Die ausgetrockneten Brunnen, die Rosen enden.
Weihrauch des Todes.
Dein Tag kommt.- Sylvia Plath,
Auszug aus "The Manor Garden"Die Natur spielte ihr altbekanntes Lied und ich lauschte begierig. Ob meine Ohren schon je die Möglichkeit gehabt hatten, diese wunderbaren Klänge zu hören, konnte ich nicht mit Gewissheit sagen. Ich hatte meine Gewissheit schon seit langem verloren. Eine zu lange Zeit schien vergangen zu sein und ich saß nur mehr in einem nie endenden Karussell fest. Runden für Runden vergingen, Tage und Wochen, war es schon sogar ein Jahr? Immer die gleiche, jahrelang einstudierte Routine.
Doch jetzt saß ich hier, blickte empor in den Himmel. Der kühle Wind umwehte mein Haar und eine einzelne, verlorengegangene Träne glitzerte an meiner Wange.
Die Strahlen der niedrig stehenden Sonne spiegelten sich in meinen Augen wider - Sehnsucht.
In meinen unergründlichen Augen lag diese tiefe Sehnsucht, die schon viel zu lange dort weilte. Es sollte aber jetzt enden, denn würde ich jene Sehnsucht behalten, würde ich mit ihr wohl alt werden müssen.Das weiche Moos unter meinen Fingerkuppen hatte schon seit Ewigkeiten kein Wasser mehr bekommen. Nun war es ausgedörrt und leblos. Nichts würde es je wieder zurückholen können.
Ist der Tod unser Ziel? Müssen wir wirklich zuerst alle leben, bevor wir sterben? Aber, was bedeutet es, zu leben?
Diese und weitere Fragen schwirrten in meinem Kopf umher und hatten mich fest im Griff.
Aber dann war die Wendung gekommen, das Licht, das die Dunkelheit durchbrochen hat. Das Teufelskarussell war ins Taumeln geraten und mein Verstand wach gerüttelt worden. Die Nebelfetzen hatten sich aufgelöst und ich hatte durchatmen können.Die Träne traf geräuschlos auf dem Boden auf und eine silbrig, nasse Spur verblieb auf meiner Haut, eine Erinnerung.
In stolzer Haltung stand ich da, mit durchgestrecktem Rücken - Vergangenheit.
Das war meine Vergangenheit, aber sollte sie nun meine Gegenwart und Zukunft dominieren? Das, was war, konnte man nicht mehr verändern; es war schon längst im Buch des Lebens hineingeschrieben worden.
Ich würde es auch nie rückgängig machen, denn meine Vergangenheit zeigte, wer ich gewesen war. Sie hatte mich zu dem gemacht, das ich heute war. Unsere gesammelten Erfahrungen machten uns zu dem, wer wir waren.Der Tod würde jeden ereilen und das Leben war unsere Aufgabe. Sterben war leicht, denn jeder musste es tun, doch wie war das mit dem Leben? Es bot uns Abgründe, die übersprungen werden mussten; Steine, die umgangen oder aus dem Weg geräumt werden mussten. Das Leben legte uns eine Last auf den Rücken und genau deswegen war es verdammt nochmal schwerer zu leben, als zu sterben.
Das ist das Leben.
Nach jeder Etappe kommt die nächste und es ist gleichgültig, ob jene schlecht oder gut enden, denn die Erfahrungen aus ihnen prägen unser Selbst. Unsere Persönlichkeit.Nun sah ich zu, wie die Sonne die Welt verließ und ein kleines Lächeln zierte mein Gesicht.
Habe ich das Geheimnis des Lebens gelöst?
Nein, nicht ganz.
06.09.2018***
Das ist ein Text, den ich in der Schule für ein Deutsch-Portfolio geschrieben habe. Es ist einer meiner ersten Versuche gewesen, eine Geschichte zu schreiben. Jetzt ist der Text natürlich schon von mir überarbeitet worden.
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Meine · Deine · Unsere Welt ✔
Short Story"Was mache ich hier?", frage ich mich, während ich über die Welt nachdenke, eine Antwort bekomme ich keine. Meine Suche hat jedoch erst begonnen.