8 - Heidrun✔

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Als ich am nächsten Morgen aufwachte, erinnerte ich mich an die Geschehnisse letzter Nacht. Es war wirklich seltsam gewesen. Warum der Nadder mich nicht getötet hatte, wusste ich nicht, aber aus unerklärlichen Gründen vertraute ich ihr. Auch wenn es absolut abwegig war, sich mit einem Drachen anzufreunden. Wenn dies denn überhaupt möglich war.
Ich stand auf, machte mich fertig und ging vor die Tür, ins Dorf.
Draußen merkte ich, dass etwas los war. Denn viele Leute standen um etwas herum. Ich ging näher heran und sah, das es Reiker war. Und dann sah ich auch, wen sie im Schlepptau hatten. Es war Heidrun. Ja, die Heidrun. Unsere kleine Verräterin!
Wütend entfernte ich mich von der Gruppe, konnte aber noch hören was geredet wurde.
,,Wir haben sie in der Nähe der Insel gefunden.", erklärte Reiker und schüttelte Heidrun ein wenig. ,,Ist es verboten, auf seinem Drachen zu patrouillieren?!", verteidigte Heidrun sich und versuchte frei zu kommen. ,,Klappe! Das wirst du jetzt erstmal schön Viggo erklären!", ehe Heidrun noch etwas hätte sagen können, wurde sie auch schon von Reiker mitgezogen.
Ich stand nur daneben und sah zu. Bis mir plötzlich ein entscheidendes Detail auffiel: Wo war ihr Drache? Irgendwo musste er doch sein. Vielleicht im Wald? Oder war er weggeflogen?
Ich entschied mich dafür, ihren Drachen im Wald zu suchen und zu Reiker zu bringen. Vielleicht hatte ich doch noch eine Chance, zur Drachenjägerin ausgebildet zu werden. Auch wenn ich einen Drachen... gezähmt hatte. Vielleicht würde es ja nicht einmal jemandem auffallen!

Doch erstmal wollte ich wissen, wieso Heidrun überhaupt erst so nah an unserer Insel patroulliert hatte. Sie hätte doch wissen müssen, dass sie entdeckt werden würde.
Wie auch immer. Ob es nun die Dummheit der Reiterin, oder das Glück der Drachenjäger war. Es war passiert und ich konnte mich nicht beschweren. Was regte ich mich also auf?
Ich folgte Reiker in die Basis. Er und Heidrun steuerten auf Viggos Privatzelt zu. Ich lief unauffällig hinter ihnen her.
Als sie im Zelt verschwanden, blieb ich vor diesem stehen und lauschte.
,,Ah Hallo Heidrun, wie schön dich wieder zu sehen", hörte ich Viggos ruhige Stimme. Ich bewunderte ihn für seine kontrollierte Selbstbeherrschung. Ich wäre längst auf dieses kleine Miststück losgegangen!
,,Sie hat in der Nähe der Insel ihr Unwesen getrieben!", erklärte Reiker. ,,Ich verstehe. Und was hat dich zu uns geführt, Heidrun? Bist du zur Vernunft gekommen und hast vor dich uns wieder anzuschließen?", fragte Viggo spielerisch. Vor meinem inneren Auge konnte ich mir seinen Blick genau vorstellen.
,,Niemals, Viggo, vergiss es!", wiedersprach Heidrun ihm. ,,Wie schade", war seine Antwort darauf.
Sie redeten weiter, doch ich entfernte mich ein wenig von Viggos Zelt. Irgendetwas war seltsam. Es lag etwas in der Luft, das spürte ich.
Aber was?
Angestrengt überlegte ich. Doch auf einmal erschütterte die Erde. Mein Kopf fur hoch. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Es war eine Falle der Drachenreiter gewesen! Heidrun war als Ablenkungsmanöver gedacht!
Noch während es mir klar wurde, stürmten von überall Drachenjäger und Krieger herbei und schon begann der Kampf. Viggo und Reiker - mit Heidrun im Schlepptau - rannten aus dem Zelt und blieben neben mir stehen.
,,Ab ins Dorf mit dir!", zischte Reiker - ob es nun aus Sorge, oder der Angst ich könnte es vermasseln war, wusste ich nicht. ,,Na los!", gab er Nachdruck. ,,Nein! Ich werde hier helfen!", meinte ich automatisch. Reiker knurrte, während Heidrun mich verwirrt ansah.
,,Ach, weist du was? Du kannst uns helfen, indem du dich um die hier kümmerst!", ordnete Viggo an - da er offensichtlich keine Nerven für Streitereien übrig hatte - und schubste Heidrun zu mir.
,,Wenn's sein muss...!", erwiederte ich genervt und zog Heidrun grob hinter mir her.

Als wir etwas weiter vom Kampfgeschehen entfernt waren, verzichtete Heidrun nicht länger darauf sich zu wehren.
,,Lass mich los!", schnauzte sie und versuchte sich zu befreien. Doch so leicht war ich nicht abzuschütteln. ,,Klappe, du... du Drachenreiterin!" ,,Und wer bist du, huh?!", fragte sie skeptisch. ,,Ich hab dich noch nie bei Kämpfen gese-", ich unterbrach sie, indem ich ihr einmal gegen das Schienbein tritt, wobei ich sie los ließ. ,,Aah...! Okay, du hast es nicht anders gewollt!", rief sie zornig und zog ihre Doppelaxt. Da ich keine Axt dabei hatte, zog ich kurzerhand mein kleines Wurfmesser aus einen meiner Stiefel. Ich hatte es noch von letzter Nacht übrig. Schnell zog ich mir meine Fellkaputze über den Kopf und hielt das Messer vor mich.
,,Pah, ist das dein Ernst?!", spottete sie. Ich wollte schon auf sie los gehen, als mich etwas davon abhielt. Oder besser gesagt jemand.
,,Oh, hey Hicks!", begrüßte Heidrun den Nachtschattenreiter, der, auf besagtem Drachen, neben ihr landete.

𝐀𝐬𝐭𝐫𝐢𝐝'𝐬 𝐆𝐞𝐬𝐜𝐡𝐢𝐜𝐡𝐭𝐞 (*𝑝𝑎𝑢𝑠𝑖𝑒𝑟𝑡*)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt