In den nächsten Wochen versuchten Niall und ich, uns so oft zu sehen, wie es sich mit seinem Kalender vereinbaren ließ – auch wenn das zu manchen Zeitpunkten zugegebenermaßen sehr kompliziert gewesen war.
Simon hatte tatsächlich recht behalten: Nach einigen Wochen sprach niemand mehr wirklich über die Geschichte, sie schien beinahe in Vergessenheit geraten zu sein. Mein Gesicht schien in einer Millionenstadt wie London wieder unterzugehen. Und ich hätte nie gedacht, dass ich darüber jemals so froh sein würde.
Mir war außerdem aufgefallen, dass das Verhältnis zwischen Niall und mir zunehmend vertrauter wurde: Wir sprachen über tiefergehende Dinge, wie beispielsweise Probleme die wir hatten, unsere Kindheiten – und so weiter.
Beispielsweise hatte er mir erzählt, dass er in der Schule zwar nie Probleme mit Mitschülern gehabt hatte, sein Vater allerdings immer sehr hohe Ansprüche an ihn gestellt und ihm keine Freiheiten gelassen hatte. Er hat auch erwähnt, dass er sich manchmal auch die ein oder andere Ohrfeige eingefangen hatte, obwohl sie in seinen Augen absolut nicht gerechtfertigt gewesen war.
„Manchmal hat er mir eine Ohrfeige gegeben, wenn ich nicht die beste Arbeit der Klasse hatte“, hallte seine Stimme in meinen Gedanken wider, und ich begann tatsächlich, Mitleid mit ihm zu haben.
Ein guter Grund dafür war wohl, dass es mir selbst oft nicht anders ergangen hatte. Nur war es bei mir nicht mein Vater gewesen, der so hohe Ansprüche an mich gestellt hatte, sondern mein Großvater. Mein Vater hatte meine Mutter nämlich nach meiner Geburt verlassen, weshalb ich mehr oder weniger bei meiner Mutter und meinen Großeltern aufgewachsen war. Einen wirklichen Vater hatte ich eigentlich nie gehabt.
Und aus genau diesem Grund war es mir so wichtig, dass Grace einen Vater hatte. Dass Niall für sie sorgte, und sie nicht im Stich ließ, wenn sie ihn brauchte.
Ich wusste nicht weshalb, aber ich hatte angefangen, ihm davon zu erzählen, auch wenn ich keine Ahnung hatte, was ich mir davon erhoffte. Ich wollte einfach nur, dass er davon wusste, aus welchem Grund auch immer.
„Du kannst dich auf mich verlassen“, hatte Niall gesagt. „Ich würde so etwas nie tun, vertrau mir.“
Das hatte mich irgendwie beruhigt, weil es so vertrauenswürdig auf mich gewirkt hatte. Noch nicht einmal wirklich meinetwegen, sondern wegen Grace. Ich wollte, dass sie einen Vater hatte – einen Vater, der sich um sie kümmerte.Als es draußen immer kälter wurde, und die Adventszeit schließlich begann, hatte ich zum ersten Mal wirklich Lust darauf, mich in die Weihnachtsstimmung zu vertiefen und mich damit zu beschäftigen, indem ich beispielsweise meine Wohnung dekorierte und zusammen mit Grace Weihnachtsmärkte besuchte.
Ich wusste nicht, weshalb ich plötzlich so große Lust dazu hatte, denn bisher hatte ich noch nie einen sonderlich großen Drang dazu verspürt.
Trotz allem verbrachte ich den 24. Dezember allein in meinem kleinen Apartment in London. Nun ja, ganz allein war ich nicht, immerhin war Grace bei mir. Aber aus irgendeinem Grund fühlte ich mich allein.
Umso erleichterter war ich, dass meine Mutter mich am nächsten Tag besuchen und den Tag mit mir verbringen wollte. Sie hatte mir versprochen so früh wie möglich zu kommen, hatte mir allerdings keine bestimmte Uhrzeit genannt.Als ich am Morgen des 25. Dezembers, an dem man in England eigentlich Weihnachten feierte, aufwachte, wusste ich erst nicht, was mich geweckt hatte.
Als das Schreien meiner Tochter allerdings ein weiteres Mal ertönte, wurde mir schnell klar, weshalb ich aufgewacht war.
Seufzend quälte ich mich aus der angenehmen Wärme meines Bettes und trat an ihre Wiege, um sie auf den Arm nehmen und beruhigen zu können.
„Hast du Hunger?“, ich lächelte, auch wenn ich mehr als nur erschöpft von den letzten Tagen war.
Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es etwa zehn Uhr vormittags war – für ihre Verhältnisse hatte sie ohnehin lange geschlafen.
Ich unterbrach meine schaukelnden Bewegungen nicht, während ich an das Fenster trat, um nach draußen zu sehen. Der Nebel über der Stadt hatte sich noch nicht wirklich verzogen, dafür regnete es allerdings nicht.In diesem Moment hörte ich, wie jemand an meiner Tür klingelte. „Ist das ihr Ernst?“, murmelte ich genervt, bevor ich kurz aufseufzte.
Meine Mutter war immer früher da, als sie sich eigentlich angekündigt hatte.
„Mom“, ich öffnete die Tür, „Kannst du nicht-“
Ich unterbrach mich selbst, als ich draußen gar nicht meine Mutter stehen sah, sondern Niall.
„Niall?“, irritiert schüttelte ich meinen Kopf und fragte mich seltsamerweise, weshalb er ausgerechnet hier auftauchen musste, wenn meine Haare ein Chaos waren, ich ungeschminkt und gerade aufgestanden war. Ich musste schrecklich aussehen.
„Sollte ich mir Sorgen machen, weil du mich mit deiner Mutter verwechselst?“, grinste er scherzend. In seiner Hand hielt er zwei eingepackte Geschenke und einen Strauß Rosen.
Ich starrte ihn perplex an, musste im nächsten Moment jedoch lachen. „Was machst du hier?“
„Eigentlich wollte ich dir nur eben frohe Weihnachten wünschen“, ein ehrliches Lächeln schlich sich auf sein Gesicht. „Also, frohe Weihnachten, Rose.“
Nun war ich diejenige, die lächelte. „Willst du vielleicht reinkommen?“
Er nickte. „Gerne.“
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Sharing the secret (Niall Horan FF)
FanfictionWas passiert, wenn man ein Geheimnis hat, von dem zwangsläufig die ganze Welt erfährt? Und was passiert, wenn es trotzdem ein Geheimnis bleiben muss? Rose Alvin befindet sich in genau dieser Situation. Als sie erfährt, dass sie ein Kind von Niall Ho...