Until the day I die
Ich sehe meine Mum an und muss lächeln. Sie erzählt wieder mal von meinem Dad, der vor 5 Jahren gestorben ist, sie erzählt wie er sich immer so aufgeregt hatte, wenn die Nachbarn gegrillt hatten, der Qualm zog immer zu uns herüber, so wie heute... Sie wischt sich mit dem Zeigefinger eine Träne weg und ich lege ihr eine Hand auf die Schulter, mein Lächeln ist verblasst. Madison, meine kleine Schwester, setzt sich auf ihren Schoß und schlingt die Arme um ihren Hals. Meine Mum tätschelt ihr den Kopf und versucht zu lachen, doch es kommt nur ein Schluchzen hervor. „Tut...tut mir leid, aber...“, sie bricht den Satz ab, denn ein weiterer Schluchzer überkommt sie. „Ist okay, Mum.“, sage ich und lächle schief. „Nicht weinen, Mami!“, bittet Maddy und schmollt. Mum wischt sich die Tränen weg und lächelt wieder. Maddy ist 6, sie ist klein, blond und hat blaue Augen, wie Dad. Ich habe auch blaue Augen und blonde Haare, meine Mum allerdings, hat braunes Haar und grüne Augen... Sie sieht keinem von uns ähnlich. Ich bin 16. „Mum, ist es okay, wenn ich losgehe?“, frage ich und sehe sie an. Sie nickt und sagt, dass Maddy auf sie aufpassen wird, solange ich weg bin und knufft ihr in den Bauch. Sie lacht und ich muss ebenfalls lächeln. Ich stehe auf und gehe vom Garten ins Haus, dann aus der Haustür. Ich schlendere gemütlich die Straße rauf, denke nach... Mein Dad ist bei einem Unfall vor 5 Jahren gestorben, es war ein Autounfall... Meine Mum und ich saßen darin und Dad ist gefahren. Eigentlich ist alles meine Schuld...
-Flashback-
„Hay, Dad, ihr müsst mir unbedingt dieses neue Videospiel kaufen, okay?!“, sagte ich und schüttelte ihn an der Schulter. Er lachte und sagte, dass ich mich richtig hinsetzen und nicht so rumzappeln sollte. Ich ignorierte ihn und schüttelte ihn weiter leicht an. „Cato, sei ruhig und setz dich!“, sagte er etwas ernster. „Ach Dad, ist ja schon gut...!“ Meine Mum drehte sich um und lachte. „Werd´ erwachsen, Cato!“ „Ich bin 11, Mum, ich hab noch alle Zeit der Welt.“ Ich bemerkte, dass mein Gurt irgendwie festzuklemmen schien und rüttelte heftig daran, ich zog daran, doch er hing fest. Ich rüttelte weiter und meine Mum drehte sich um. „Was machst du denn da?“, fragte sie und sah ernst die Gurtschnalle an. „Er ist zu eng, aber er klemmt!“, sagte ich abwesend. Mein Dad drehte sich um und sah auch darauf. Er streckte den Arm aus um mir zu helfen und meine Mum, die sich schonwieder umgedreht hatte, schrie: „Erik!!!“, sie rief den Namen meines Dads. Er drehte sich ruckartig um und ich sah nach vorn. Das Auto fuhr geradewegs auf den See zu, der unter der Brücke lag, auf der wir fuhren... Wir fielen hinein und das Auto versank. Ich öffnete schwerfällig die Tür, wir standen schon unter Wasser. Ich hielt die Luft an und schwamm zur Tür meiner Mum, ich zog sie auf und half ihr heraus, sie schwamm widerwillig nach oben. Dann schwamm ich zu meinem Dad, ich zog mit aller Kraft die Tür auf und sah ihn geschockt an. Mir entwich alle Luft, Da war Blut, überall Blut. Eine Glasscherbe von der Größe eines Tellers hatte sich in seine Brust gebohrt und er sah mich an. Er deutete mit dem Finger nach oben. Ich schüttelte heftig den Kopf. Er nickte willig und schubste mich weg. Ich konnte nichts mehr sehen, da war so viel Blut, und ich hatte keine Luft mehr, ich schwamm an die Oberfläche, wo meine Mum mich aus dem Wasser zog und nach Dad fragte, fast hysterisch... Ich sah ihr in die Augen und schüttelte den Kopf, während ich auf den Boden sank...
-Flashbach Ende-
Ich wollte eigentlich zu meiner besten Freundin gehen, Clove. Doch jetzt bin ich zu angeschlagen und drehe wieder um. Ich laufe den kleinen Berg wieder runter, als ich eine vertraute Stimme höre, die mich sofort wieder aufheitert: „Cato? Hey, wo willst du denn hin?“, fragt das kleine, schöne Mädchen. Ich grinse sie an. Sie hat schokoladenbraunes Haar und kleegrüne Augen. Sie lächelt und kommt auf mich zu. „Ich war beim Bäcker!“, lüge ich, denn wenn ich sagen würde dass ich auf dem Weg zu ihr war, dann würde sie mich sicher fragen, warum ich dann doch nicht kam. „Um diese Uhrzeit? Es ist halb acht!“, beteuert sie. „Ähm...“, gebe ich zurück. „Und wo ist deine Tüte???“, fragt sie und stemmt eine Hand in die Hüfte. Clove war schon immer sehr schlau, man konnte sie einfach nicht belügen. „Ich...ähm...“ „Jaja, schon gut, es interessiert mich ja auch nicht wirklich!“, sagt sie schließlich und grinst. „Kommst du morgen zum Training?“, frage ich Clove. Eigentlich ist es dumm sie zu fragen ob sie zum Training kommt, denn es ist wie die Schule, es ist Pflicht. Sie zieht eine Augenbraue hoch und sieht mich fragend an. „Cato, Cato, Cato!“, sagt sie kopfschüttelnd. Ich muss schon wieder grinsen und schubse sie ein Stück nach links. Sie taumelt zur Seite und ich lache los. „Du Idiot!“, lacht sie und schubst mich ebenfalls. „Wo gehen wir eigentlich hin?“, frage ich. „Keine Ahnung, wir könnten noch ein bisschen im Wald trainieren!“, schlägt sie vor. „Klar, hast du etwa...?“ „Nein, die muss ich erst holen!“, sagt sie. Ich wollte sie fragen ob sie ihre Messer bei hat. Das wäre allerdings ziemlich dumm, denn wenn ein Friedenswächter sie bemerken würde, würde er sie vielleicht sogar auspeitschen... Wir laufen zu ihr nach Hause und sie holt ihre Wurfmesser aus der Garage. Dann kommt sie wieder zu mir. „Können wir los?“, fragt sie und schließt das Gartentor hinter sich. Ich nicke und laufe ihr hinterher. Im Wald angekommen, suchen wir uns einen breiten Baum und Clove holt ihre Messer hervor. „Willst du auch üben?“, fragt sie mich und hält mir drei ihrer sechs Messer hin. Ich schüttele den Kopf. „Also echt, Cato, wenn du nicht ein paar mehr Waffen benutzen kannst als ein Schwert und einen Speer, dann bist du in der Arena ziemlich angearscht!“, sagt Clove erst. „Ich weiß...“, murmle ich. Ich will eigentlich nicht in die Arena, denn wenn ich dabei sterben würde, würden meine Schwester und meine Mum niemanden mehr haben. Ich würde das Clove niemals sagen, aber ich will auch nicht, dass sie geht. Ich will sie nicht verlieren, sie wird sich dieses Jahr freiwillig melden, dabei ist sie erst 15... Dann platzt es einfach aus mir raus: „Clove, bitte geh nicht!“ „Was?“ „Ich...schon gut...“, stocke ich. „Was meinst du Cato?“, fragt sie und wendet sich mir voll und ganz zu. „Ich will dass du hier bleibst, bei mir!“, bitte ich. „Ich bin doch hier.“, sagt sie mit einem fragenden Blick. „Ich will einfach nicht, dass du in diese verdammten Spiele gehst! Du könntest sterben und das, das würde ich nicht verkraften, weil...weil...“, ich gehe mit zwei schnellen Schritten auf sie zu und küsse sie ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Ich erwarte, dass sie mich wegschubst oder mir eine klebt, doch sie erwidert den Kuss, zumindest zuerst... Dann reißt sie die Augen auf und schubst mich mit aller Kraft nach hinten. „Sag mal spinnst du?! Wir...wir sind nur Freunde, Cato! Du bist wie ein Bruder für mich!!! Seine Brüder küsst man nicht!!! Ich...ich...“, Clove fängt an zu weinen und rennt aus dem Wald. Ich kann mich nicht rühren, was habe ich getan, ich habe unsere Freundschaft zerstört...
