Chapter 27

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Natürlich gab es in den nächsten Wochen kaum ein anderes Thema in der Presse, als Niall, Grace und mich – und ich spürte, wie die Blicke sämtlicher Fußgänger wieder auf mir lagen, sobald ich das Haus verließ, selbst wenn ich nur kurz zum nächsten Supermarkt gehen wollte.
Aber weder Niall, noch ich kümmerten uns weiter darum. „Sie sollen tun was sie nicht lassen können“, hatte er zu mir gesagt.
Schlagzeilen über Schlagzeilen. Reporter, die sich plötzlich wieder vor meiner Wohnung tummelten und darauf warteten, dass ich sie verließ. Reporter, die alles tun würden um Details zu erfahren, die noch niemand sonst geschrieben hatte.
Ich konnte das Haus nicht mehr verlassen ohne hunderte von unfreiwilligen Fotos von mir schießen zu lassen. Das konnte anstrengend sein – trotzdem versuchte ich, es vorerst zu ignorieren. Es wird sich schon wieder legen, dachte ich.
Aber dem war nicht so, ganz im Gegenteil. Vor allem seitdem die Presse – woher auch immer – Wind davon bekommen hatte, dass Niall und ich mittlerweile ein Paar waren. Das Ganze lief sogar so weit aus dem Ruder, dass ich noch nicht einmal mehr zum Arzt gehen, einkaufen oder einen Spaziergang machen konnte, ohne dass ich mich an einer Horde Reportern vorbeidrängen musste.
So ging es mir auch, als Niall mich einige Wochen später erneut in das Restaurant im Hyde Park Corner bat, in dem unser erstes Treffen wohl ziemlich missglückt war. Er müsse mir jemanden vorstellen, hatte er gesagt.
Mit einer ausreichenden Tarnung erreichte ich zumindest die U-Bahn-Station, ohne erkannt zu werden. Dort wurde ich dann – leider – doch von einigen Leuten gesichtet, die plötzlich auf mich zukamen. Dass ich ein kleines Kind auf dem Arm hatte, schien diese Menschen gar nicht wirklich zu kümmern.

Als ich schließlich – nach mehr Zeitaufwand als sonst – im Hyde Park Corner ankam, und das Restaurant ein weiteres Mal erreichte, sah ich Niall bereits auf mich warten. Zur Abwechslung wurde die Stadt nicht in dichten Nebel gehüllt. Hin und wieder ließ sich sogar die Sonne einmal blicken, was in den letzten Wochen eher selten vorgekommen war.
„Bist du gut hergekommen?“, Niall grinste mich an, als ich vor ihm zum Stehen kam.
Ich zuckte beide Schultern. „Wie man's nimmt. Wartest du schon sehr lange?“
„Nein“, er zuckte beide Schultern, „Die Anderen sind schon drin, wollen wir reingehen?“
Ich nickte. Nun stellte sich mir nur noch die Frage, wer Die Anderen wohl waren.
Wieder gingen wir durch den Gang mit den schönen Tapeten, mit den Leuchtern an der Wand. Wieder betraten wir den Raum mit der gläsernen Kuppel als Dach, mit den Tischen auf denen die Speisekarten lagen – wieder erschrak ich mich über die hohen Preise, die man hier für nur eine einzige Mahlzeit bezahlen musste.
Niall führte Grace und mich zu einem Tisch, der sich in der hinteren linken Ecke des Saales befand. An ihm saßen vier junge Männer. Drei von Ihnen hatten braunes Haar, einer tiefschwarzes. Ich lächelte einfach in die Runde, weil ich nicht wusste, was ich sonst hätte tun sollen.
„Das sind Louis, Harry, Liam und Zayn, meine Bandkollegen“, hörte ich schließlich Niall's Stimme hinter mir, bevor er mir mit einer Geste deutete, mich zu setzen. Mit dem Finger zeigte er nacheinander auf jeden der Jungs. Einer nach dem Anderen stand auf, um mir die Hand zu geben, bevor ich mich, mit Grace auf dem Arm, hinsetzen konnte.
Den neugierigen Blicken von vier wildfremden Jungen ausgeliefert zu sein, war irgendwie kein sonderlich angenehmes Gefühl. Auch wenn ich wusste, dass diese Kerle Niall's beste Freunde waren, hatte ich noch meine Probleme damit, ihnen in die Augen zu sehen. Ich erkannte Liam wieder – aus einem Interview, in dem er Niall ein falsches Alibi gegeben und behauptet hatte, er wäre die ganze Nacht über bei ihm gewesen.
Die Stimmung schien mehr als nur seltsam zu sein. Angespannt saß ich auf meinem Stuhl und überlegte, wie ich das hätte ändern oder zumindest in einem gewissen Maße lindern können. Aber diese Arbeit wurde mir schließlich doch abgenommen, als Harry mir plötzlich die gleiche Frage stellte, die Niall mir bereits gestellt hatte. „Bist du denn gut hergekommen?“
Ich nickte. „Ja“, ein verkrampftes Lächeln schlich sich auf mein Gesicht.
„Wir nämlich nicht“, lachte Louis daraufhin plötzlich auf und grinste seine Freunde an, die alle die Augen rollten.
„Erinner mich bloß nicht dran“, seufzte Niall auf, „Kurz bevor wir hier ankamen, hat irgendein völlig verrückter Fan Louis entdeckt.“
Nun konnte auch ich mir ein Grinsen nicht verkneifen. „Ging mir nicht anders. Nur glaube ich, dass sie von mir keine Autogramme, sondern mich töten wollten.“
Nun lachte der Junge mit den schwarzen Haaren – ich glaubte sein Name war Zayn – kurz auf. „Das darfst du nicht so ernst nehmen“, grinste er, „Ich kann mich daran erinnern, dass einmal ein Fan Liam's Ohr haben wollte.“
„Was?“, ich musste mich zusammenreißen um nicht laut loszuprusten. „Warum sein Ohr?“
Liam zuckte beide Schultern. „Das weiß ich bis heute nicht.“
„Es hat auch Nachteile, von jedem auf der Straße erkannt werden zu können“, ergriff schließlich Harry seufzend das Wort, „Aber ich glaube nicht, dass ich dir das nach den letzten Wochen wirklich noch sagen muss.“
Ich schüttelte den Kopf. „Nicht wirklich, nein.“
„Das wirklich Dumme daran ist, dass du das nicht wirklich umgehen kannst“, warf Louis ein, „Es sei denn du verkleidest dich jedes Mal, wenn du aus dem Haus gehst.“
„Naja, aber wer will das schon?“, ich warf ihm einen zweifelnden Blick zu.
„Niemand“, antwortete er schulterzuckend, „Aber wir haben keine Wahl. Wir können noch nicht einmal in den nächsten Supermarkt gehen, ohne dass danach die halbe Welt weiß was wir zum Frühstück hatten.“
„Ich weiß ohnehin nicht, was daran so interessant ist“, kommentierte Niall, „Ich meine, ich kann ja verstehen, wenn jemand sich dafür interessiert, ob einer von uns eine feste Freundin hat oder nicht – aber unser Frühstück?“
Nun zuckte auch ich beide Schultern. „Vielleicht haben sie kein eigenes Leben, um das sie sich kümmern könnten.“
Obwohl diese Aussage wirklich ernst gemeint war, fingen plötzlich alle fünf Jungs an zu lachen. „Das denken wir uns auch jeden Tag“, grinste Louis.

Als der Ober unsere Bestellungen aufgenommen hatte, führten wir einige ähnlich belanglose Gespräche. Die angespannte Stimmung vom Anfang war bereits komplett verschwunden.
Ich erfuhr viel über die Jungs – auch wenn ich das zum Anfang des Gespräches nicht erwartet hätte, schienen sie mich bereits voll und ganz zu akzeptieren. Nicht unbedingt meinetwegen, sondern vielleicht Niall zu liebe – aber das machte mir auch gar nichts aus, solange sie so mit mir sprachen, wie sie es an diesem Tag taten.
Als wir alle zusammena anfingen zu essen, befand Grace sich auf dem Arm ihres Vaters – und sie war die ganze Zeit über ruhig. Es war mir ein Rätsel, wie er das schaffte. Er hielt sie nur auf dem Arm, sprach hin und wieder mit ihr und streichelte ihre Wange. Genau genommen machte er genau das gleiche wie ich, nur fiel es mir manchmal viel schwerer, sie zu beruhigen.
Natürlich entgingen mir die Blicke seiner besten Freunde nicht: Sie beobachteten ihn neugierig dabei, wie er sich um seine Tochter kümmerte. Vermutlich, weil es etwas war, das für sie völlig ungewöhnlich war. Etwas, das sie noch nie vorher gesehen hatten und etwas, das sie ihm vielleicht gar nicht wirklich zugetraut hätten.
Plötzlich war ich unglaulich stolz auf ihn. Er hatte kein Problem damit, zu ihr zu stehen. Weder vor der ganzen Welt, noch vor seinen Freunden.
Und das wirklich Schöne daran war, dass diese erste Begegnung zwischen seinen Freunden und mir wirklich gut verlaufen war. Ich konnte sie gut leiden, auch wenn ich sie kaum kannte. Sie schienen mir alle vier ziemlich sympathisch zu sein.
Und ich hoffte, dass es ihnen mit ihrem Eindruck von mir genauso erging.

Sharing the secret (Niall Horan FF)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt