Kapitel 3

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Langsam rekelte und streckte sich die Person unter der Bettdecke und für ein paar Sekunden überlegte ich, ob es mir nicht lieber wäre mich von dem noch immer bellenden Hund in Fetzen reißen zu lassen. Diese Option kam mir gar nicht mal so schlimm vor, doch es war bereits zu spät. Für kurze Zeit war alles still und wir sahen uns einfach nur in die Augen. Am liebsten wäre ich schreiend hinaus gelaufen, aber alles was ich heraus brachte war: „Ähh...Ihr..Ihr Sweatshir…gerissen…wegen..äh..der hund….“. „Oh lieber Gott bitte! Wenn es dich wirklich gibt dann lass mich hier tot umfallen!“, betete ich in Gedanken. Leider wurde ich nicht erhört. „Schade, es stand dir wirklich gut“, antwortete er mir einem schiefen Grinsen. Genau dieses Grinsen hasste ich so an ihm. Warum? Es war einfach unwiderstehlich! Genauso wie er. Seine wahnsinnig schönen blauen Augen, die schwarzen verwuschelten Haare und ganz zu schweigen von seinem Körper... Er hätte mit Sicherheit Unterwäschemodel werden können. Tja, das war er aber leider nicht. „Er“  trug den Namen Liam Holder und war mein junger, witziger und unglaublich scharfer Geschichtsprofessor. „Toll gemacht Clairedif, wirklich fantastisch. Schlafe einfach mal so mit deinem Lehrer. Und wie sieht dein großartiger Plan jetzt aus?“, schrie ich innerlich. Im Stillen hoffte ich, dass er unser „Gespräch“  nicht auf die letzte Nacht lenken würde. „Also gestern…“, fing er an. Seine Stimme klang sehr selbstbewusst sogar ein wenig flirtend und obwohl mir alles furchtbar peinlich war benötigte ich wahnsinnig viel Selbstkontrolle um mich zu beherrschen. Trotz meines kläglichen Versuchs rutschte mir ein kleines „verdammt“ raus bevor er zu Ende sprechen konnte. „Ist irgendetwas?“, fragte er mich verwundert, fast ein wenig besorgt. „Ähm verrannt!“ sagte ich und setzte ein unschuldiges Gesicht auf. Als ich jedoch sah, dass sich ein großes Fragezeichen  auf seiner Stirn bildete, fügte ich stotternd hinzu: „Ich, ich habe mich auf dem Weg ins Badezimmer verrannt, aber jetzt ist alles bestens Herr Holder.“ „Aha“, sagte er nicht wirklich überzeugt. Nach einigen Minuten des Schweigens seufzte er lachend: „Ach Claire, ich denke wir haben bereits zu viel voneinander gesehen als dass du mich noch mit Herr anreden musst.“ Ich wäre am liebsten im Boden versunken. Als er Anstalten machte aufzustehen, und natürlich war ich nicht in der Annahme er hätte etwas an, drehte ich völlig durch. „Aahhh! Nicht, äh bleiben Sie äh ich meine du doch einfach genauso liegen“, keuchte ich in meiner Panik. Wenn ich zurückdenke hatte ich schon mal bessere Ansagen parat. „Also wenn es wegen meiner Nacktheit ist, gestern hattest du auf jeden Fall nichts dagegen, ganz im Gegenteil du hast sogar….“. „Stopp! Ich will es nicht wissen!“, unterbrach ich ihn. „Was ist denn nur mit dir auf einmal los? Ist es wegen mir?“ fragte er mich, wobei letzteres sicher nicht ernst gemeint war, denn  er wusste genauso gut wie ich, dass er einfach, ich wiederhole „unglaublich heiß“ war. „Nein natürlich nicht, wie könnte es denn so sein… du bist ja echt nett und davon abgesehen hatte ich noch nie etwas gegen durchtrainierte Körper… oder gegen Gesichter mit Zügen wie aus Marmor gemeißelt, und von deiner Stimme will ich gar nicht erst anfangen, ähh  also keine Sorge du bist perfekt!“, stotterte ich vor mich hin und schlug mir sofort die Hand auf den Mund. In seiner Gegenwart war es einfach unmöglich normal zu denken. „Aber du bist mein Lehrer und äh ich werde jetzt glaub ich wieder gehen“ sprudelte es aus mir heraus, bevor ich wieder abschweife. Ich rannte kreuz und quer durch das ganze Zimmer auf der Suche nach meiner Kleidung. „Ach komm schon Claire. Lass mich dir wenigstens helfen deine Sachen zu finden“, seufzte Liam und stand vom Bett auf. Mein Verdacht hatte sich bestätigt. Mit  der großen Mühe mich auf die eigentliche Suche zu konzentrieren, hatte ich nun alle Hände voll zu tun. Schließlich hatte ich fast alles gefunden was nötig war und wollte gerade hinausgehen, als mir leider die Frage, ob er denn wüsste wo mein BH war, herausrutschte. Er lachte: „ Tja, also da war so eine Sache… gestern konntest du es nämlich überhaupt nicht erwarten ihn loszuwerden“. Ich hatte wirklich keine Lust auf Details und stürmte aus dem Zimmer vorbei an einem überrumpelten Hund der nicht genau wusste, was er tun sollte. Als ich gerade die Stiegenhaus Treppen hinunter stolperte, rief er mir noch irgendetwas über wiederholen nach, doch ich war so darauf konzentriert mich mithilfe purer Gedankenkraft einfach in Rauch aufzulösen, dass ich ihn nicht mehr wahrnahm. Leider klappte dass mit dem Auflösen nicht so wie geplant. Die Nacht hatte wohl besser geendet als der Tag angefangen hatte…

Auf dem Boden der TatsachenWhere stories live. Discover now