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Lautlos schlüpft sie durch die Tür und lässt sie leise zufallen. Unten hört man bereits das Geschirr scheppern, jemanden Anweisungen brüllen und ein wiederholtes Abstellen von einem Krug. Das muss ihr Onkel sein. Wenn sie nur leise genug ist, bemerkt er sie für die nächsten Minuten nicht. Zwar würde seine Wut noch steigen, doch sie kann sich Worte und Sätze zurecht legen um sich aus dieser wirklich misslichen Lage herauszubringen. Aber egal wie sehr sie diese Situation durchdenkt, es geht immer damit aus, dass ihre Eltern in nächster Zeit auftauchen. Und das wäre sehr hinderlich.

Gerade, als sie überlegt erneut abzuhauen, ertönt ein leidgeprüftes Seufzen. >> Hast du genug Gegrübelt Cora, oder muss ich extra hochkommen um dich zu holen? <<

Erwischt. Scheiße verdammt. Aber wem macht sie etwas vor? Er hat viel mehr Übung, als sie und wesentlich mehr Erfahrung mit, naja, Fae. >> Jetzt Cora! << Überdeutlich trifft seine raue Stimme an ihre  Ohren. Unangenehmes Klingeln übertönt sämtliche Geräusche, doch sie geht langsam die Steintreppe nach unten. Der Geruch von frischem Brot und Nelken wird immer stärker und lässt ihr das Wasser im Mund zusammenlaufen. Für Essen wird es hoffentlich Zeit geben, denn die Köchin ihres Onkels holt gerade einen saftigen Braten vom Feuer. Ihr läuft das Wasser im Mund zusammen. Gierig beißt sie sich auf die Lippen. Der Drang etwas zu essen wird stärker, bis sogar Aedion seufzt. >> Yasmina, bring ihr bitte etwas von diesem Braten. Ich brauche sie bei klarem Verstand, oder zumindest was davon noch übrig ist. << Das hat wohl gesessen. Brav wie ein kleines Dorfmädchen läuft sie die letzten Steinstufen nach unten in die hell erleuchtete Küche. Überall, auf jeder ebenen Fläche, flackern weiße und grüne Kerzen. Lysandra nimmt das vielleicht ein bisschen zu ernst mit dem Jahrestag von Terrasen, doch es freut Cora ungemein, dass sie daran gedacht hat. Doch sie wäre trotzdem lieber woanders, als in dem Keller von ihrem Onkel, der ungemein genervt an einem Hühnerbein herumknabbert.

Barsch deutet er mit dem abgenagten Knochen auf einen Holzschemel ihm gegenüber. Der dreibeinige Hocker hat schon bessere Tage gesehen und wird sicher an dem Stoff ihrer Hose zerren, doch der schieferversprechende Stuhl ist vergessen, als sie den randvoll gefüllten Teller sieht. Schon wieder knurrt ihr Magen wie zur Bekräftigung, dass er jetzt etwas haben will. Und dem widersetzt sie sich lieber nicht, wenn sie nicht wie ihre Mutter sein will, nachdem sie herausgefunden hat, das Rowan sie bei der nächsten Ratssitzung alleine lassen wird. Himmel, war das ein Theater. Also setzt sie sich trotz des nahenden Sturms hin und sieht ihn an. Doch Aedion bleibt still, spielt sich weiter mit dem blank genagten Knochen und deutet auf den Teller. Eine Aufforderung zum Essen, die sie schnell annimmt. Es vergehen einige Minuten, bis er sich aufrichtet und ihr den Teller wegnimmt. Gerade ist sie dabei sich lauthals zu beschweren, doch ein Blick in diese bekannten Augen genügt und sie schweigt. Aedion starrt sie nieder und während sie immer kleiner wird, legt er den blanken Knochen weg und lässt seine angespannte Haltung fallen. >> Geht es dir gut? <<

Skeptisch mustert Cora ihn. Ist er nicht sauer? Oder Enttäuscht? Doch in seinem Gesicht zeigt sich nur tiefe Erleichterung, dass sie wieder hier ist. Keine Wut, oder Aggressionen ihr gegenüber. Also kann sie antworten, sollte sie auch, wenn sie Ruhe haben und den Rest aufessen will.

>> Mir geht's gut Aedion... wie geht's dir? <<

Leise lachend lehnt er sich zurück und verschränkt seine Arme vor der leichten Lederrüstung. Neugierig sieht sie sich nach seinem Umhang um. Den hat er von Lysandra geschenkt bekommen und eigentlich trägt er ihn immer, wenn es kalt ist. >> Ich weiß wonach du suchst kleine Nichte. Lysandra hat in mitgenommen, als sie nach Orynth zu Aelin geritten ist. << Das ergibt Sinn. Langsam wird einem die Kälte hier doch zu viel. Um diese Jahreszeit bringt sie nicht einmal ihr Vater an die frische Luft. Denn wenn bereits die Blätter fallen, wird kein warmer Tag mehr kommen. >> Dann noch eine Frage Kleine. Was hast du ausgeheckt? << Was genau sie ausgeheckt hat liegt noch in den Sternen. Immerhin ist ihr anfänglicher Plan in die Brüche gegangen, nachdem man Felina angeschossen und sie entführt hat. Die stygischen Spinnen waren ihr Ziel, doch die Tage in denen sie festgehalten wurde, fehlen ihr jetzt. Wenn es zu kalt wird, ist es beinahe unmöglich zu ihren Nestern zu gelangen. Der Schnee würde zu hoch liegen und es mühsam machen auf den Gipfel zu kommen und selbst mit einem Wyvern wäre es nicht sonderlich einfacher. Es bleibt ihr also nichts anderes übrig, als zu warten und zu hoffen, dass sie sich nicht mit ihren südlichen Artgenossen zusammenschließen. Sobald sie das geschafft haben, wird es nicht mehr lange dauern, bis sich Maeve zeigt und sie alle zum Teufel jagt.

Princess of Fire and Darkness ToG FFWo Geschichten leben. Entdecke jetzt