Oktoberluft

Oktoberluft

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WpMetadataReadLengkap Sab, Jan 5, 2019
Andere leben in der Zukunft, planen sich alles voraus, haben die geilsten Ideen für ihr Leben und merken später erst, dass das alles nicht so klappen kann, wie sie sich's ausgedacht haben. Scheiße gelaufen. Deshalb mach ich's nicht so. Oder sie leben in der Vergangenheit. Denken daran, wie geil es damals war und was sie machen müssen, damit es wieder so wird wie damals, aber nichts wird jemals so, wie es mal war. Nichts kann wieder so sein, wie man es zum ersten Mal wahrgenommen hat. Und dann gibt's noch wenige, die wirklich gerade leben. Die diesen Atemzug, den sie gerade genommen haben, wirklich wahrnehmen. Es auf ihrer Haut fühlen. Den Schauder. Weil es sich so wahr anfühlt, so verstanden. Die sich auf der Straße umschauen und sich denken, wie alles immer gleich ist. Der Lärm. Die Autos. Die Menschen. Es ist alles so unspektakulär. Es fehlt die Farbe. Und dann denkst du dir, du willst etwas daran ändern, du willst dich ändern. Damit du das immer Gleiche änderst. Du nimmst den nächsten Atemzug in der kalten Oktoberluft und siehst die Welt plötzlich anders. Du siehst die Ästhetik hinter deiner Stadt, deinem Dorf, dem Bahnhof deines Ortes, deiner Welt anders. Du denkst, etwas fehlt in dir, etwas fehlt neben dir, etwas fehlt dir. Du denkst dir das alles, während du atmest. Du lebst den Moment, du fühlst das Leben in dir. Du fühlst, dass du etwas brauchst. Und als ich dich damals kennengelernt habe, ist dieses Gefühl verschwunden. Ich habe nichts mehr gebraucht, ich hatte alles. Mit dir hatte ich alles. Mit dir habe ich im Moment gelebt. Aber die Momente sind weg. Du bist weg. Du nimmst den nächsten Atemzug in der kalten Oktoberluft und findest dich wider in Mitten eines Waldes, aber dich findest du eigentlich nie wieder. Ich nehme die Welt jetzt anders wahr. Kälter, kahler, leerer.
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Was bleibt, wenn der Mensch, der einen gehalten hat, plötzlich nicht mehr da ist? J. schreibt. Weil Reden zu schwer ist. Weil Worte im Kopf kreisen, aber selten den Weg nach draußen finden. Weil es Orte gibt, an denen Schmerz leiser ist, wenn man ihn auf Papier bannen kann. Seit dem Tag, an dem alles auseinandergebrochen ist, versucht J., die Reste zusammenzuhalten: von einem Alltag, der nie einfach war, und von einem Gefühl, das einst wie Sicherheit war - und jetzt wie Leere brennt. Die Welt um J. ist zu laut, zu grell, zu unbeständig. Routinen geben Halt, aber sie zerfallen. Reize prasseln ein. Begegnungen überfordern. Und tief drinnen arbeitet ein Schmerz, der sich nicht erklären lässt. Nur fühlen. Denn der Mensch, der einst sagte: „Ich mag, wie du bist." - ist fort. Ohne Ankündigung. Ohne Erklärung. Und mit diesem Weggang fällt auch J.s inneres Gleichgewicht in sich zusammen. Zwischen funktionierendem Außen und stillem Zusammenbruch entstehen Einträge, die tiefer blicken lassen als jedes Gespräch. Über Momente, in denen selbst Atmen schwerfällt. Über Nächte, die nur auszuhalten sind, wenn die Gedanken sortiert werden - in Zeilen, in Mustern, in Wiederholungen. Und über die stille Hoffnung, dass es irgendwo jemanden gibt, der nicht fragt, sondern bleibt. Als dann jemand Neues auftaucht, leise, vorsichtig, ohne zu drängen - verändert sich etwas. Nicht plötzlich. Nicht mit einem Knall. Sondern mit einem Blick, der nicht zu viel will. Einer Berührung, die nicht schreckt. Einem „Hallo", das kein Verlangen, sondern Respekt bedeutet. Und so beginnt eine neue Geschichte - mitten im Chaos. Zart. Unerwartet. Ehrlich. Ein leiser, erschütternd ehrlicher Roman über das Alleinsein, das Überleben im täglichen Lärm, über unsichtbare Zusammenbrüche - und über das kleine Wunder, das geschieht, wenn ein Mensch nicht versucht, zu reparieren, sondern einfach da ist

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