Das Flimmern des Selbsts

Das Flimmern des Selbsts

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WpMetadataNoticeLast published Tue, Oct 25, 2016
Im gemächlichen Tanz ziehen die mannigfaltig farbenen Eichenblätter ihre Kreise. Umschwärmen einander. Hin und her. Wandeln und drehen sich. Mal gegen, mal mit dem Wind. Doch immer gemächlich und zielstrebig gen Boden, zu den großen, knorrigen Wurzeln, die sie einst mit Leben erfüllten und von denen sie nun auf ewig getrennt sind. Lichterpunkte, abertausende fallen durch das lebendige Rauschen des Eichendaches. Die Abenddämmerung lässt die Wanderer, dessen Lebenshauch bereits entwichen ist, glimmern und leuchten, ein letztes Mal, auf ihrer endlichen Reise zu den Anderen, auf einer neuen Wanderung. Während über ihnen das Leben rauscht in seiner vielfältigen Weise.
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Der erste Sonnenstrahl stahl sich durch das schmale Fenster, tastete sich langsam über das zerwühlte Bettlaken, bevor er ihre Wange berührte. Ein sanftes, goldenes Licht, das sie aus der Dämmerung ihrer Träume zog. Sie blinzelte, streckte sich unter der schweren Decke. Noch ein Tag. Noch ein weiteres Kapitel in einem Buch, dessen Handlung längst vorhersehbar war. Der Duft von altem Holz und abgestandenem Kaffee hing in der Luft, vermischt mit der fernen Melodie einer Stadt, die sich gerade erst aus ihrer nächtlichen Starre löste. Maschinen, Stimmen, Leben. Alles war in Bewegung - nur sie fühlte sich, als würde sie auf der Stelle treten. Ihr Blick glitt durch den kleinen Raum. Alles an seinem Platz. Die Bücher, fein säuberlich geordnet, als könnten sie eine Ordnung in ihr Inneres bringen. Jedes Stück sorgsam ausgewählt, jedes Objekt eine stumme Erinnerung an Kontrolle. Kontrolle, die sie brauchte, um nicht zu ertrinken. Doch selbst die makellose Oberfläche ihres Lebens konnte nicht verbergen, dass darunter etwas nagte. Etwas, das nach ihr griff, das in den stillen Momenten zwischen den Seiten ihres Alltags lauter schrie als alles andere. Ein Verlangen, unbestimmt, unfassbar - aber unaufhaltsam. Als sie den ersten Schluck Kaffee nahm, brannte er auf ihrer Zunge, doch sie genoss den Schmerz. Ein kurzer Moment, in dem sie sich spürte. Draußen erwachte die Stadt. Autos rollten über den Asphalt, Menschen eilten zur Arbeit. Jeder von ihnen trug seine eigene Geschichte in sich, eigene Sehnsüchte, eigene Narben. Und sie? Sie war nur eine Beobachterin am Rande des Spielfelds, gefangen zwischen Routine und dem tauben Echo einer Frage, die sich in ihr brannte: Wann wird sich endlich etwas ändern?

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