Kapitel 05: „Ein (un)günstiger Sturz"

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25. März 2020

Lucas Sicht:

Nun steht bereits die 5. Show vor der Tür. Christina und ich tanzen einen Slowfox zu „Tearin' up my heart". Der Inhalt dieses Songs beschreibt meine aktuelle Situation ziemlich gut. In den letzen Tagen ist mir eindeutig bewusst geworden, dass ich irgendwie in Christina verknallt bin. Das hört sich vielleicht ein bisschen nach einer Teenager- Liebesgeschichte aus der zehnten Klasse an, ein Typ der mit seiner Freundin Schluss macht und sich direkt in die nächste verknallt. Aber mittlerweile muss ich echt kaum noch an Michelle denken. Dafür umso mehr an Christina. Doch was soll ich jetzt tun? Soll ich versuchen ihr näher zu kommen, und damit wohl möglich unser gutes Verhältnis aufs Spiel setzten? Ich meine wir werden ja bestimmt noch einige Wochen zusammen tanzen... Oder soll ich sie in Ruhe lassen? Aber das könnte ich mir später nur schwer verzeihen. Ich mache einfach das, was mein Herz für richtig hält. Denn irgendetwas sagt mir, dass Christina ähnlich fühlt.

Christinas Sicht:

Gerade sind wir dabei, einige schwere Hebefiguren für unseren Tanz zu trainieren. Und da haben wir diese Woche echt viele von.
„Lass uns nochmal die Endpose üben!", sage ich zu Luca. Die ist nämlich nicht gerade unriskant und braucht noch ein paar Durchgänge. Bei der Pose lasse ich mich von Lucas Schultern in Richtung Boden fallen und er hält mich so am Arm fest, sodass ich den Boden knapp verfehle. Das ist der Plan. Eigentlich. Denn Luca ist irgendwie nicht richtig bei der Sache. Als ich mich von seinen Schultern löse, nimmt er meine Hand zu spät und ich stürze unsanft mit dem Kopf auf dem Boden.
Nun sitze ich also benommen da. Mir ist extrem schwindelig und alles dreht sich. „Scheiße Christina ist alles in Ordnung? Es tut mir so leid!", schießt es aus Luca. „Ich brauche mal kurz frische Luft", entgegne ich ehe ich es irgendwie schaffe mich aufzurichten und die Tanzschule zu verlassen. Draußen angekommen sinke ich direkt auf eine Bank vor einer Mauer. Ich habe Kopfschmerzen, glaube aber nicht, dass es etwas Ernstes ist. Sonst hätte ja bestimmt nicht direkt wieder gehen können.
Keine 2 Minuten später kommt Luca hinterher und reicht mir eine Flasche Wasser. „Es tut mir leid", flüstert er erneut. Wir sitzen ein paar Minuten einfach nebeneinander, ohne das jemand etwas sagt. Nach etwa zehn Minuten lässt der Schmerz nach. „Ich glaube es geht wieder." Ich gucke Luca an und deute ihm, wieder reinzugehen und weiterzumachen. Doch er hält mich an meinem Arm zurück: „Hör auf Christina! Ganz bestimmt trainierst du jetzt nicht weiter". Ich sehe ihn ungläubig an, setze mich dann aber wieder neben ihm. Die Sonne scheint uns ins Gesicht. Für Ende März ist das Wetter echt schön.
Plötzlich werde ich aus meinen Gedanken gerissen. Ich schaue nach links und spüre Luca, der sich zu mir umgedreht hat und mir sanft über den Kopf streichelt. Sofort ist mein Schmerz vergessen und ich bekomme eine Gänsehaut. „Ich würde das gerne wieder gut machen", sagt er mit meinem besorgten Unterton in der Stimme. Sofort spielen meine Gedanken verrückt: Was hat er vor? Ehe ich weiterspinnen kann, spricht er weiter: „Ich würde dich gerne zum Essen einladen". Ungläubig gucke ich ihn an. „Da ja die Restaurants im Moment wegen Corona geschlossen haben... möchtest du heute Abend zu mir kommen? Ich kann was schönes für uns kochen". Sein Blick geht nach unten und ich merke, wie nervös er ist. Doch ich bin noch viel nervöser. Hat er, Luca Hänni, mich gerade wirklich gefragt, ob ich zu ihm kommen will? Mich? Ich kann garnicht klar denken. „Naja war nur so eine Idee...", fügt Luca hinzu und will gerade gehen. Ich glaube er denkt, ich würde nicht wollen. „Ich würde gerne zu dir kommen", platzt es aus mir heraus. Ich stehe auf und umarme Luca. Er lächelt mich an. Lange war ich nicht mehr so glücklich wie in diesem Moment.
Zwei Stunden später komme ich in meiner Wohnung an. In einer Stunde soll ich bei Luca sein, da bleibt nicht mehr viel Zeit. Ich springe schnell unter die Dusche und föhne meine Haare. Doch was soll ich anziehen? Und ist das jetzt ein Date und nur ein Essen unter Freunden? Ich bin total verwirrt. Im Endeffekt entscheide ich mich für eine schwarze Jenas und ein eng anliegendes Oberteil. Nicht zu schick, aber doch irgendwie sexy.
Anschließend mache ich mich in meinem roten Mini auf den Weg zu Lucas Appartement. Mit der Zeit beginnt mein Herz immer stärker zu schlagen. Mensch Christina du bist doch nicht mehr 16! Ich parke mein Auto und begebe mich zu den Treppen, die vor seine Tür führen. Dann erinnere ich mich daran, dass ja auch Kathrin für die Zeit von Let's Dance hier untergebracht ist. Dementsprechend beeile ich mich. Bevor ich an Lucas Tür klingle, halte ich nochmal kurz inne und atme tief durch. Dann überwinde ich mich und drücke auf die Klingel. Wenige Sekunden später macht Luca die Tür auf. Er trägt eine Jeans und einen schwarzen Wollpulli und sieht unheimlich heiß aus. Schüchtern sehe ich ihn an. „Hi", mehr bekomme ich nicht heraus. Doch Luca strahlt über das ganze Gesicht und nimmt mich in den Arm. „Hey, schön das du da bist!"
Ich hänge meine Jacke an die Garderobe und wir folgen dem köstlichen Duft von Spaghetti Bolognese in die Küche. „Möchtest du einen Wein trinken?", will Luca wissen. Eigentlich bin ich nicht so der Fan von Alkohol, aber ich glaube den brauche ich jetzt um mich nicht wie ein schüchterner Teenager zu benehmen. „Ja gern", bestätige ich Luca.
Anschließend gehen wir zum Tisch und essen. Luca ist echt ein super Koch, das Essen schmeckt großartig. Während des Essens unterhalten wir uns, aber die Stimmung ist immer noch etwas angespannt. Schließlich haben wir aufgegessen und Luca bringt unser dreckiges Geschirr in die Küche.
Danach beschließen wir, noch einen Film zu gucken. Ich setze mich neben Luca auf das Sofa und so langsam spüre ich die Wirkung meiner mittlerweile drei Gläser Wein. Eigentlich ist das gut, denn so bin ich deutlich gesprächiger. Allerdings werde ich ab einem gewissen Pegel gerne anhänglich und deshalb setze ich mich extra einen Meter von Luca weg. Als Luca auf Toilette geht und wiederkommt, rutscht er deutlich näher an mich, sodass wir uns fast im sitzen berühren. Hat er das absichtlich gemacht?
Nach der Hälfte des Films werde ich langsam müde und ohne das ich es kontrollieren kann, sinkt mein Kopf auf Lucas Brust und meine Augen fallen zu.

Lucas Sicht:

Nun sitze ich hier auf meinem Sofa mit einer schlafenden Christina im Arm. Ich weiß nicht, ob sie sich absichtlich an mich gekuschelt hat, oder ob sie einfach nur im Schlaf zur Seite gesunken ist. Aber das ist mir jetzt egal. Sie sieht so wahnsinnig süß aus wenn sie schläft. Ich beschließe, mit meiner Hand ihren Kopf zu streicheln. In ihrer Nähe fühlt sich einfach alles so schön an. Nach einer Weile werde ich auch müde. Ich entscheide, Christina bei mir auf dem Sofa schlafen zu lassen, da ich sie nicht wecken möchte. Ich decke sie zu und zögere kurz - dann hauche ich ihr einen vorsichtigen Kuss auf ihre Haare. „Schlaf gut Christina", murmle ich, obwohl sie mich eh nicht hören kann.
Doch einschlafen kann ich nicht direkt. Hätte ich sie mit zu mir ins Bett nehmen sollen? Oder hat sie sich doch nicht absichtlich an mich gekuschelt? Ich ertappe mich bei der Vorstellung, wir schön es wäre, mit ihr in meinen Armen einzuschlafen. Luca, sie ist nur deine Tanzpartnerin. Nicht mehr. Das alles ist nicht gut! Doch die Stimme der Vernunft in meinem Kopf nehme ich schon längst nicht mehr wahr. Dafür mag ich sie schon viel zu sehr.

Christinas Sicht:

Verschlafen öffne ich die Augen, doch dann bin ich sofort hellwach: Über mir sehe ich Luca, wie er mich anlächelt. „Na gut geschlafen?", fragt er mich mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen. Sofort laufe ich rot an und sitze kerzengerade auf der Couch. „Was ist gestern passiert?", frage ich stürmisch und mit einem erschrockenen Gesichtsausdruck. „Nichts wieso? Du bist eingeschlafen und ich wollte dich nicht wecken". Das erleichtert mich. Dann sehe ich auf die Uhr. Es ist bereits 9:30h und ich beschließe, mich auf den Heimweg zu machen, da wir ja gleich anfangen müssen, zu trainieren. Luca begleitet mich noch zur Tür. „Danke für den schönen Abend". Ich umarme ihn und gehe dann Richtung Ausgang.
Als ich wenig später in meinem Auto sitze, werde ich den Gedanken nicht los, wie schön es war von Luca geweckt zu werden. Es war süß von ihm, dass er mich nicht geweckt hat. Er ist so lieb zu mir. Wenn ich mit ihm zusammen bin, fühle ich mich einfach wohl. Langsam fange ich an daran zu glauben, dass es ihm ähnlich geht.

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