Eigentlich fing alles ganz normal an.
So normal, wie eine Hochzeit eben sein konnte.
Die Sonne stand tief, tauchte den Garten der Location in warmes Licht, Gläser klirrten, irgendwo lachte jemand zu laut. Meine beste Freundin strahlte in ihrem Kleid, als hätte sie nie etwas anderes getan, als genau auf diesen Moment zu warten. Jeder hatte gute Laune. Sogar ich.
Und das, obwohl ich Hochzeiten eigentlich nicht mochte.
Zu viel Romantik, zu viele Erwartungen, zu viele Blicke, die unausgesprochene Fragen stellten: Und ihr? Wann seid ihr dran?
Ich nippte an meinem Drink und ließ meinen Blick über die Gäste schweifen - bis ich ihn bemerkte.
Er stand ein Stück abseits, neben der Bar, ein Glas locker in der Hand.
Als ich zufällig zu ihm hinübersah, hob er genau in diesem Moment den Blick.
Unsere Augen trafen sich.
Ich wollte sofort wieder wegsehen. Tat es aber nicht.
Und er auch nicht.
Etwas zog sich unangenehm warm in meiner Brust zusammen. Ein Gefühl, das ich nicht einordnen konnte - oder vielleicht nicht einordnen wollte. Erst als ich merkte, wie lange dieser Moment dauerte, wandte ich den Blick hastig ab und lachte über irgendetwas, das mir gerade niemand gesagt hatte.
Reiß dich zusammen, ermahnte ich mich.
Du bist hier mit Finn.
Finn.
Der gerade mit ein paar Freunden am anderen Ende des Gartens stand, lachte, lebte, ganz selbstverständlich zu mir gehörte. Der Mann, mit dem ich glücklich war. Oder zumindest dachte, es zu sein.
Als ich wieder aufsah, stand der Fremde, der Fremde, der auch noch der Trauzeuge sowie ich die Trauzeugin war, noch immer dort. Und wieder trafen sich unsere Blicke. Dieses Mal lächelte er kaum merklich. Kein aufdringliches Grinsen. Eher... neugierig. Fast so, als würde er mich schon länger kennen.
Mein Herz schlug schneller.
Warum eigentlich?Ich war doch mit Finn so glücklich oder etwa doch nicht ?
Bảo Lưu Mọi Quyền