P.o.V Lia:
Ich saß im Deutschunterricht der sechsten Stunde und folgte den Ausschweifungen der Lehrerin nur wage. Vielmehr beschäftigte ich mich in Gedanken mit diesem 'Betreuer', den ich mir habe aufschwatzen lassen. Meine neuen Eltern, Tanja und Tobias Hansen, hatten sich Sorgen um mich gemacht, da ich nicht so gerne redete und mich mehr mit meinen Bildern beschäftigte als mit ihnen oder anderen Menschen. Auch wollte ich nicht wirklich neuen Anhang in Berlin finden. Bisher redete ich nur mit meinem Sitznachbar. Alex war sein Name. Er schien ganz nett zu sein. Mehr bisher auch nicht. Aber zurück zu diesem Betreuer.
Ich hatte nur vereinzelt mitbekommen, wer er war, oder wie sein Name lautete. Nur seinen Nachnamen konnte ich vernehmen. Tanja hatte mit 'Herr Mundt' schon sämtliches besprochen. Zwei ganze Monate sollte er bei uns wohnen. Als mein Betreuer. Na toll! Auch sollte er mich heute von der Schule abholen. Doch ich hatte ihn heute noch nicht zu Gesicht bekommen. Aber seine Anwesenheit konnte ich schon fast spüren. Oder es lag an den anderen Schülern, die heute merklich unruhiger waren als sonst. Mundt... Mundt.... Wieso kommt mir dieser Name so bekannt vor?! Nach gefühlten Stunden klingelte es endlich. Wie immer war ich die Letzte, die das Klassenzimmer verließ. Mir war das auch ganz recht. Abgesehen von heute.
"Lia, Könntest du kurz warten?", sprach mich meine Lehrerin an. Ich blieb stehen und ging auf das Pult und die Lehrerin zu. "Der Direktor wollte dich hier am Klassenraum abholen und dich wegen der Sache mit deinem Betreuer mit in sein Büro nehmen. Keine Sorge! Ich hab in der Pause mal mit Herr Mundt gesprochen. Er ist sehr höflich und freundlich!", ergänzte sie noch und ich sah verlegen zu Boden. Es war nett von ihr, zu versuchen, mich zu beruhigen. Doch ich hatte so oder so keine Lust auf einen fremden Typ, welcher für zwei Monate bei uns bleiben sollte.
Nach etwa drei Minuten tauchte auch leider der Direktor auf und meinte, ich sollte ihn doch bitte begleiten. Wortlos lief ich hinter ihm her mit gesenktem Kopf. Wir liefen an einer kleinen Gruppe von Mädchen bei, welche mich schadenfroh musterten. Es muss wirklich so ausgesehen haben, als hätte ich etwas angestellt. Die Vier kamen aus meiner Klasse und vertraten die typische Zicken-Bande, welche man überall und an jeder Schule finden konnte. Mit ihnen hatte ich jedoch keinen großen Stress. Sie mochten mich nicht, und ich sie noch weniger. Also redete keiner mit dem jeweils anderem.
Wir bogen noch einmal rechts ab und kamen an der Tür des Büros vom Rektor an. Ich spürte wie ich innerlich langsam aber sicher unruhiger wurde und am liebsten einfach abgehauen wäre. Doch ich tat es nicht. Der Direktor öffnete die Tür und trat herein. Ich trat, etwas zögerlich, nach ihm in den Raum und schloss die Tür hinter mir. Ich merkte, das jemand auf einem der beiden Stühle saß, die vor dem Schreibtisch des Direktors standen. Nur kurz erhaschte ich einen Blick auf diese Person, bevor ich mich mit gesenktem Blick wortlos auf den zweiten Stuhl setzte. Mehr als das er eine Cap trug und so um die 27 Jahre sein musste, merkte ich mir nicht. Ne Cap? Wieso glaube ich das schon mal irgendwo gesehen zu haben?
Erneut ansehen, wollte ich ihn nicht. Wäre in meinem Angstzustand auch nicht wirklich möglich gewesen. Jedoch spürte ich den Blick dieser Person auf mir ruhen. Der Direktor setzte sich auf seinen Platz und beugte sich zu uns vor. Der 'Typ' neben mir sah mich nun nicht mehr an und der Direktor fing an zu mir zu reden. "Lia, das ist Herr Mundt. Er wird dich für die nächsten Monate unterstützen. Keine Sorge! Er beißt nicht.", meinte das Direktorchen lächelnd. Ich sah es als Aufforderung 'Herr Mundt' die Hand zu schütteln, oder ihn eventuell auch mal anzusehen. Also drehte ich mich in seine Richtung und sah ihm ins Gesicht. Das Blut gefror mir in den Adern und ich hätte mir am liebsten einen fetten Facepalm gegeben, als ich diesem 'Betreuer' ins Gesicht sah. Unsicher schüttelte ich seine Hand während er sich nochmal selbst vorstellte. "Hi, Lia. Wenn du willst kannst du mich auch Florian oder Flo nennen!"
Warum muss so was gerade mir passieren?! Am liebsten wäre ich gestorben als ich in das Gesicht von LeFloid höchst persönlich blickte. Mit Cap, Narben, Tattoos und Augenringen. Er trug ein ganz normales T-Shirt und eine Jeans. Warum bin ich nicht einfach gegangen als ich noch die Chance dazu hatte?! Während 'Flo' und der Direktor in ein Gespräch vertieft waren, fasste ich nochmal alles zusammen: LeFloid wohnt für die nächsten zwei Monate bei mir und hält mich wahrscheinlich jetzt schon für eine Geisteskranke. Ich war ja nicht mal ein richtiges Fangirl oder so, aber seine Videos sah ich mir schon gerne an. Aha, aber einen 'LeFloid Army' Button am Rucksack haben ist okay, oder wie?!
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BlueBird
FanfictionEin junges Mädchen, welches durch den Tod ihrer Eltern und Geschwister umziehen und ihre alte Heimat inklusive Freunde zurücklassen musste? So unrealistisch es auch klingen mag, so wahr sind die Umstände, unter denen Lia Gintz nach Berlin ziehen mus...