9.Kapitel Sarah

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Danke für die 1k Reads! Danke, dass ihr alle wieder dabei seit 😉

Mittlerweile ist nur noch Cassian bei mir, die anderen habe ich weggeschickt, da sie dann doch einfach nur noch genervt haben. Wir gehen schweigend nebeneinander her und jeder hängt seinen Gedanken nach. Plötzlich unterbricht Cassian die Stille: "Wir sind gleich da." Ich nicke als Zeichen, dass ich es verstanden habe. Ich spüre, dass etwas in der Luft liegt aber ich frage nicht nach, da er es von sich aus erzählen soll.

Wir kommen am Strand an und ich entdecke ein Boot, was eingezäunt ist und wo darin eine Person ist. Ich zaubere mir meine Krone auf den Kopf und ein langes, schwarzes Kleid mit weiten Ärmeln. Auch Cassian zaubert sich vornehm und ich erlaube es mir auch ihm eine Krone auf den Kopf zu zaubern. Erstaunt blickt er mich an und ich meine: "Eine Königin braucht auch einen König." Ich küsse ihn kurz und kurz darauf erreichen wir den Ort.

Die Männer die auf die Frau aufgepasst haben verneigen sich und öffnen den Zaun, so, dass ich hineingehen kann. Danach ziehen sie sich zurück und warten auf ein Zeichen, falls ich Hilfe brauchen würde. Ich winke einen der Wachen zu mir und befehle: "Bringt mir etwas zu essen und trinken!" Er nickt sofort und eilt davon.

Ich brauche nicht lange zu warten, da kommt er mit einem Korb zurück, wo das gewünschte Essen und Trinken drinnen ist. Ich danke ihm und er zieht sich wieder zurück, während ich mich wieder zu der Frau drehe die sich ängstlich zusammengekauert. Ich lächle freundlich und entschuldige mich bei ihr: "Tut mir leid, für diese Unannehmlichkeiten, wir sind es nicht gewöhnt das jemand auf die Insel kommt." Ich stelle ihr den Korb hin.

Zitternd und ängstlich nimmt sie den Korb und erst jetzt fällt mir auf, dass sie ja frieren muss. Ihre Kleider sind zerrissen und ihre rötlichen Haare sehen auch nicht sehr gepflegt aus. Sie muss schon bevor sie in das Boot stieg sehr arm gewesen sein. "Bringt eine Decke!", rufe ich. Sekunden später halte ich auch schon eine warme Decke in den Händen. Ich gehe vorsichtig auf die Frau zu die gerade isst und lege ihr genauso vorsichtig die Decke um. Bei der Berührung zuckt sie zusammen und schließt sie Augen als täte es ihr weh.

Ich schiebe behutsam das eh schon kaputte T- Shirt hoch und entdecke unzählige Verletzungen. Einige sind entzunden und überhaupt sieht das ganze fast so aus, als wäre sie ausgepeitscht worden. Ich stehe auf und gehe wieder hinaus, sofort stellt sich wieder die Wachen vor den Eingang, so als wäre sie eine schwer Verbrecherin.

"Ok, das reicht!", die Wachen zucken bei diesen Worten zusammen, "Ihr behandelt sie wie eine schwer Verbrecherin und eigentlich ist sie nur ein Mensch. Ja, sogar ein verletzter Mensch und nur weil wir nicht so sind wie sie können wir sie trotzdem wie eine von uns behandeln! Ihr tut fast so als wären die anderen Menschen der Abschaum der Welt! Es sind immer noch Lebewesen und genauso sollten wir sie auch schätzen, auch wenn die Menschen anders sind als wir!" Ich hole einmal tief Luft und drehe mich um, wo ich Cassian entdecke, der mich mit großen Augen anstarrt.

Ich drehe mich wieder um und mit einer Handbewegung gehen die Männer auseinander und sehen mich ängstlich an. "Bringt das Boot in die Reparatur und entfernt endlich diesen Zaun!", befehle ich und die Wachen machen sich eilig an die Arbeit. Ich bitte Cassian schon mal zu meiner Villa zu gehen und anzukündigen das ich die Frau mitbringe und ein Zimmer fertig zu machen.

Nachdem das alles erledigt ist sind nur noch die Frau und ich am Strand. Inzwischen hat sie sich in die Decke eingekuschelt und zittert nicht mehr so. "Wollen Sie mich jetzt töten oder einsperren?", fragt die Frau unerwartet. Ich schaue sie schockiert an: "Um Himmels Willen! Nichts von beidem! Du wirst jetzt erstmal mit zu mir kommen und dort werden wir deinen Wunden versorgen. Danach schicken wir dich wieder nach Hause." Sie nickt als sie mich plötzlich mit der nächsten Frage überrumpelt: "Kann ich nicht einfach hier bleiben?"

"Ich weiß es nicht", antworte ich ehrlich. "Oh wie unhöflich von mir, ich bin Königin Violet, aber du kannst mich gerne einfach Violet nennen", stelle ich mich vor, auch wenn der Titel eigentlich nicht ganz stimmt. "Ich heiße Sarah", antwortet sie leicht lächelnd. Ich helfe ihr aufzustehen und gemeinsam machen wir uns auf den Weg.

"Also erzähl mal, der nächste Strand ist ja meilenweit entfernt, was hast du so weit draußen am Meer gesucht?", beginne ich behutsam ein Gespräch. Anders als erwartet erzählt sie mir wahrscheinlich so ziemlich alles: "Also in unserem Dorf haben wir einen grausamen Bürgermeister. Wer etwas falsch macht wird bestraft und er hat mich dabei erwischt wie ich heimlich etwas zu essen aus seinem Garten gestohlen habe, da andere hungern müssen. Dafür hat er mich ausgepeitscht und mir Salz in die Wunde geschmiert. Ich konnte auf dieses Boot fliehen, doch durch den großen Blutverlust wurde ich ohnmächtig und bin hier wieder aufgewacht. Den Menschen in meinem Dorf geht es sehr schlecht und niemand weiß, dass es überhaupt existiert, da wir so abgetrennt leben."

Ich nicke verstehend und überlege. Ich würde den Bewohnern so gerne helfen, doch das kann ich nicht. "Es tut mir leid, aber du kannst nicht hier bleiben. Wir leben seit Jahrhunderten hier und was ich gerade gehört habe brauchen deine Leute Hilfe. Wir werden dich gesund pflegen und dann werden wir dir noch das kämpfen lehren. Danach musst du zurück!" Man merkt an meiner Stimme das es mir nicht gefällt aber ich biete das an was uns möglich ist.

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