Sie saß angespannt neben der hölzernen Kiste, fuhr sich ständig durch die Haare und versuchte ihre Wut am durchnässten Sand auszulassen. Ihr war klar, wie aussichtslos ihr Leben von nun an sein würde. Es wurde ihr erst jetzt klar, weil sie das erste Mal seit Monaten die Wahrheit gelesen, gespürt und sogar gehört hatte. Das erste Mal nach Monaten hatte sie, wenn auch indirekten, Kontakt zur Außenwelt aufgebaut. Trotz ihrer großen Vorfreude, wieder sozialen Kontakt zu irgendwem aufzubauen, wurde sie enttäuscht wie noch nie in ihren bisher siebzehn Jahren.
„Mach dir nichts draus, es ist eigentlich ein Kompliment..", hörte sie eine raue Stimme neben sich murmeln. Er saß mit beiden Beinen, angewinkelt an der Palme, neben ihr und spielte mit einer Bambusstange. Die Kokosnuss neben ihm sammelte alle Tropfen auf und wandelte den platschenden Regen in eine nahezu tragische Melodie. Leises Klopfen übertönte sein wütendes Atmen, oft sogar das Schluchzen von einer plötzlich hoffnungslosen Tochter, einer Waise.
„Es gibt sowieso keinen Grund mehr, zurückzukehren", wisperte sie und unterdrückte gleichzeitig das Wimmern, das in ihrer Kehle schlummerte, „Aber ich werde garantiert dafür sorgen, dass sie bereuen"
„Ein Rachespiel also", lachte der Junge von hinten und schoss die Kokosnuss gefühlte Kilometer weit. „Mehr als das", fügte sie nur hinzu und verspürte das unheimliche Verlangen, wieder alle Bambusstiele abzureißen. Nur dieses Mal wollte sie damit mit all ihrer Kraft, mit diesem Jungen, Rache ausüben.
Rache für ihr gestohlenes Leben.