Super Powik und das Erdbeermarmeladenbrot mit Honig

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Auch wenn Super Powik ein Superheld war - der wichtigste dieses Jahrzehntes wohlgemerkt - war er doch, wie jeder andere Mann, Knecht seiner niederen Gelüste.

Und so begab es sich, dass unser, sonst so arbeitsliebende, Held sich an einem sonnigen Sonntagmorgen auf den Weg machte den Supermarkt seines Vertrauens aufzusuchen.

Normalerweise widerstrebte es ihm, an einem anderen Tag als seinem Einkaufstag einkaufen zu gehen.Doch da er heute Morgen einen seltsamen Appetit auf ein Erdbeermarmeladenbrot mit Honig gehabt hatte, was vielleicht auf eine Sendung zurück geführt werden konnte, die auf dem besten und einzigen vernünftigen Sender im Fernsehen* ausgestrahlt wurde - Kika - war er wie jeder gute Superheld über seinen Schatten und auf sein Fahrrad gesprungen, für das er eigentlich schon zu groß war (er hatte jetzt schon Rahmen Größe 18), aber er brachte es nicht übers Herz es auszutauschen, es hingen so viele Kindheitserinnerungen an diesem einfachen, pinken Stück Blech.

Da der Supermarkt seines Vertrauens, leider Gottes, eine weiten Weg entfernt lag, erreichte unser Held , dessen Markenzeichen, sein roserner, flauschiger Umhang hinter ihm im Wind wehte, als er auf seinem schillernden Ross über die Felder und Wiesen ritt, ihn erst um die Mittagszeit.

Es war ein Einkaufsladen, wie man ihn sonst nur noch in Märchen finden konnte, klein, urig, soweit abseits gelegen, dass moderne Technik, wie automatische Kassen oder Leuchtreklame, den Laden noch nicht infiltriert und ihm seines Idyllischen Charmes beraubt hatte.

Zur großen Freude Super Powiks, denn so musste er sich nicht dem Grauen der mit Hexerei betriebenen Schiebetüren aussetzen, sobald er es wieder für notwendig befand, einen neuen Einkauf zu tätigen.

Da der anstrengende Ritt auf seinem Drahtesel ihn sehr hungrig gemacht hatte, konnte er kaum abwarten durch die Türen des Ladens zu treten, sich so schnell wie möglich ein Glas himmlischer Erdbeermarmelade zu kaufen, auf sein superökologisches Super-mobil zu steigen und, dann, wenn er endlich zu Hause angekommen war und sein aufregendes Abenteuer abgeschlossen hatte, das Marmeladenglas zu öffnen, die Marmelade auf die bereits zurecht geschnittene Weißbrotscheibe zu streichen und dieses einfache Marmeladenbrot mit einer dünnen Honigschicht zu garnieren.

Super Powik konnte seine Vorfreude kaum bändigen und so stürmte unser Held auf das einzige, das ihn noch von seinem göttlichen Mittagessen trennte, zu die Supermarkttür.

Super Powik, als der Held der ist, machte sich keine Sorgen um dieses kleine Hindernis. Eine Tür stellte vielleicht für einen einfachen Mann eine Schwierigkeit da, aber Helden, ins besondere Super Powik, waren geübt im überwinden solcher Probleme.

Schon während des Rennens streckte er seine Hand nach der Türklinke aus, um sie sofort greifen zu können, wenn er sie erreichte. Sollte er sie jemals erreichen, man wusste nie was einem bevorstand, wagte man sich an den Antritt eines solchen, gefährlichen Weges. (Super Powiks Feinde schlafen nie!)

Plötzlich hielt Super Powik in seinem Rennen inne, war er doch zu der Erkenntnis gekommen, dass die Wahrscheinlichkeit die Tür und damit den baldigen Abschluss seiner Mission zu erreichen, größer wäre, bliebe er unerkannt. Es war nicht in seinem Interesse einem seiner Erz-Feinde zu begegnen, denn so würde die Aussicht auf ein Erdbeermarmeladenbrot mit Honig nur noch weiter in die Ferne rücken. Bereits die Verzögerung, die die einfache Besorgung von Erdbeemarmelad aufgebracht hatte, hatte unseren Helden irritier. So war es im besten Interesse der Schurken, ihm aus dem Weg zu gehen.
Heute kannte Super Powik keine Gnade!

Schlussendlich hatte er, nach vermehrten Deckungsmanövern hinter Büschen, Steinen und seinen eigenen Händen ("Manchmal kann man nur sich selbst vertrauen" / "Wenn ich dich nicht sehe, siehst du mich auch nicht!"*²), sein Ziel erreicht.

Super PowikWo Geschichten leben. Entdecke jetzt