„Ich weiß nicht, was sie sich davon erhofft hat, solche Gerüchte in die Welt zu setzen“, Niall schüttelte seinen Kopf. „Eigentlich hätte sie wissen müssen, dass sie damit nicht durchkommt.“
Obwohl ich wusste, dass das sein aufgezwungenes Ich war, das er in diesem Interview preisgab, tat es irgendwie weh zu sehen, dass er weder zu Grace, noch zu mir stand.
„Sie hat in einem Interview mit BBC Radio 1 zugegeben, dass sie nur des Geldes wegen gelogen hat“, fuhr der Moderator der Talkshow schließlich fort, „Hast du oft das Gefühl, dass Menschen dich nur ausnutzen wollen?“
Niall antwortete nicht sofort, nickte dann jedoch. „Ja“, gab er schließlich zurück. „Es ist einfach schwer zu unterscheiden, ob eine Person deinetwegen mit dir zusammen ist, oder wegen dem Status, den du in der Öffentlichkeit hast.“
„Und wie unterscheidest du es dann bei den Personen, mit denen du dich abgibst?“
„Gar nicht“, antwortete Niall. „Das einzige, was dir die Antwort auf solche Fragen geben kann, ist die Zeit.“
„Inwiefern?“
„Naja“, er schien kurz nachzudenken. „Es wird immer Zeiten geben, in denen du jemanden brauchst, der dir den Rücken stärkt oder jemanden, der zu dir steht wenn es der Rest der Welt nicht tut. In solchen Zeiten zeigt sich meistens, wer deine Freunde sind und wer nicht.“
Eigentlich hatte er recht. Genau genommen sprach er mir aus der Seele, denn meine Freunde standen längst nicht mehr zu mir – die einzige Freundin, die mir noch geblieben war, war Kathy, die ich im Geburtsvorbereitungskurs kennengelernt hatte.
Und selbst sie würde ich nicht als Freundin bezeichnen, sondern viel eher als gute Bekannte.
Ich schaltete den Fernseher aus, um mich nicht länger bewusst diesem Frust auszusetzen, der sich jedes Mal in mir anstaute, wenn ich Niall lügen hörte.
Ganz abgesehen davon gab es genug zu tun: Ich musste die Wohnung aufräumen, die Wäsche waschen, einkaufen gehen und sobald Grace aufwachte, würde sie Hunger haben. Dieser ganze Stress hatte zumindest einen Vorteil: Ich würde nicht allzu leicht ins Grübeln kommen und konnte mich auf diese Art und Weise zumindest minimal ablenken.Und es funktionierte tatsächlich. Ein Säugling war eine Art 24-Stunden-Job. Grace weinte, sie musste gewaschen und umgezogen werden, sie hatte Hunger, sie wollte schlafen, sie musste mitten in der Nacht gefüttert werden – von den ganzen Spaziergängen um sie zu beruhigen ganz zu schweigen.
Als ich später an diesem Tag gerade dabei war, etwas zu kochen, klopfte es an meiner Tür. Eigentlich konnte es nur jemand wie der Postbote sein, oder eine Nachbarin die irgendetwas brauchte.
Aber als ich die Tür öffnete, stand er tatsächlich da – Niall.
„Tut mir leid, ich habe gar nicht mit dir gerechnet“, gab ich zu und deutete demonstrativ auf meine Haare, die ich nur schlampig zu einem Dut zusammengebunden hatte.
„Störe ich etwa?“, er hob entschuldigend beide Augenbrauen nach oben und warf mir einen fragenden Blick zu.
„Nein“, ich schüttelte meinen Kopf. „Du kannst gerne reinkommen. Hast du Hunger?“
„Ja, ziemlich“, grinste er, „Ich hatte den ganzen Tag lang erst einen Apfel.“
„Es ist fast Fünf“, stellte ich fest, während er seine Schuhe auszog.
„Richtig“, antwortete er lachend, „Deshalb habe ich auch so großen Hunger.“
„Na dann komm rein“, grinste ich zurück, als ich bereits in der Küche stand. Das Interview des heutigen Vormittages hatte ich längst vergessen: Es war zu einer Art Selbstverständlichkeit geworden, dass er nicht zu seiner Tochter stehen konnte. Nicht, weil er es nicht wollte, sondern weil er es tatsächlich nicht konnte. Diese Erkenntnis war sehr langsam und schleichend gekommen – ich hatte es erst realisiert, als ich Niall besser kennengelernt hatte.
„Wo ist sie denn?“, er blickte sich suchend um, während ich ein Fenster öffnete.
„Sie schläft“, ich nickte mit dem Kopf in Richtung meines Schlafzimmers. „Ich bezweifle allerdings, dass sie das noch sonderlich lange tun wird.“„Ich hoffe du magst Pfannkuchen“, ich deutete auf den Herd, den ich noch nicht ausgeschaltet hatte.
„Sicher“, Niall zuckte beide Schultern und stellte zwei Teller auf dem Tisch ab.
Gerade als ich den nächsten Pfannkuchen wenden wollte, ertönte das Schreien unserer Tochter aus meinem Schlafzimmer.
„Ich geh schon“, winkte ich seufzend ab, als Niall sich auf den Weg zu ihr machen wollte. „Kannst du solange auf den Herd aufpassen?“
„Selbstverständlich.“

DU LIEST GERADE
Sharing the secret (Niall Horan FF)
Hayran KurguWas passiert, wenn man ein Geheimnis hat, von dem zwangsläufig die ganze Welt erfährt? Und was passiert, wenn es trotzdem ein Geheimnis bleiben muss? Rose Alvin befindet sich in genau dieser Situation. Als sie erfährt, dass sie ein Kind von Niall Ho...