit füreinander, ich werde schon dafür sorgen, dass du mir nie mehr davon läufst, schließlich liebe ich dich, wie keine andere. Komm in meine Arme und ich vergesse deinen Ungehorsam." Als Antwort auf diese Dreistigkeit, spuckte ich ihm gezielt ins Gesicht. Er war der Grund, dass ich bis heute unter Albträumen litt. Als ob er jemals in der Lage gewesen war zu vergessen, geschweige denn zu vergeben. Außerdem war ich auch nicht dazu bereit, mich ihm freiwillig auszuliefern. Ich verabscheute ihn und seine kalten Augen, die mich damals in die Falle gelockt hatten. Ich wusste, ich würde für meine Dreistigkeit ihm gegenüber bezahlen, aber ich hatte Reflexartig reagiert ohne zu denken, die Rechnung würde ich alsbald zu spüren bekommen.
>>ER<<
Sie hatte mich tatsächlich angespuckt, dieses kleine verlogene, jedoch aber wunderschöne Weibsbild, hatte mir mitten ins Gesicht gespuckt. Mein selbstsicheres Grinsen verschwand und ich spürte wie meine Gesichtszüge hart wurden. Meine zur Faust geballte Hand öffnete sich und ich schlug, meiner früheren Freundin, mit der flachen Hand, dafür aber mit voller Kraft, ins Gesicht. Befriedigung ergriff mich als ich sah, dass ihre Lippe zu bluten begann. Blutende Frauen haben mich schon immer Fasziniert, Frauen sind so zerbrechlich, eine unbedachte Handlung und sie zerbrachen, gingen kaputt, körperlich wie auch geistlich. Aber Reiina hatte ich nie brechen können. Sie war stark, zumindest dachte sie das. Gegen mich hatte sie keine Chance und das würde sie ziemlich bald merken. Ich schloss meine Hände um ihre Handgelenke und drückte sie an die Wand, presste meinen harten Körper gegen ihre weichen Rundungen und drückte meine Lippen auf die ihren, mit sanfter Gewalt schob ich ihr meine Zunge in den Mund. Inzwischen hielt ich ihre beiden Hände mit nur noch einer Hand über ihrem Kopf zusammen, sodass ich meine andere für Erkundungen frei hatte. Ihre Haut war immer noch so weich und glatt wie vor elf Jahren. Meine Hand glitt zu ihren Brüsten und drückte zu, fest. „Verdammt" ich zog meinen Kopf zurück und rammte ihr mein Knie in den Bauch, sie hatte mir in die Zunge gebissen „Du elende Hure" schrie ich nein... er und er übernahm die Kontrolle. Tatenlos sah ich zu wie „er" dem Körper meiner Liebsten immer weiter zusetzte, sie an den Haaren zog, schlug, ihr seine „Liebe" aufzwang. Wie ein Gefangener im eigenen Körper musste ich zusehen, wie er ihr immer wieder weh tat. Bis sie schließlich doch brach und weinte. Das befriedigte ihn und stolz über seinen Sieg zog er sich in mich zurück, immer auf der Lauer um erneut auszubrechen. „Nein" flüsterte ich als ich die Kontrolle zurück erlangte. „Liebste" ich schaute auf Reiina die zusammengesackt auf den Fließen lag, zusammengesunken, weinend und blutend. Ich hob ihren beinahe leblosen Körper an und küsste sie, wiegte sie in meinen Armen und murmelte „Verlass mich nicht bitte, Reiina verlass mich nicht" Sie hatte kaum noch Kraft um sich zu regen und ich wusste, es war zu spät sie würde es nicht schaffen. Also trug ich sie in ihr Bett und liebte ihren zerbrochenen blutbefleckten Körper noch ein letztes Mal, überdeckte ihn mit Küssen um ihr meine Wertschätzung mitzuteilen, bis ich spürte wie er vollends erschlaffte und ihr schwaches Herz aufhörte zu schlagen. Ich zog mich aus ihr zurück und glitt von ihr herunter. Ich musste hier weg. Es waren zu viele Beweise vor Ort. Niemand würde mir glauben dass nicht ich es gewesen war, dass „er" allein die Schuld an ihrem Tod trug. Verstört verlies ich das Haus, ich war so in Trance, dass ich das wimmern welches aus dem großen Schrank kam nicht hörte.
>>Die junge Rei<<
Ich hatte den Tag alleine mit Mama verbracht, wir waren auf dem Spielplatz und Eis essen gewesen.Zuhause machte Mama gerade das Abendessen für uns beide, weil Papa mit Sayu beim Vater-Kind- Zelten war. Ich wollte auch dahin aber ich bin krank und kann kaum noch sprechen weil ich einen „Frosch im Hals" habe, wie Mama sagt, aber das kann ja gar nicht sein, sonst müsste ich ja quaken. Mama macht mir eine warme Hühnerbrühe, sie sagt, das macht mich schnell wieder gesund. Ich sitze auf dem Boden und male Tiere. Auf einmal hört man ein Auto die Straße entlang fahren, es hält an. „Seltsam" sagt Mama und geht ans Fenster „Hat Papa was vergessen?" wundert sie sich, weil unser Haus das einzige an dieser Straße ist, der Ort ist noch etwas entfernt. Wir wohnen außerhalb, weil wir Kinder da besser spielen können und es schöner ist als in der Stadt. Ich gehe zu Mama ans Fenster und sehe wie ein großer Mann aussteigt, auch vom weiten sehe ich sofort, dass es nicht Papa ist. Irgendwie macht er mir Angst. Er ist groß, hat dunkle Haare und sieht stark aus. Langsam geht er auf das Haus zu. Schnell schließt Mama die Vorhänge ihre Hände zittern und ich sehe, dass auch sie Angst vor dem Mann hat. Mama nimmt mich an der Hand und setzt mich in den Kleiderschrank „Wir spielen jetzt verstecken mein Schatz, niemand darf dich finden, hörst du, du bleibst hier bis ich dich wieder raushole! Und kein mucks, du musst ganz leise sein." Sagt sie aber Mamas Stimme zittert. Und das macht mir Angst. Ich höre wie die Tür aufgeht und eine tiefe Stimme sagt: „Wie kann man nur so Naiv sein und seine Tür nicht abschließen!" kurz darauf hör ich wie der Mann sagt „Ich habe dich vermisst, meine Schöne. Warum bist du damals vor mir davon gelaufen. Wir waren doch so glücklich zusammen. Aber wir haben ja jetzt Zeit füreinander, ich werde schon dafür sorgen, das du mir nie mehr davon läufst, schließlich liebe ich dich, wie keine andere. Komm in meine Arme und ich vergesse deinen Ungehorsam." Ich frage mich wer der Mann ist, Mama läuft vor gar nichts weg und der einzige der sie liebt, ist Papa, aber der ist ja nicht da. Durch einen Spalt im Schrank sehe ich wie Mama dem Mann ins Gesicht spuckt, ich bin entsetzt weil Mama mir immer gesagt hat spucken gehört sich nicht und sei unartig. Dann sah ich wie der große Mann Mama ins Gesicht schlägt, ich will schreien er soll weggehen, aber durch meinen Frosch kommt kein Ton durch meinen Mund. Jetzt küsst der Mann meine Mama, aber es sieht nicht so aus wie wenn Papa Mama küsst. Der Mann sieht für mich aus wie ein Monster. Plötzlich ruft er „ Verdammt!" und „Du elende Hure" ich weiß nicht was eine elende Hure ist, aber so wie der Mann das ruft kann es nichts nettes sein. Dann muss ich zusehen wie er Mama ganz dolle weh tut. Ich will aufspringen und Mama helfen aber meine Beine wollen nicht. Hab ich jetzt auch noch Frosch Beine? Mama blutet inzwischen von den Schlägen des Mannes und ich sehe wie der Mann etwas mit Mama macht, was ich nicht verstehe, aber es muss ihr sehr weh tun. Als Mama zu weinen anfängt hört er auf und plötzlich ist seine Stimme anders. „Nein... Liebste" hör ich und „Verlass mich nicht bitte, Reiina verlass mich nicht" da wir mir klar dass ich meine Mama nie mehr zurückbekommen werde und mir kommen die Tränen. Ich sehe wie der Mann Mama weg trägt, und schluchze leise vor mich hin obwohl ich am liebsten schreien würde. Nach einer Weile höre ich wie der Mann das Haus verlässt und mit quietschenden Reifen wegfährt.
Es dauert etwas bis ich den Schock überwunden habe und ich es schaffe meinen Beinen zu befehlen aus dem Schrank zu klettern. Auf den Fließen sehe ich Blut. Zitternd krieche ich auf die Schlafzimmertüre zu, zum laufen fehlt mir die Kraft. Da liegt meine Mama auf dem Bett und bewegt sich nicht mehr. Ich klettere aufs Bett und nehme Mamas Hand, schlaff, aber noch warm. Mama sieht nicht gut aus, sie sieht ganz fruchtbar aus. Ich weine immer mehr und rolle mich neben ihr schluchzend zusammen. So finden uns Papa und Sayu am nächsten Tag. Als sie mich fragen was passiert ist antworte ich nicht. Auch als mein Frosch weg ist, bin ich nicht in der Lage zu sprechen. Meine Stimme ist weg und es sollte noch Jahre dauern bis ich sie wieder fand.
>>Rei<<
Megumi schaut mein 17 jähriges ich sehr traurig an. Ich habe mit fast noch niemandem über den Tod meiner Mutter gesprochen. Sie hat Tränen in den Augen und sagt „Wir werden sie finden, ich verspreche es!" Weil ich damals den Tod meiner Mutter mehr oder weniger miterlebt habe, bin ich heute ein Medium und kann mit Geistern in Kontakt treten. Megumi will mir helfen meine Mutter wieder zu finden und zu erfahren,wer hinter ihrem Tod steckte. Vielleicht kann ich mich ja sogar an ihm rächen auch wenn mir die Erinnerung an diesen Mann, bis heute Albträume bereitet.
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Sammlung Geisterhafter Kurzgeschichten
Мистикаalte und neue Kurzgeschichten von mir die irgendwie auch miteinander im Zusammenhang stehen