Kapitel 26

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»Luca, wo bist du?« Die Stimme seiner Freundin riss den Jugendlichen aus seinen Gedanken, denen er mal wieder nachhing.

Seit dem Ball von Amelia Bramlett war fast eine Woche vergangen. Eine Woche, in der Viktor nicht ein Lebenszeichen von sich gegeben hatte. Nicht, dass Luca es wirklich erwartet gehabt hätte, aber er hatte es sich gewünscht. Leise seufzend stellte er die Mistgabel an die Wand, ging zu dem schweren Eingangstor und rief: »Ich bin hier hinten, im alten Verkaufspferdetrakt.«

Es dauerte nicht lange und Willow kam um die Ecke.

»Was machst du hier?«, fragte sie und musterte ihren Freund neugierig.

»Alan hat mir vorhin erzählt, dass wir wohl ein paar neue Pferde bekommen. Fohlen, genauer gesagt Jährlinge. Und darum mach ich hier alles ordentlich.«

Willow betrat den Stall und sah sich um. In diesem Teil des Gestüts waren schon lange keine Tiere mehr untergebracht worden und so hatten sich Staub und Spinnweben angesammelt, die erst einmal beseitigt werden mussten. Außerdem wurden hier seit Monaten die Schubkarren und sämtliche andere Gerätschaften gelagert. Das alles musste jetzt raus.
»Jährlinge? Weißt du, wem die gehören? Und wo bringen wir das ganze Zeug nun unter?«
»Ja, genau. Englische Vollblüter. Viel mehr weiß ich auch nicht, nur, dass sie einem Geschäftspartner und alten Freund von Alan gehören. Und es sind keine Rennpferde.« Luca zuckte mit den Schultern. »Was den Kram angeht, den müssen wir wohl wieder auf die Stallgebäude aufteilen. So wie das früher auch war.«
Willow nickte. »Gut, dann sollten wir das tun.«

Die junge Frau sammelte ein paar Sachen zusammen und verstaute diese in einer Schubkarre. »Wie geht es dir eigentlich? Hast du was gehört? Du weißt schon ...«
Sich an eine Boxentür lehnend, schüttelte Luca den Kopf. »Nein ... aber ich habe auch nicht wirklich erwartet, dass er es tut. Ich hab dir doch erzählt, dass er mir immer wieder gesagt hat, dass er mich vor irgendwas beschützen will - oder vor irgendwem. Darum war ich mir eigentlich sicher, dass Viktor eh wieder den Schwanz einzieht und habe gar nicht erst zugelassen, dass ich mir falsche Hoffnungen mache. Es soll wohl wirklich nicht sein.« Der Jugendliche zuckte mit den Schultern, schnappte sich einen Besen und kehrte die Wände ab. »Was ist mit dir?«
»Was soll mit mir sein? Ich habe keine Nummer von Sebastian und er auch nicht von mir. Also ist es etwas schwierig«, gab Willow zurück, »ich bring mal eben das Zeug hier weg.«
»Okay, aber man kann zum Beispiel auch hier auf dem Festnetz anrufen, wenn man das will.«
»Ja, man kann so vieles. Aber vielleicht hat er ja keine Zeit gehabt. Ist ja erst ein paar Tage her.« Die junge Frau merkte, dass sie nach Entschuldigungen suchte und dass sie eigentlich gar keine Lust hatte, über das Thema zu reden. Also schnappte sie sich die Schubkarre voll mit Besen, Mistgabeln und Schaufeln und machte, dass sie wieder aus Lucas Reichweite kam, bevor der weiterbohren konnte. Sie wollte einfach nicht darüber reden.
Der junge Mann sah ihr nach und wandte sich dann wieder seiner Arbeit zu. Was nutzte es, sich den Kopf zu zerbrechen? Es würde nichts ändern. Trotzdem war er froh, dass bald die neuen Pferde kommen würden, denn das hieß, mehr Arbeit und mehr Arbeit ließ weniger Zeit zum Nachdenken.

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»Verflucht noch mal!«, polterte Viktor und warf den Ordner auf den Schreibtisch zurück. Die Angestellten zuckten zusammen und Sebastian schlug die Augen nieder. »Ich frage mich, wofür ich einen Geschäftsführer und Assistenz eingestellt habe, wenn der ganze Papierkram am Ende doch an mir hängenbleibt?! Ist es Ihnen nicht einmal möglich, termingerecht die Rechnungen der Lieferanten zu bezahlen? Rechtfertigen Sie das mit fehlenden Einnahmen? Denn das halte ich für ein Gerücht!«

Der Geschäftsführer des Rapture, Cornelius Butterman, nestelte an seiner Krawatte, bevor er den Kopf hob und versuchte, dem Grafen Draganesti stolz ins Gesicht zu sehen.

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⏰ Letzte Aktualisierung: May 20, 2020 ⏰

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