II. Das bin ich nicht

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Nur die Dümmsten und die Weisesten können sich nicht ändern.

- Konfuzius

»Du bist einer von den Dummen!«

Wie kann man nur so denken? Glauben, dass ich die Person bleiben will, die ich gerade bin?
Ich hasse mich selbst und meine Gedanken sind scheiße. Scheiße, wie doch auch unsere Welt ein Haufen Exkremente ist, der um einen heiß brodelnden Feuerball kreist.

Warum muss ich aber an so etwas denken? Andere Leute ansehen und mir ihr Leben wünschen, obwohl es vielleicht noch schrecklicher ist als meins? Ich habe doch nur Probleme mit mir selbst. Einfach kindisch, unreif. Erwachsenwerden, so nennen sie es alle.
Aber ich möchte das nicht!

Ich gehe meine Wege allein, obwohl ich weiß, dass es gefühlt ein Millionen gibt, die das ebenfalls tut. Eine millionen Menschen fühlt sich so wie ich, denkt so wie ich und handelt demnach so.
Aber wo sind sie, wenn man sie braucht, sehnlich erwartet?
Ein Teil von mir flüstert, mit grauenvoller, heimsuchender Stimme, ich sei nicht 'mal gut genug für Personen, die so sind wie ich. Wahrscheinlich würde ich wieder aus der Reihe tanzen, im Kreis tanzen.

Zwar tanze ich und vielleicht erscheine ich so, als ob ich mit Freude gefüllt bin, aber nein!
Es ist kein Tanz der Freude, sondern ein Tanz der Irre.
Irre lache ich auch, wenn mir 'mal wieder bewusst wird, was ich mir alles selbst vorlüge.
Nicht einmal ehrlich zu mir kann ich sein, weil ich nicht mehr ganz bin.
Wir sind zu zweit - ich und meine Krankheit im Kopf. Zu zweit können wir uns belügen, unsere Lügen besser gestalten. So grandios gestalten, dass wir sie selbst glauben.

Wenn ich mich selbst im Spiegel betrachte, dann ist meine Reflexion doch nur eine brutale Lüge. Ein Spiegel sollte uns die Wahrheit zeigen, aber das tut er nicht. Er zeigt mir nicht die Wahrheit, denn sonst würde mich mein Gesicht nicht aus dem Spiegel anlächeln. Ich würde weinen, den Spiegel auf den Boden werfen und auf seinen Scherben tanzen - irre tanzen, bis mich meine Kräfte verlassen.

»Wir sind nicht dumm, verdammt! Wir brauchen Hilfe...«

***

Als ich dieses Kapitel geschrieben habe, stand ich in meinem Leben an einem Punkt, wo ich nicht gewusst habe, was ich für meine Zukunft will. Ich hatte Angst, da ich an einer Schwelle stand. Laut meinem Alter war ich kein Kind mehr, aber erwachsen habe ich mich auch nicht gefühlt.
Erwachsenwerden ist dumm, sehe ich bis heute immer noch so, obwohl ich nie ein Kind sein wollte. Ich weiß bis heute noch nicht, wie ich mich fühlen soll. Ich bin eine alte Seele, die wohl mit allem überfordert ist.

Der letzte Abschnitt trifft mich bis heute noch. Ich hatte Probleme, mich selbst anzusehen, denn ich habe nie wie mein Alter ausgesehen, damals zumindest sehr stark. Alle anderen sind reif geworden, während ich mein Baby-Face behalten habe, nie weiter als (heute stolze) 155cm gewachsen bin. Inzwischen mag ich mich, aber das hat einige Jahre gebraucht.

Mit dem letzten Absatz habe ich ausdrücken wollen, dass wir uns manchmal nicht so fühlen, wie wir uns sehen. Unsere Welt ist von dummen Schönheitsidealen geprägt. Aber wir alle sind schön, und heute sehe ich es endlich.
Ich hoffe, dass jeder von euch das ebenfalls sehen wird.

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