Kristallblut

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WpMetadataReadComplete Mon, Nov 30, 2020
»Allerdings verspürtest du nicht im Geringsten den Drang, dich unter die Menschen zu mischen und die Melodien und Bässe auszuleben. Denn während die anderen von einer nahezu flackernd bunten Aura umgeben waren - was nebenbei bemerkt exakt der Stimmung des Liedes entsprach, welches gerade gespielt wurde - klumpte sich dein Inneres quälend zu einem nicht definierbaren Körper zusammen, der von schwarzen Nebel umwabbert wurde und dich verräterischerweise an die Eiswürfel in deinem Glas denken ließ. Es war dumpfer Schmerz, der durch deine Adern pulsierte. Bleiernd schwer und giftig wie Quecksilber. Und ebenso vernichtend. Selbst wenn du deine feinen Lippen zu einem Lächeln verzogst, wirkte dieses zum Einen eher wie eine Grimasse, zum anderen fand kein Fünkchen Wärme den Weg in dein Herz. Was dich daran zweifeln ließ, ob jenes überhaupt noch schlug. Deine Augen blieben in der lebenden Masse hängen und befreiten dich aus deinen unnützen Philosophien. Genauer gesagt an einen Jungen - nein, einen Mann.« © Alle Rechte vorbehalten
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(...) „Zeit heilt wohl wirklich alle Wunden, oder?" „Schon. Aber gelöscht hat die Zeit gar nichts. Mein Herz bleibt immer noch kurz stehen, wenn unser Lied im Radio läuft oder wenn ich an den Orten vorbei laufe, an denen wir immer zusammen waren. Es tut nur nicht mehr so stark weh wie damals.", Ich seufzte, ehe ich weiter sprach. „Also ja, Zeit heilt alle Wunden, bis zu einem gewissen Grad. Trotzdem habe ich seitdem jeden anderen Mann mit ihm verglichen. Kein Lächeln war wie seines, keine Augen so blau ... und ich habe nie wieder jemanden auch nur ansatzweise so sehr geliebt wie ihn. Ich bin mir nicht mal sicher, ob das überhaupt möglich ist." „Das klingt so schön.", entgegnete meine Freundin verträumt und ruderte sogleich wieder etwas zurück. „Also klar, super traurig! Aber diese Art von Liebe ... die will doch jeder einmal in seinem Leben spüren. Bedingungslose, ehrliche Liebe." Humorlos lachte ich auf. „Ja. Solange diese Liebe dann auch erwidert wird." „Glaubst du nicht, dass er dich auch so geliebt hat?", fragte sie und ich dachte kurz über ihre Frage nach. Dann schüttelte ich entschieden den Kopf. „Nein. Wenn er mich jemals so geliebt hätte, wie ich ihn, hätte er mich niemals verlassen. Denn ich hätte das nie getan." (...)

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