Manuela500_
Kapitel 1:
Manu war erst zwölf, als sie feststellte, dass sich ihr Körper veränderte. Müdigkeit, Übelkeit - Symptome, die sie nicht verstand, bis der Arztbesuch die Wahrheit ans Licht brachte: Sie war schwanger. Angst und Verwirrung überwältigten sie. Wem sollte sie sich anvertrauen? Ihre Mutter würde ausrasten, ihre Freunde sie verurteilen. Schließlich offenbarte sie sich ihrem Vater, einem liebevollen, aber oft überforderten Mann. Er versprach, ihr beizustehen, egal was passierte. Gemeinsam beschlossen sie, die Schwangerschaft vorerst geheim zu halten.
Die Monate vergingen, und Manus Bauch wuchs unaufhaltsam. Sie trug weite Kleidung, um die Veränderungen zu verbergen, und versuchte, ein normales Leben zu führen. In der Schule wurde sie stiller, zog sich zurück. Nur ihr Vater war ihr Anker, der ihr Mut zusprach und sie in ihren Ängsten bestärkte. Trotz der schwierigen Umstände keimte in Manu eine zarte Vorfreude auf das Baby heran. Sie begann, heimlich Babysachen zu kaufen und sich Namen auszudenken.
Eines Nachmittags war Manu mit dem Fahrrad auf dem Weg nach Hause. Sie freute sich auf das Abendessen mit ihrem Vater und darauf, ihm von einem Ultraschallbild zu erzählen, das sie heimlich hatte machen lassen. Doch dann geschah das Unfassbare: Ein Auto raste um die Ecke und erfasste Manu. Sie wurde ins Krankenhaus gebracht, wo die Ärzte um ihr Leben kämpften.
Manu überlebte den Unfall, aber ihr ungeborenes Kind nicht. Die Nachricht traf sie wie ein Schlag. All ihre Hoffnungen, Träume und die zarte Vorfreude wurden in einem Augenblick ausgelöscht. Ihr Vater stand ihr in dieser schweren Zeit bei, weinte mit ihr und versuchte, ihr Trost zu spenden. Doch der Schmerz war unerträglich. Manu zog sich zurück, sprach mit niemandem und verlor jeglichen Lebensmut.