XIII. Streiten

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Meine Füße flogen über den Asphalt, angestrengt stieß ich die Luft zwischen den Zähnen aus. Die Rhythmen aus meinen Kopfhörern stachelten mich an, schneller zu laufen, mehr zu geben. Joggen gab mir die Ruhe und die Weitsicht, die mir im Alltag oft fehlte. Während mein Herz, meine Lunge und meine Muskeln beschäftigt waren, sortierte ich meine Gefühle.

Kageyama war der Mittelpunkt meiner Gedanken. Immer wieder ließ ich den Streit Revue passieren. Seine Worte, die mich auch jetzt noch verletzten. Ich wusste nicht, was mir mehr weh tat, seine Worte oder die Tatsache, dass er mir unendlich fehlte und ich nicht wusste, was ich dagegen machen sollte.

Das Trainingscamp würde mir genug Chancen bieten mit ihm zu sprechen, wenn ich meine Angst vor Tobios Ablehnung überwinden konnte.

Ich lief an der Sporthalle vorbei. Durch die Doppeltüren erhaschte ich einen Blick auf die Punktetafel. Es sah schlecht aus für mein Team. 15 zu 23 für die Fukurodani. Obwohl es nur ein Trainingsspiel war, kämpften beide Mannschaften hart um die Punkte. Akaashi spielte Bokuto einen hohen Ball zu, ihr Kapitän schien vor Selbstbewusstsein zu strotzen, ein siegessicheres Lächeln bereits auf den Lippen.

Tanaka und Nishinoya sprangen gemeinsam ab, ihre Finger griffen nach dem Punkt, der ihnen drohte, entzogen zu werden. Sie schwebten in der Luft, plötzlich verlor Ryu das Gleichgewicht, sein Ellbogen sauste nach hinten in dem Versuch seinen Sturz aufzufangen. Polternd landeten beide Spieler auf dem Boden. Schmerzverzerrt hielt sich unser Libero die Nase. Blut tropfte zwischen seinen Fingern hindurch. Eilig schob ich meine Kopfhörer in den Nacken.

„Scheiße! Tanaka, du Idiot! Zu blöd zum Springen oder was?", schimpfte Noya seinen Freund.

Schuldbewusst legte der Angesprochene seine Hand auf Noyas Schulter.

Die Spieler sammelten sich um den Kleinen.

„So kannst du nicht spielen..." Coach Ukai schüttelte verärgert den Kopf und beobachtete, wie sich unser Libero auf die Beine zwang.

Ich näherte mich meinem Team. „Soll ich dich begleiten?", bot ich mich an und beendete gleichzeitig meine sportliche Betätigung.

Alle Augen lagen unangenehm auf mir. Nachdenklich kratzte sich Daichi am Hinterkopf.

„Du, Misaki, du hast doch Nishinoya schon mal vertreten, oder?"

Meine Bewegungen erstarrten. Niemals. Nein, danke.

Bokuto trat neben mich. „Du spielst Volleyball?"

Meine Wangen färbten sich rot. „Ich habe Volleyball gespielt..."

„Du bist eine würdige Vertretung, bitte mach das mir zuliebe, okay? Ich weiß, dass du es drauf hast!" Yuu lächelte mich zwischen seinen Fingern hindurch an.

Tief einatmend, seufzte ich.

„Das ist dann wohl ein Ja!", jubelte Bokuto bereits. „Ich werde mich nicht zurücknehmen, das ist dir bewusst, oder?"

Ergeben hob ich die Hände, meine Kopfhörer legte ich auf die Bank. Aufgeregt schlug mein Herz bis zum Hals.

Aus den Augenwinkeln konnte ich beobachten, wie Kiyoko Noya hinausbegleitete.

Still begab ich mich auf meine Position.

„Jetzt kann ja nichts mehr schiefgehen!" Tanaka schlug mir lachend von hinten auf den Rücken, ungelenk stolperte ich einige Schritte nach vorn, direkt in Asahi. Er fing mich an den Handgelenken auf, bevor ich hinfallen konnte.

„Tanaka!", tadelte ihn Daichi da bereits genervt.

„Da... Danke!", stotterte ich an Asahi gewandt. Ich straffte meine Schultern, drehte mich Tanaka zu, meine Augen wütend zu Schlitzen verzogen.

Nicht genug (Kageyama x OC) | Haikyuu Fanfiction | AbgeschlossenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt