Jamilla232
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Prolog
Man sagte, die Drachen seien nur noch eine Legende.
Eine Geschichte, die Mütter ihren Kindern erzählten, wenn der Wind in der Nacht gegen die Fenster schlug. Niemand glaubte mehr an sie. Nicht nach all den Jahrhunderten.
Doch Legenden sterben nicht.
Sie warten.
⸻
In den Hallen des Schlosses herrschte reges Treiben. Diener liefen mit Stoffen, Blumen und goldenen Kerzen durch die langen Gänge. Überall wurde gelacht, geschmückt und vorbereitet.
In drei Tagen würde Prinzessin Aveline ihren achtzehnten Geburtstag feiern.
Der Tag, an dem sie offiziell zur Thronerbin ihres Reiches erklärt werden sollte.
Aus allen Königreichen hatten sich Herrscher angekündigt. Selbst ihr Verlobter, Prinz Lucien, würde nach Monaten der Abwesenheit zurückkehren.
Er hatte ihr in seinem letzten Brief geschrieben, dass er ein Geschenk mitbringen würde.
"Etwas, das die Geschichte verändern wird."
Aveline hatte darüber gelacht.
Doch tief in ihrem Herzen fragte sie sich seitdem, was damit gemeint war.
Sie konnte nicht wissen, dass dieses Geschenk ihr ganzes Leben verändern würde.
Sie konnte nicht wissen, dass Blut den Marmorboden des Schlosses färben würde.
Dass sie ihre Heimat noch in derselben Nacht verlieren würde.
Oder dass sie gezwungen sein würde, mit nichts als ihrer treuen Kammerzofe, einigen wenigen Leibwächtern und drei uralten Eiern zu fliehen.
Eiern, von denen jeder glaubte, sie seien längst tot.
Sie konnte auch nicht wissen, dass ihre Flucht sie ausgerechnet in das Reich eines Königs führen würde, der einst der engste Freund ihrer Eltern gewesen war.
Ein König, der mehr über die geheimnisvollen Eier wusste als jeder andere.
Und der ihr schließlich ein Angebot machen würde, das nicht nur über ihr Schicksal, sondern über das Schicksal aller Königreiche entscheiden konnte.
Denn manche Geschenke sind keine Segnungen.
Manche sind der Anfang eines Krieges.