DoktorEnde
28 Jahre habe ich Rettungsdienst betrieben. Als Rettungsassistent und vor allem als Notarzt. Ca. 4500 Einsätze sind dabei zusammengekommen und eigentlich hat fast jeder davon für irgendjemanden so viel Bedeutung, dass man darüber reden oder schreiben kann. Bereits als ich noch aktiv war und jeden Monat neue Erlebnisse dazu kamen, hatte ich den Wunsch, die skurrilsten Dinge aufzuschreiben. Nachdem ich mein bunte Jacke dann endgültig an den Nagel gehängt hatte, wuchs der Wunsch nach Verewigung mancher Geschehnisse - und plötzlich gab es auch die Zeit dafür. Aber was sollte ich schreiben? Letztendlich entschied ich mich für die Dokumentation von Einsätzen, die unumstößlich weitreichende und nicht mehr umkehrbare Auswirkungen hatten. Eins haben nämlich alle Geschichten gemeinsam. Am Ende hat mindestens ein Mensch nicht überlebt und die Welt ist für die direkten Beteiligten plötzlich nicht mehr so wie vorher.
Der Tod wird in unserer Gesellschaft gerne verdrängt und führt ein Schattendasein. Dabei ist es völlig unmöglich ihm zu entgehen. Jeden holt er ein, den einen früher, den anderen später. Meine Geschichten sollen dies plastisch verdeutlichen und die Vielfalt darstellen, in der er plötzlich seine Krallen ausfährt.
Manche Geschichten plätschern leise vor sich hin, andere sind laut und verstörend, einige gehören in die Kategorie "das kann man sich nicht ausdenken" und einige erinnern an das Drehbuch für den beliebten Sonntags-Tatort.
Aber alle sind es wert, gehört zu werden