2. Fallen
Die Stadt lag in trümmern. Alles was einst so atemraubend schien, lag nun zerstört vor ihm. Nie wieder würde er den einstigen Glanz und das hohe Ansehen seiner Stadt wieder erbauen können. Doch er hätte es besser wissen müssen, als er sich auf sie eingelassen hatte.
Feuer, Tod, Blut und das Gefühl der Niederlage und des verlustes umgaben ihn. Der einstige Glanz seines Reiches wurde bis auf die Grundmauern nieder gemetzelt und eliminiert.
Ein kleines Mädchen, nicht älter als viel, lag mitten in den Trümmern. Ihre Kleidung war zerrissen, der Rücken zu ihm gewand, er gab den Blick auf eine schwarze Rosenranke frei, die sich ihren Weg von dem Nacken bis über die gesamte Wirbelsäule erstreckte. Ihre Haare hingen feuerrot und zerzaust über dem ganzen Kopf.
Er hatte das gleiche Mal wie sie, an der selben Stelle. Es kenzeichnete beide als Blutlinie, der Königsfamilie Kyeongrye, dabei hätte es sie nie geben dürfen. Seine Tochter, die die er über alles liebte und mit ganzen Herzen aufzog, hätte es nie geben dürfen und genau sie war der Auslöser für diesen unangekündigten Krieg.
Die Engel hassten alles, was ihnen unbekannt war, so auch den Hybriden aus ihnen und einem Dämonen. Sie fürchteten alles was sie nicht kannten und wollten es um jeden Preis zerstören, auch wenn dieser tausende Leben und Gebäude mit sich zog.
Vor seiner Tocher erstreckten sich die letzten Überbleibsel eines Palastes, der einst prächtiger war als der, den die Menschen als Versailles bezeichneten.
"Calanea." sprach er den Namen seiner Tochter leise aus, die sich umdrehte und sofort auf ihn zu rannte, um sich an seine Beine zu werfen.
Name: Lee Yooa
Alter: 19 Jahre
Diagnose: Leukämie
Nach einer gescheiterten Behandlung ihrer Krankheit bekommt das Waisenkind Yooa von den Ärzten noch zweieinhalb Monate zu leben. Wenn alles gut läuft, sind das knappe fünfundsiebzig Tage.
Ihr Ziel: Alles, was sie jemals machen wollte, vor ihrem Tod erleben.
Ihre Begleitung: Ihr neuer Freund Jiwon
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Eine kurze Weile war es still, ein Moment, in dem keiner etwas sagte. "Lee Yooa", spricht er, "ich möchte dich etwas fragen. Wirst du meine Frage ehrlich beantworten?" Ich drehe meinen Kopf so, dass ich ihn beobachten kann. "Kommt drauf an. Frag einfach." Er steift seine Kapuze nach hinten und fährt mit der Hand durch sein volles, dunkles Haar. Währenddessen beobachte ich ihn gebannt. "Was wirst du jetzt tun? Jetzt, da du weißt, dass du... noch fünfundsiebzig Tage hast." Er nimmt die selbe Position ein wie ich, legt den Kopf seitlich auf die Arme, blickt mir in die Augen. Ein paar Sekunden schauen wir uns nur in die asiatischen Augen. "Ich werde alles machen, was ich je machen wollte. Ich habe keine Angst zu sterben. Es ärgert mich nur, das ich nicht mehr Zeit hatte, mein Leben zu leben." Seine Mundwinkel zucken belustigt. "Ich bewundere es, wie stark du mit solch harten Rückschlägen umgehst, Lee Yooa." Ich zuckte zur Antwort bloß mit den Schultern. "Dennoch habe ich eine weitere Frage" "Schieß los." Ein weiteres mal schmunzelt er und fragt: "Darf ich dich bei den Dingen, die du nun alle tun willst, bevor deine Bombe expodiert, begleiten?"