34 | The truth can be denied, but not avoided.

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Meine Augen suchten die meines Vaters als wollten sie sich davon überzeugen, dass er die Wahrheit sprach.

Ich blinzelte mehrere Male und malte nervöse Zeichen auf den Bezug der Couch.

Mein Herz machte einen Satz nach unten und ich schloss meine Augen, während ich mir vorstellte, wie Lennox sich fühlen musste. Er trug die Last seiner Familie auf seinen Schultern, die durch die Ausbrüche seines Vaters verschuldet wurden. Er passte auf seine Schwester auf, während sich seine Eltern stritten und fing für sie alles Negative ab, mit dem er sich selbst mehr belastete.

„Ich kann das nicht glauben", hauchte ich fassungslos.

„In kleinen Kreisen wird von den Aussetzern Dereks berichtet, welche der Grund für meine Sorge um dich sind. Ich möchte nicht, dass du in der Gegenwart solcher Leute bist. Dass du ihnen ausgesetzt bist, wenn sie nicht zurechnungsfähig sind." Die Bedenken meines Vaters schienen mir mit einem Mal nicht mehr so fern, wie ich sie immer vermutet hatte.

Er sorgte sich um mich, wie es jeder Vater tat, der nicht wollte, dass seine Tochter verletzt wurde.

„Peter ist anders, Dad. Er ist nicht so, wie du seinen Vater beschreibst. Ich hatte noch zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, er würde mir wehtun können", versuchte ich ihn zu beschwichtigen.

Es reizte meine Nerven, dass der Mann, in dessen Arme ich mich noch am Vorabend begeben hatte, solchen Verhältnissen ausgesetzt war. Ich hatte keine Ahnung davon gehabt, wie schlimm es um die Ehe seiner Eltern, und den Zustand seines Vaters stand. Natürlich war es mir nicht normal vorgekommen, dass sie sich oft zu streiten schienen. Aber dass die Ausmaße derart groß und furchteinflößend waren, hatte ich nicht erwartet.

Die Erzählungen über seinen Vater waren mir nie zu Ohren gekommen, und ich konnte mich auch nicht daran entsinnen, sie verdrängt zu haben. Ich konnte mir kaum vorstellen, dass ich um diese Geschichten gewusst, sie aber einfach nicht beachtet hatte, da ich keine Verbindung zu ihnen hegte.

„Das möchte ich auch gar nicht leugnen, Liebes. Ich möchte ihm nichts unterstellen, schließlich kenne ich nur seine Eltern. Aber mir ist nicht wohl bei dem Gedanken, dass du dich irgendwann bei Peter zuhause aufhalten wirst. Ein Treffen zwischen dir und Derek wird früher oder später zustande kommen, wenn du dich weiterhin mit Peter triffst. Ich weiß nicht, wie Derek gelaunt ist, wenn er getrunken hat. Wie schnell er ausfallend wird und vielleicht sogar die Hand erhebt. Aber ich weiß, dass ich sicherstellen werde, dass du dann nicht da bist, Cartia. Und das kann ich nur, wenn du dich von seinem Sohn fernhältst."

Die Entschlossenheit war in seine Stimme zurückgekehrt und sorgte dafür, dass er die Worte nicht mehr nur in seine Tasse nuschelte, sondern sie selbstbewusst mit mir teilte.

Allerdings war ich schon lange nicht mehr fähig, auf sie zu hören.

Einzelne Momente flackerten vor meinem inneren Auge auf. Momente, die Lennox im Park auf der Bank zeigten. Einsam, verlassen und mit einem blauen Auge, dessen Grund er mir nicht hatte erklären wollen. Ich hatte schon an jenem Tag nicht daran geglaubt, dass der Auslöser ein Sportunfall gewesen war. Jetzt, wo ich einen Teil seiner Familiengeschichte kannte, bot sich mir eine ganz andere Möglichkeit.

Mit einem Mal war mir bewusst, dass ich die Sorgen meines Vaters nicht kleinreden, gar besänftigen konnte. Ich hatte bei seiner Ankündigung damit gerechnet, dass es ihm einfach nicht gefiel, dass ich mich mit einem Jungen traf und erwachsen wurde. Womöglich hatte ich sogar geglaubt, er würde mir dieses Glück nicht gönnen, wo er doch gerade seine Liebe verloren hatte. Ich konnte meinem Vater seine Sorgen bezüglich dieser Familie nicht nehmen - nicht durch meine Worte und auch nicht durch mein Verhalten. Gerade jetzt, wo ich erfahren hatte, mit was Lennox zu kämpfen hatte, kam es mir unmöglich vor, mich von ihm fernzuhalten.

Paralyzed | ✓Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt