In jener Nacht wechselte ein Lied das Leben zweier Kinder und die Stadt hielt den Atem an.
Thalia besitzt grüne Augen, die Spiegel einen Herzschlag zu spät zeigen. Dabei hätten sie nie grün sein sollen. Manchmal summt sie ein Wiegenlied, das Schritte bindet und Lügen zu Sand zersetzt, doch sie hatte es nie zuvor gehört. Als bei einer nächtlichen Ausstellung eine Spiegelinstallation zerbricht und ein Mann mitten in der Bewegung erstarrt, begreift sie: Das Lied in ihr ist keine einfache Melodie. Es ist ein Relikt eines anderen Lebens, das ihr verwehrt wurde.
Thalia wird schon bald dem Orden der Athena ausgeliefert sein. Ordentliche Akten, ruhige Stimmen, Regeln wie steinerne Grenzen. Ihr Fallbetreuer, Nikos Aegidis, präzise, gefährlich gelassen, verspricht, ihr Zischen zu bändigen. Er lehrt sie, Worte zu wiegeln, Blicke zu lenken und ihre Welt kennen. Doch jede Note kostet Erinnerung, und jeder Auftrag des Ordens gießt Schuld in Stein.
Zwischen Flüstern im Marmor und Spiegeln, die antworten, jagt sie die Wahrheit über die Nacht ihres Wunders. Wem gehört das Lied? Ihr, Athena... oder der, deren Zorn darin weiteratmet?
Eines ist klar. Allen ist es vergönnt zu lügen. Sie tun es, so leicht das es fast beleidigend ist.
Auch Athena, die der Göttin Athene treu ergeben sind.
Und Nikos ist der Schlimmste.
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