Die meisten von euch werden ein schönes, ruhiges Leben haben. Zur Schule gehen, Freunde haben, Hobbys ausüben, zu Hause mit Papa, Mama und Geschwistern leben. Euer einziges Problem werden die Hausaufgaben oder ab und zu Streit mit den besten Freunden sein.
Ich gehe nicht zur Schule, seit Monaten nicht mehr, dabei bin ich noch ein paar Jahre Schulpflichtig. Ich habe meine Freunde zurück gelassen, ohne zu sagen, wohin ich gehe, weil es meine einzige Chance war, weiter zu leben. Ich hatte lange keine Hobbys mehr, sie wurden mir regelrecht verboten. Meine Eltern sind seit Jahren getrennt, Geschwister habe ich keine. Zumindest keine, die ich besonders gut kenne.
Ich bin alleine. Ich wohne mit fünfzig anderen Menschen in einem einzigen Haus, aber ich bin alleine. Okay, nicht ganz. Völlig alleine werde ich nie wieder sein.
Vielleicht hätte sich alles anders lösen können, vielleicht hätte es nie soweit kommen müssen. Aber im Nachhinein beurteilt man Situationen ganz anders, als wenn man mitten drin steckt.
In den wenigen Monaten, die vergangen sind, bin ich erwachsener geworden, als in den 17 Jahren davor. Vielleicht würden mich meine Freunde, meine Mama und all die Lehrer nicht mehr wieder erkennen.
Aber all das spielt keine Rolle, weil ich nie wieder zurück nach Hause gehen werde, weil ich es nie wieder kann.
Aber seht selbst, was eine einzige Person, ein paar Fotos und ein einziger Wunsch, mit einem kleinen Mädchen, wie mir, anstellen können.
Zwei Herzen, zwei Mädchen, zwei unterschiedliche Geschichten.
Die eine ruhig, hat reiche Eltern und ist laut ihrer Eltern Einzelkind.
Die andere keine Eltern, wohnt in einem Heim und weiß nichts über ihre Vergangenheit. Sie wird von einer Familie adoptiert, in der sie zwei Brüder hat und sich sehr wohlfühlt.
Dann passiert es und die beiden Mädchen, die sich 13 Jahre nicht gesehen haben stehen sich gegenüber.
>> Die Tränen rannten meine Wangen runter. Ich konnte mich kaum noch auf den Beinen halten, da ich so zitterte. Tausend Gedanken strömten durch meinen Kopf.
War das Zufall? Konnten zwei nicht-verwandte Mädchen sich so ähnlich sein? Nein, das konnte nicht sein.
Ich blendete mein ganzes Umfeld aus, meine Augen waren einzig und allein an mein Ebenbild gefesselt. Wir standen uns gegenüber und ich sah ihr direkt in die Augen. Diese Augen... Ich hatte keine Zweifel mehr, sie war das Mädchen, das meine Mutter damals auf dem Arm hatte. Das Mädchen meiner unerklärlichen Erinnerungen...<<