Dr. Eleonora Blackwood hat über ein Jahrhundert gebraucht, um das mentale Hintergrundrauschen der Menschen zu filtern. Doch in der achten Reihe ihres Hörsaals sitzt Clara Wagner - ein Mädchen, das kein Rauschen aussendet, sondern eine Stille, so tief und klar wie ein Gebirgssee. Für die unterkühlte Dozentin wird diese Stille zur gefährlichsten Droge, die ihre mühsam errichtete Fassade aus Marmor zu sprengen droht. Was als Lektürezirkel über die „Außenseiter der Weltliteratur" beginnt, wird zu einer obsessiven Jagd nach Nähe. Während Clara versucht, hinter die Maske der Professorin zu blicken, kämpft Eleonora gegen einen Hunger, der nach weit mehr verlangt als nur nach Blut. In den Schatten der Bibliothek verschwimmen die Grenzen zwischen Sehnsucht und Vernichtung. Eleonora weiß: Jede Annäherung ist ein Verrat an ihrer Natur. Doch Claras Blut riecht nach dem Ende einer jahrhundertelangen Einsamkeit. „Komm mir nicht noch einmal zu nahe, Clara", sagte sie leise, und diesmal klang ihre Stimme fast gebrochen, als würde sie unter dem Gewicht ihrer eigenen Ewigkeit zusammenbrechen. „Ich weiß nicht, ob ich die Kraft besitze, dich ein zweites Mal zu warnen."
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