VII. Unterstützen

5.5K 192 124
                                    

Es schüttete wie aus Eimern. Dicke Tropfen rannen das Fenster meines Klassenzimmers hinab. Nachdenklich spielte ich mit einem Stift, während ich innig hoffte, dass es zur Pause klingeln würde. Shoyo war immer noch schlecht auf mich zu sprechen. Er ignorierte mich. Ich hatte mir einen Plan zurechtgelegt, wie ich ihn besänftigen wollte. Heimlich schmuggelte ich mein Handy zwischen die Seiten meines Buchs. Hoffnungsvoll aktivierte ich immer wieder den Bildschirm. Keine Nachricht.

Schließlich unterbrach die Glocke den Unterricht. Ich kramte meine Bentobox hervor, stupste Shoyo mit meinem Kugelschreiber in den Rücken und wartete bis ich seine Aufmerksamkeit hatte.

„Was?", fragte er sichtlich genervt.

„Shoyo, bitte, es tut mir leid, sei nicht mehr sauer! Ich weiß nicht, was gestern in mich gefahren ist, aber das wird nicht mehr vorkommen. Ich will doch das Team – unser Team – unterstützen, so gut ich kann!" Ein flehender Ausdruck lag in meinen Augen. Shoyos Miene erhellte sich etwas.

„Naja gut... Trainierst du mit mir nach dem Nachsitzen noch etwas? Ich würde gerne Annahmen üben."

Traurig musste ich mit dem Kopf schütteln. „Ich hab Hausarrest, den Rest der Woche."

Mitleidig rümpfte Shoyo die Nase: „Scheiße. Ist Nachsitzen nicht schon Strafe genug?"

„Meine Mum war gestern ziemlich geladen. Fand sie nicht so lustig, dass erst die Schule anruft und ich dann auch noch zu spät nach Hause komme." Ich lächelte geknickt.

„Zu spät? Wir sind doch gestern zusammen nach Hause?" Neugierig funkelten Shoyos toffeefarbene Augen.

„Ich... äh... Was?" Heiß stieg mir das Blut in den Kopf, während ich gekünstelt lachte.

„Kageyama und du. Ihr seid zusammen nach Hause", half mir Shoyo mit einem schelmischen Ausdruck auf die Sprünge.

Verzweifelt suchte ich nach einer Ausrede, da wandte sich meine Mitschülerin, Rin Makatoka, an mich. „Da steht so ein großer Typ draußen. Du sollst mal rauskommen, Misaki", ließ sie mich wissen.

Shoyos Augen verengten sich. „Wieso kommt er nicht rein?"

Schulterzuckend entschuldigte ich mich bei unserem Mittelblocker, trat auf den Gang, direkt in Kageyamas Arme.

„Was hat da so lange gedauert?" Seine Miene war finster wie immer, am Ärmel zog er mich hinter sich her.

„Ich musste mich erst Shoyo erklären..."

„Was hast du ihm gesagt?"

„Nichts." Lachte ich leise.

Zusammen stiegen wir die Stufen des Treppenhauses hinauf. Ganz oben vor der Feuertür hielten wir. Durch das Glas sah man auf das Schotterdach. Der Regen klatschte auf die grauen Steine.

Sofort zog Tobio mich an sich, verbarg sein Gesicht in meinen Haaren. Leicht überrumpelt tätschelte ich seinen Rücken. Ich wusste nicht, ob ich es bewundernswert oder besorgniserregend fand, wie er von emotionslos zu verliebt wechseln konnte.

Seine Fingerspitzen suchten nach meinen, unsere Hände verschränkten sich.

„Ich bekomme dich einfach nicht mehr aus dem Kopf", flüsterte er an meinem Ohr, ein beinah verzweifelter Unterton schwang in seiner Stimme mit.

„Ich dich auch nicht...", antwortete ich ihm ehrlich. Tobio wich etwas zurück, legte seine Stirn an meine, tief durchatmend.

„Bis zum Wochenende muss ich den Kopf frei bekommen. Das Turnier ist wichtig."

„Ich weiß... Du schaffst das! Ich unterstütze dich so gut ich kann." Warm drückte ich seine Hand.

Die Minuten verstrichen viel zu schnell und wir zuckten zusammen, als ein Ton die nächste Stunde verkündete. Kageyama drückte mir einen Kuss auf die Stirn und sprintete los.

Nicht genug (Kageyama x OC) | Haikyuu Fanfiction | AbgeschlossenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt