LibraLena
Zwei Länder, eine Insel - und eine Grenze, die mehr trennt als nur Land.
Am Strand der Dominikanischen Republik beginnt eine Begegnung, die weit über das Postkartenidyll hinausführt. Jean, Surflehrer, 31 Jahre alt, geboren in Haiti, lebt zwischen zwei Welten: tagsüber unter Touristen, die das Meer suchen, doch auch mit der Angst eines Tages in der Nacht doch abgeschoben zu werden.
Was als beiläufiges Gespräch im Sand beginnt, wird zu einer Reise dorthin, wo das andere Gesicht der Karibik liegt. Über den chaotischen Grenzmarkt von Dajabón führt der Weg nach Cap-Haïtien, zu Jeans Familie. In einer kleinen Hütte ohne Strom, seit Jahren vom Staat vergessen, zeigt sich ein Alltag, der von Mangel geprägt ist und von einer Selbstverständlichkeit des Überlebens.
Doch hinter der Armut liegt eine noch größere Bedrohung: ein Land ohne funktionierende Regierung, in dem bewaffnete Banden ganze Regionen kontrollieren und die Hauptstadt Port-au-Prince für Außenstehende zur verbotenen Zone geworden ist.
Eine Reportage über Nähe und Distanz, über Vorurteile und Abhängigkeiten, über zwei Welten, die nur durch eine Grenze getrennt sind und doch unvereinbar scheinen.