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Raccoon City hatte ihr alles genommen, noch bevor sie überhaupt die Chance hatte, etwas zu besitzen.
Alessia erinnerte sich nicht an eine Kindheit - nur an Training, an sterile Räume, an Stimmen, die nie laut wurden und gerade deshalb gefährlich waren. Die Umbrella Corporation hatte sie nicht gerettet. Sie hatte sie erschaffen. Stück für Stück, Auftrag für Auftrag, bis aus einem Mädchen ein Werkzeug wurde, das funktionierte, ohne zu hinterfragen.
Gefühle waren ein Fehler. Zweifel eine Schwäche. Und Vertrauen? Ein Risiko, das man sich nicht leisten konnte.
Doch selbst perfekte Werkzeuge bekommen Risse.
Der Fall von Raccoon City war kein Ende gewesen - sondern ein Anfang. Chaos, Verrat, Blut. Und mittendrin Alessia, die zum ersten Mal nicht wusste, wem sie gehorchen sollte... oder ob sie überhaupt noch jemandem gehorchen wollte.
Dann traf sie ihn.
Leon S. Kennedy war alles, was sie nicht verstand. Zu ehrlich. Zu menschlich. Jemand, der immer noch daran glaubte, dass man Menschen retten konnte - selbst solche wie sie. Vielleicht gerade solche wie sie.
Ihre Begegnungen waren nie einfach. Zu viel Misstrauen, zu viele unausgesprochene Wahrheiten. Er sah in ihr mehr, als sie selbst ertragen konnte. Und sie? Sie sah in ihm etwas, das sie längst verloren glaubte.
Hoffnung.
Aber Hoffnung ist gefährlich für jemanden, der darauf trainiert wurde, nichts zu fühlen.
Zwischen ihnen entstand etwas, das keiner von beiden kontrollieren konnte - eine Verbindung aus Schuld, Anziehung und unausgesprochenen Fragen. Alessia hielt ihn auf Abstand, kühl, berechnend... weil Nähe bedeutete, angreifbar zu sein. Und angreifbar zu sein bedeutete, wieder alles zu verlieren.
Doch egal, wie sehr sie versuchte, ihn von sich fernzuhalten - Leon war der Einzige, der es immer wieder schaffte, durch ihre sorgfältig errichteten Mauern zu sehen.
Und vielleicht war genau das das Gefährlichste von allem.