Über die Familie Rossi sprach man nicht laut.
Nicht in Palermo. Nicht, wenn man wusste, was gut für einen war.
Seit Generationen kontrollierte die Familie Geschäfte, Politiker und ganze Straßenzüge. Doch Geld und Gewalt waren nicht der wahre Grund, weshalb selbst andere Mafiafamilien Abstand hielten.
Die Rossis glaubten an das Übernatürliche.
An Flüche. An Geister. An Blutmagie.
Und vor allem an einen uralten Pakt, der ihre Familie seit Jahrhunderten beschützen sollte.
Bis zu jener Nacht.
Serafina Rossi saß mit ihren Eltern und ihren beiden Brüdern am langen Esstisch der Familienvilla, als ihr Vater ein schwarzes Buch vor ihnen ablegte.
„Drei unserer Männer sind verschwunden", sagte Vittorio Rossi. „Das hier haben wir dort gefunden."
Serafina erkannte das Buch sofort.
Es gehörte in das geheime Familienarchiv.
Niemand außer einem Rossi konnte diesen Raum betreten.
„Wer hat es herausgenommen?", fragte ihr Bruder Dante.
Vittorio schwieg.
Plötzlich begann die Kerze vor Serafina zu flackern.
Das schwarze Buch öffnete sich von allein.
Seite für Seite blätterte um, bis es bei einer vollkommen leeren Seite stoppte.
Dann erschienen dunkelrote Buchstaben.
EIN ROSSI HAT DEN PAKT GEBROCHEN.
Niemand sagte etwas.
Eine zweite Zeile erschien.
DIE SCHULD WIRD MIT BLUT BEZAHLT.
Serafina spürte plötzlich einen Atemzug an ihrem Nacken.
„Papa ..."
„Nicht bewegen."
Doch es war bereits zu spät.
Im Fenster gegenüber sah Serafina die Spiegelbilder ihrer Familie.
Vater.
Mutter.
Ihre Brüder.
Sie selbst.
Und eine fremde Frau, die direkt hinter ihrem Stuhl stand.
Die Frau lächelte.
Dann flüsterte sie nur zwei Worte:
„Hallo, Serafina."
Im selben Moment erloschen sämtliche Kerzen.
Draußen fiel ein Schuss.
Und Serafina begriff, dass der Krieg um ihre Familie gerade begonnen hatte.
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