Verblüfft stand ich im Licht, musterte seine hochgewachsene Gestalt.
„Du und Tobio also." Ein Deja-Vue durchzuckte mich. Du und Asahi. Die Busfahrt zum Trainingsspiel. Wie konnten sich die beiden nur so ähnlich sein?
Kaum merklich nickte ich. Müde fuhr sich Tooru durch die Haare.
„Ich dachte, ich hätte dich hinter mir gelassen, aber dich hier zu sehen, hat mich ziemlich aus der Bahn geworfen", gestand er ruhig. „Weißt du, ich frage mich immer, was aus uns hätte werden können, wenn du nicht weggezogen wärst." Sein Blick bohrte sich in meine grünen Augen. Mein Körper wurde von ihm angezogen. Ein letztes Mal. Schnell überbrückte ich die Distanz zwischen uns, schlang meine Arme um seine Taille. Meine Wange ruhte an seiner Brust. Der vertraute Geruch seines Deos stieg in meine Nase.
Seine muskulösen Arme schlossen sich um mich. Sein Kinn legte sich auf meinen Kopf.
„Es fühlt sich an, als ob ich nochmal zerrissen werde..." Ein Kloß bildete sich in meinem Hals.
„Hmmm." Der Druck um meinen Körper nahm zu. Toorus Atem fing sich in meinen Haaren, jagte mir Gänsehaut über die Arme.
„Wieso tut es so weh?", schluchzte ich leise, versuchte die ersten Tränen herunterzuschlucken.
„Ich werde eben doch immer einen Platz hier drin haben", seufzte Tooru leise und stupste mit dem Zeigefinger gegen die zarte Haut über meinem Herzen. Der Fleck prickelte an der Stelle, wo er mich berührt hatte. „So wie du immer einen Platz hier haben wirst." Er nahm meine Hand, platzierte sie auf seiner Brust.
Warm sahen mich seine braunen Augen an. Wir waren so vertraut miteinander, obwohl wir uns mehrere Wochen nicht gesehen hatten, obwohl ich mich an Tobio verloren hatte.
Er wusste es, doch es stand nicht zwischen uns. Eigentlich hätte er Tobio als Konkurrenz sehen müssen, als Rivalen, aber er akzeptierte ihn so, wie er ihn auf dem Spielfeld akzeptierte.
Wie hatte ich mein Herz an Tobio verlieren können, wenn ich immer noch so für Tooru fühlte? Hatte ich mich selbst belogen? Wie konnte es Tooru stillschweigend hinnehmen, dass ausgerechnet Tobio mein Herz gewonnen hatte?
Er schien meine Gedanken zu lesen, lächelte traurig. „Ich will, dass du glücklich bist."
Tränen sammelten sich in meinen Augenwinkeln, liefen über. Schmerz floss heiß durch meine Adern. Hin und her gerissen zwischen meinen Gefühlen, schluchzte ich laut auf. Vorsichtig drückte er meinen Kopf an sich. Hielt mich einfach. Sein Körper zuckte sanft. Als ich aufsah, erkannte ich, dass auch er einige Tränen vergoss.
Zu sehr erinnerte mich die Situation an den Moment in seinem Zimmer, als ich unser beider Herz gebrochen hatte. Wir wussten beide, dass es keinen Sinn hatte, aber deshalb tat es nicht weniger weh.
Tooru musste es genau in diesem Moment so ergehen. Er wusste, dass es keinen Sinn hatte, um mich zu kämpfen, aber deshalb schmerzte es ihn nicht weniger.
Ich wollte uns beiden den Schmerz nehmen, das Leid, das uns verfolgte, aber ich wusste nicht, wie.
Sanft drängte er mich gegen die Tür. Meine Schulterblätter stießen gegen das Holz.
„Tooru...", schluchzte ich sanft, durchaus bewusst, was er vor hatte.
Ein dünner Zeigefinger legte sich auf meine Lippen. „Nur noch ein letztes Mal... Das kann mir niemand verwehren", verteidigte er sich.
Eine Hand legte sich um mein Kinn. Heiß brannte meine Haut. Mit dem anderen Arm stützte er sich neben meinem Gesicht ab.
In seinem Blick loderte es. Das Braun wurde größer, schwebte schließlich direkt vor mir. Sein Atem ließ die feuchten Spuren, welche meine Tränen hinterlassen hatten, spürbar werden. Meine Lider schlossen sich. Verlangend legten sich seine Lippen auf meine. Tooru legte all seinen Schmerz in diesen Kuss, ließ mich spüren, was er spürte. Raubte mir mit seiner Sehnsucht den Verstand. Meine Fingernägel krallten in den Jersey seines T-Shirts. Ein letztes Mal wollte ich seine Nähe spüren, zog ihn zu mir, bis wir Herz an Herz an dem Holz lehnten. Unser Kuss, dieser letzte Kuss, war wie ein zärtliches Abschiedslied. Wie Instrumente harmonierten wir miteinander, bis der letzte Ton verklang. Die Stille hinterließ Leere.
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Nicht genug (Kageyama x OC) | Haikyuu Fanfiction | Abgeschlossen
Fanfiction„Halt still", flüsterte er leise, sein Atem hauchte mich warm an. Seine zitternden Finger, ich spürte, wie er versuchte es zu unterdrücken, legten sich an meine Wangen. Das Dunkelblau kam langsam näher, seine Nasenspitze streifte meine Kalte. Blitz...