Kapitel zehn | Honigkuchenpferd

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Eigentlich hatte ich immer geglaubt, dass es ein Witz gewesen war, eine schlechte Beschreibung ihrer Gefühle, wenn Leute sagten, sie hätten Schmetterlinge im Bauch. Doch seit Wyatt Badgley höchstpersönlich sich ein weiteres Mal mit mir verabredet hatte, hatte ich ein so ein Gefühl im Bauch.

Es war, als würde etwas in meinem Bauch versuchen aus diesem herauszufliegen und dadurch entstanden Bauchschmerzen anderer Art, die mich aber trotzdem quälten.

Wyatt konnte nicht glauben, dass es tatsächlich Menschen auf diesem riesigen Planeten gab, die nicht Fahrradfahren konnten und googelte es als wir uns wieder gegenüber saßen und unser Rührei mit Speck aßen. Tatsächlich weiß ich bis heute nicht was genau er gegoogelt hatte, aber es schien ihn zufrieden gestellt zu haben.

Danach hatten wir tatsächlich meinen Aufsatz fertig bekommen und er hatte darauf bestanden mich nach Hause zu fahren, es wäre ja sowieso auf dem Weg zur Mall, wo er sich mit seinen Freunden traf. Das stimmte tatsächlich nicht, die Mall war in einer ganz anderen Ecke, aber der verliebte Teil in mir (welcher sowieso die Oberhand gewonnen hatte) hatte es zugelassen.

Verdammt, ich hasste mich für das Gefühl, dass er mich wirklich echt mochte. Es gab mir nur Hoffnungen und jeder wusste, dass Hoffnungen genauso schnell zerplatzen konnten wie eine Seifenblase. Und dann landest du hart auf dem Boden der Tatschen mit gebrochenen Herzen. So war das Leben. Scheiße, aber wahr.

„Hier sind wir", sagte Wyatt als wir vor meinem Wohnblock anhielten. In seinem Gesicht konnte ich sehen, dass er sich extrem unwohl fühlte. Sein Blick huschte über die Straßen.

„Jo." Ich wusste mal wieder nicht, was ich sonst zurückgeben sollte. Während der Fahrt hatten wir geschwiegen und dem leisen Radio gelauscht. Ich hatte es nicht als unangenehm empfunden. Jetzt war die ganze Situation ein bisschen komisch. „Wir sehen uns dann Freitag?"

Er nickte. „Komm aber pünktlich."

„Ich kann für nichts garantieren", grinste ich zurück. Dann drehte ich mich um und stieß die Autotür auf. Sobald ich ausgestiegen und die Tür mit einem kleinen Lächeln geschlossen hatte, fuhr er davon.

Sein schwarzes Auto glänzte in der ganz langsam untergehenden Nachmittagssonne und passte nicht in dieses Bild. Er war so sauber und zeigte deutlich mit rotem Ausrufezeichen, dass er viel Geld gekostet hatte. Die dreckige Straße betonte das ganze nur noch. Es war als hätte jemand aus versehen etwas Wertvolles in den Müll geworfen und jemand anderes wiederum machte die Mülltonne auf – der wertvolle Gegenstand springt einem sofort ins Auge.

Als ich realisierte, dass ich dem Fahrzeug viel zu lange hinterher gestarrt hatte drehte ich mich wie vom Blitz getroffen und lief in meinen Block. Die Haustür war tagsüber immer offen, da Mr. Carney (sozusagen unser Hausmeister) als einziger den Schlüssel dafür hatte. Er selbst wohnte im Erdgeschoss und war nachtaktiv, sodass man nur klingeln musste, sollte man spät nach Hause kommen. Es war praktisch, so musste man nicht immer nach dem richtigen Schlüssel suchen.

Unsere Wohnung befand sich in der 4. Etage, auf welcher es noch zwei weitere gab, eine davon stand aber leer. Sofia hasste es die Treppe bis hier rauf zu kommen. Das einzig gute, ihrer Meinung nach, war dass ihr Arsch in Form blieb und scherzend sagte sie, wäre die Aussicht auf meinen auch nicht so schlecht. Man muss immer alles positiv sehen. Mein drittes Lebensmotto.

Ich schloss die Wohnungstür hinter mir und legte den Schlüssel auf eine kleine Kommode neben dieser. „Bin wieder da!", rief ich in die Wohnung hinein, aber nicht zu laut, da ich befürchtete, dass meine Eltern trotz Saufkoma hätten aufwachen können. Sie schliefen eigentlich den lieben langen Tag, wenn sie die Nacht davor gestritten hatten und das war der Fall. Sie waren vom Alkohol betäubt und schliefen im selben Bett, doch sobald sie wieder aufwachen würden sie wieder Streit suchen. Und wenn der jeweils andere nicht wach war, dann ging man halt zu seinen Kindern.

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