Eigentlich gibt es einen ganz einfachen Plan. Sage fängt ein Praktikum an, welches ihr Vater ihr besorgt hat, findet schmutzige Geheimnisse über Peter Woods heraus und kann endlich ihren lang verschollenen großen Bruder in die Arme schließen. Nicht mehr und nicht weniger.
Das dachte sie jedenfalls.
Denn der unverschämte Santiago hat anderes mit ihr vor. Seine Abneigung ihr gegenüber ist förmlich greifbar, erschwert ihr sowohl die Arbeit als auch das Leben. Er möchte sie um jeden Preis loswerden, möchte die Firma vor schlimmen Schäden bewahren. Nur ahnt er dabei nicht, dass er auch sein Herz vor ihr und ihrer temperamentvollen, hitzigen Art bewahren muss. Diese Schäden könnten nämlich weitaus gravierender sein.
„Sie ist bloß eine billige Praktikantin, ersetzbar innerhalb von wenigen Sekunden. Denn ihren scheiß Posten kann jeder übernehmen, selbst die Putzfrau, die erst seit einem Monat in Amerika ist."
Während er das sagt, schaut er mir unentwegt in die Augen. Er will, dass ich den Hass, den er unerklärlicherweise gegen mich hegt, deutlich spüre. Er will, dass ich endlich verschwinde und uns beiden diesen unnötigen Stress erspare. Nur weiß er nicht, wie viel mir an diesem Job liegt. Er hat absolut keine Ahnung, dass ich, wenn ich mit leeren Händen hier rausgehe, so viel mehr verliere als nur ein dämliches Praktikum. Dass ich mich selbst verlieren würde.
„Na los, Miss Harrington", sagt er und tritt noch näher. „Antworten Sie mir gefälligst."
Inzwischen spüre ich seinen Atem an meiner Kopfhaut. Er gleitet sanft über meine Haare, erweckt dummerweise das Bedürfnis in mir mich einfach umzudrehen und ihn zu berühren. Seine großen Hände auf meinen Körper zu platzieren und all meine Wut an ihm rauszulassen. Seine Arme und seinen Rücken animalisch zu zerkratzen, kräftig an seinen kurzen Haaren zu ziehen und in seine volle Lippe zu beißen. Ihn zu benutzen, um wieder runterzukommen.
„Du gegen mich.", schlug Jayden vor.
„Was kriegt der Gewinner?"
„ Wenn ich gewinne, einen Kuss von deiner Schwester. Wenn du gewinnst, meine Maschine."
Ich starrte meinen Bruder fassungslos an.
„ Adam,-..."
Er unterbrach mich.
„Geht klar."
Was?
„Adam, bist du vollkommen bescheuert? Du kannst doch nicht einfach-..."
„Keine Angst, Maddy, ich habe noch nie verloren." Mein Bruder küsste mich auf die Stirn und zog seinen Helm an.
Jayden zwinkerte mir zu und zog ebenfalls seinen Helm an.
Die beiden Jungs setzten sich auf ihre Motorräder und erweckten diese zum Leben.
Das Startsignal ertönte. Jayden und Adam fuhren los. Und ich, tja, ich blickte den beiden hinterher und hoffte, dass Adam dieses verdammte Rennen gewinnt.