Kapitel 21

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Es war Anfang September, die warme Abendsonne stand schwer am Himmel und ließ mich, trotz meines recht luftigen Kleides, ziemlich schwitzen. Ich war gerade dabei, die Verkaufstheke aufzuräumen und zu säubern. Heute hatten wir, aufgrund des sehr schönen Spätsommerwetters, sehr viele Gäste, daher war es kurz vor Ende meines Arbeitstages zwingend notwendig, dass die heruntergefallenen Krümel, Streusel und kleinen Dekorartikel beseitigt wurden. Hierfür nahm ich mir meist ein kleines Kehrblech sowie einen passenden Handfeger, holte die verbleibenden Küchlein aus der Theke, platzierte sie kurz hinter mich auf die Arbeitsfläche und fegte das Stück der Theke, in dem sie standen. Bevor ich sie wieder hereinstellte, wischte ich die Theke mit einem Tuch, welches in Desinfektionsmittel getränkt war, großzügig aus. Meine Routinearbeit wurde durch das Ertönen der Glocke an der Tür unterbrochen. Ich schaute hoch und erkannte ein mir sehr bekanntes Gesicht. Aylin. Sofort verzog sich mein Mund zu einem breiten Grinsen.

„Kann ich dir etwas Gutes tun?", fragte ich, sobald sie vor der Theke stand.

„Habt ihr noch etwas leckeres da?" Sie lugte durch die Theke, auf die Muffins, welche vereinzelt noch hinter mir auf der Arbeitsfläche standen.

„Wir haben noch ein paar Schoko-Muffins, Vanille-Muffins und noch relativ frische Erdbeer-Cupcakes..." Sofort musste ich an J denken, schluckte diesen schmerzhaften Gedanken jedoch so schnell es ging hinunter. Ich schloss für eine kaum vorhandene Zeitspanne meine Augen und atmete tief durch. Ich musste J vergessen. Immer wieder musste ich mich daran erinnern. Irgendwann würde ich es schaffen...

„Okay, dann hätte ich gerne einen mit Erdbeeren, alles andere passt nicht zum Wetter. Machst du mir auch bitte einen Kaffee?" Ich nickte, noch immer lächelnd und bereitete ihre Bestellung vor.

Während ich an der Kaffeemaschine arbeitete, kam Pricilla aus der Küche hervor, ebenfalls sichtlich erschöpft von der Wärme.

„Oh, hi." Da Aylin öfter mal nach meiner Schicht ins Wave a' Lafe kam, kannte sie Aylin bereits und sie wurde herzlich als Stammgast aufgenommen.

„Alles gut bei dir, Aylin?", fragte Pricilla und füllte sich ein Glas mit Leitungswasser auf. Aylin nickte und gab die Frage mit einem Kopfnicken zurück. Bevor Pricilla antwortete, sah sie zu mir.

„Uns geht der Sommer mittlerweile doch ziemlich auf die Nerven, oder?" Mein Lächeln wurde nun wieder echt.

„Definitiv. Ich bin froh, wenn der Winter kommt." Ich nahm mir den kleinen Becher mit Kakaopulver aus dem Regal und streute ein wenig davon auf Aylins Kaffee.

„Du kannst dich ruhig zu Aylin setzen und dann Feierabend machen. Die Küche ist fertig und du hast hier ja sowieso alles im Griff. Einen Schlüssel hast du auch. Ich bin für heute bedient." Pricilla schüttete sich das kalte Wasser in den Mund und stellte das Glas anschließend zurück auf die Arbeitsfläche.

„Okay, danke. Ja, meinen Schlüssel habe ich da. Soll ich noch das Bargeld wegbringen, oder machst du das?" Mein Blick führte zur Kasse neben dem Tresen.

„Nein, das mache ich gleich. Ich wünsche euch einen schönen Abend und hoffe, dass ihr es nicht allzu warm zuhause habt. Bis morgen, Anica. Bis dann, Aylin." Mit diesen Worten öffnete sie die schwere Glastür und verschwand.

„Dass sie dir bereits schon so vertraut, ist echt der Wahnsinn. Wie hast du das nur geschafft?" Ich lief zu Aylin und stellte ihr den Cupcake sowie den Becher Kaffee auf den Tisch, an den sie sich gesetzt hatte.

„Keine Ahnung, das frage ich mich auch ständig. Aber mir gefällt es." Bevor ich mich zu Aylin setzte, schnappte ich mir ebenfalls einen Cupcake sowie mein Glas mit Mineralwasser.

„Und? Gibt es etwas Neues?", fragte ich. Meistens, wenn Aylin zu mir ins Café kam, gab es etwas, das sie mir erzählen oder mit mir besprechen wollte.

She saw Beauty in his DarknessWo Geschichten leben. Entdecke jetzt