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>> Vielleicht ist das alles hier ja nur ein Traum. << Felinas Murmeln dringt nur gedämpft zu Nino durch, nachdem sie sich in einem Berg aus Kissen vergraben hat. Die Hexe ist länger als eine halbe Stunde weggeblieben, weshalb sie einfach eingeschlafen ist. Das ist gut. Seine Prinzessin braucht den Schlaf. Sich dauernd Sorgen zu machen ist nicht gut für sie. Es hält sie wach, stresst sie und das ist weder gut für sie, noch für jene, die Felina retten soll. >> Leider ist es keiner, Prinzessin. << Sanft streichen seine Finger über die zarte Haut ihrer Wange. Sie zu berühren ist wie eine Droge, er kann einfach nicht aufhören. >> Denkst du, ihr wird es gutgehen? <<

>> Diese kleine Prinzessin kann sich wehren, mach dir keine Gedanken. << Cora wird sich wehren solange sie kann... aber wenn sie es nicht mehr kann, dann endet das nicht gut. Eisen hält sie auf und der Tot besiegelt das Ende der bekannten Welt. Also sollte sie am Leben bleiben. >> Aber Aaron ist älter und stärker, als sie und... <<

Lyra prescht zu ihnen ins Zimmer und verpasst ihnen einen synchronen Herzinfarkt. Er lernt dieses Mädchen wirklich zu hassen.

>> Hör auf zu philosophieren was passieren könnte Felina und schwing deinen Hintern aus dem Bett Wir brechen auf. <<

>> Ich will, dass du es tust Kitty, für mich. << Doch sie faucht nur und windet sich zwischen den Ketten. Daraus wird sie sich nicht so schnell befreien können. Das Metallband um ihre Taille hält sie auf, dämpft ihre Kräfte aber unterdrückt sie nicht. Er will ihr Feuer, am besten eine ganze Säule, doch sie weigert sich.

>> Für mich, komm schon. Es ist auch nicht schwer. Tu es und ich binde dich los damit du etwas essen kannst. << Schnaubend wendet sich die Prinzessin ab, verbirgt ihr hübsches Gesicht hinter einem Vorhang aus goldenen Strähnen. Sie straft ihn mit Schweigen, vorher hat sie wenigstens mit ihm geredet. Das frustriert ihn ungemein und am liebsten würde er einfach weglaufen und das alles vergessen, doch er kann nicht. Seinen Frust in Wut umwandelnd, zerrt er sie an der Kette zu sich heran.

>> Schön, schweige. << Leise lachend bringt er sein Gesicht nahe an ihres, bis er ihren fächernden Atem auf seiner Wange spüren kann. >> Aber... wenn du willst, dass deine Freunde diese Nacht überleben, wirst du tun, was ich von dir will Kitty. << Sofort hat er ihre Aufmerksamkeit. Ihr wütender Blick liegt auf ihm und es fühlt sich an, als würde er langsam von innen heraus verbrennen.

Goldene Flammen fressen sich von dem Biss aus durch seinen gesamten Körper, was ihn aufkeuchen lässt. Schmunzelnd geht er in die Knie, zieht sie an der Kette mit, bis sich das dicke Eisen stramm bis zur Decke zieht. Das leise Klirren der aneinander geketteten Glieder mischt sich mit dem angestrengten Atmen beider Fae. >> Netter Versuch Liebes, aber... << Unter schweren Atemzügen richtet er sich wieder auf und lacht, um die Schmerzen gänzlich zu vertreiben. >> Du bist nicht im Vollbesitz deiner Kräfte und ich bin mehr als hundert Jahre älter als du, also gib auf. <<  Die Aggression verschwindet aus ihrem Blick, hinterlässt nur einen dumpfen Ausdruck der Angst, die das Grün ihrer Augen verschleiert. Nicht Angst um sich selbst, sondern um ihre Freunde, die den Spinnen zum Opfer fallen werden. 

>> Lass sie in Ruhe... bitte. <<

>> Über die Spinnen habe ich keine Kontrolle. << Wie fremdgesteuert holt er ein Glas voll Wasser von dem nahen Wagen und eilt zu seinem Kätzchen. Skeptisch beäugt sie das kalte Wasser. Ihr Körper zittert, wehrt sich gegen ihre Fesseln, aber erfolglos. Er muss einfach nur warten, bis sie sich wieder beruhigt. Wissend tunkt er den Finger in das kalte Nass und steckt ihn sich in den Mund.
>> Ganz normales Wasser Süße. Du hast Durst, also trink. << Wiederwillig öffnet sie ihre Lippen und nimmt einen großen Schluck, überlegt, kostet und schluckt es bereitwillig. Grinsend flößt er ihr das ganze Glas ein und stellt es weg. >> Wärst du jetzt so weit mir dein Feuer zu leihen Prinzessin? << Und trotzdem schüttelt sie den Kopf und schließt die Augen. Ruht sie sich aus?

Mit schiefgelegtem Kopf mustert Aaron sie. Das Mädchen schläft nicht, es tut nur so. Schlaues kleines Ding, aber es ist nutzlos, er kann ihren Herzschlag hören. >> Du vergeudest nur Zeit. <<

>> Nein, tu ich nicht. << Cora flüstert in den Wind und lächelt sanft, beinahe gewinnend, doch dann sagt sie nichts mehr. Interessant. Was hat sie vor? Irgendetwas hatten ihre Freundinnen doch geplant. Immerhin sind sie in seinem Haus gewesen, sind es wahrscheinlich immer noch. Die Reise nach Doranelle kann er vergessen, aber er braucht den Dolch. Die Asche seines Bruders hat er immerhin. Er hätte es nur gern an dem Ort seines Todes getan. Jetzt muss es auf dem Hügel hinter dem Haus sein. Fünf Tage noch, dann kann er sie opfern und endlich Frieden finden. Sofern der Mord an seiner Gefährtin ihn nicht vorher umbringt, aber er kann nicht anders. Er hat es Fenrys versprochen. Dem inneren Schrei vor achtzehn Jahren ist er gefolgt und hat seinen Bruder als Wolf bei Aelin knien sehen.

Zugegeben, er hätte ihr helfen können, aber wollte nicht auffallen. Wenn er Maeves Spielzeug befreit hätte, hätte ihre Aufmerksamkeit auf ihm gelegen und er wäre aufgeflogen. So hat er ihm ein Versprechen gegeben. Rache für den toten Bruder und endlich kann er es einlösen, die quälenden Gewissensbisse loswerden. So wird er Frieden finden.

Felina hat die unsinnigste Aufgabe, die jedes Kleinkind übernehmen könnte. Der Befehl lautet: Beobachte die Blume und ruf laut, wenn sie brennt. Gesagt getan, sie starrt die Blume an und weiß jetzt wie viele goldene Sprenkel sich in der Mitte rund um den Samenkorb befinden. Einundzwanzig goldene Punkte und... die Blume geht in Flammen auf. Ein rotgoldenes Feuer umrahmt den Blütenkopf wie eine zweite Haut.

>> Leute! << Und schon kommt Leben auf die verlassene Lichtung. Nino schält sich aus seiner Decke und folgt Lyra, die sofort Blue losbindet. >> Aufsitzen, sofort und... Hört ihr das Klicken? << Bewegungslos sehen sie sich um. Hier dürfte nichts sein, sie sind zu nahe an Terrasen.  Es wurden keine Spinnen in dieser Gegend gesehen, das wüssten sie. Manon hätte sie aufgespürt und getötet, aber dieses Klicken ist unverwechselbar. Ihre schemenhaften Schatten ziehen sich durch sämtliche Baumreihen um sie herum. Es sind zu viele. >> Felina du musst abhauen. << Lyra schiebt sich langsam in Richtung Blue und löst den Knoten. Die Zügel gleiten vom Baum in ihre Hand und er tapst unruhig umher, schnappt in die Schatten und löst ein wildes Durcheinander zwischen den Spinnen aus. >> Nimm die Zügel. Blue wird dich hinfliegen. << In ihrer Stimme schwingt Angst mit, die sie sorgsam zu unterdrücken versucht. Sie wissen alle, dass sie in Schwierigkeiten stecken. Auf Ninos Stirn glänzt der Schweiß und Lyra zittert.

>> Ihr könnt euch nicht opfern, das ist Wahnsinn! << Felinas Stimme überschlägt sich beinahe, als sie den Tränen nah in die Augen ihrer Freunde sieht, doch sie sind entschlossen. Die Schatten kommen näher, schlucken das Licht um sie herum. Das Klicken wird lauter, kommt näher und treibt sie enger zusammen.

>> Los jetzt Felina! Nino setz sie rauf, ich halte diese Mistviecher von ihr fern. << Ohne auf seine Zustimmung zu warten, prescht sie los. Felina sieht nur noch ihren wallenden Umhang, ehe sie im Wald verschwindet. Sekunden später ertönt das erste Kreischen. Felina kann nur zusehen wie die ersten Blutspritzer die Blätter rot färben und Verwüstung über der Lichtung hereinbricht. >> Wir müssen ihr helfen... << Felina kann nur zusehen wie ihre Freundin alles für sie gibt. Ihr abgehakter Ruf, der sie auffordert abzuhauen, trifft sie wie ein Vorschlaghammer und sie kann nichts weiter tun, als diesem Folge zu leisten. Und deshalb läuft sie.

Nino drückt ihr die Zügel in die Hand und nutzt ihren Schwung um sie in den Sattel zu werfen. Gehetzt sehen sie sich an. So viele Worte sind noch zu sagen. Dinge, die besprochen werden müssen, doch er lächelt sie einfach an. >> Ich liebe dich. << Lyra ruft nach ihm und er dreht sich in ihre Richtung, doch er bleibt bei ihr stehen und sieht sie an. >> Versprich mir am Leben zu bleiben. << Felina nickt, will noch etwas sagen, doch er ist bereits auf und davon um Lyra zu helfen. Sie muss los, jetzt, bevor die leuchtende Blume wieder erlischt. Wie in Trance packt sie die Zügel fester um aufzusteigen. >> Ich liebe dich... <<, flüstert Felina gegen den Wind ehe sie losfliegt um Cora zu finden.

Princess of Fire and Darkness ToG FFWo Geschichten leben. Entdecke jetzt