Prolog

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Da war es wieder. Dieses Kribbeln im Bauch. Wie Brausepulver stachen winzige Nadeln von innen gegen meine Bauchwand und machten mich noch aufgeregter. Gleich würde ich spielen. Und zwar vor mehreren Richtern und Publikum. Ich stand von meinem Stuhl auf und ging unruhig im Backstage auf und ab. Ich betrachtete die kahlen weißen Wände, wurde aber trotzdem nicht ruhiger. Plötzlich kam eine Frau mittleren Alters durch die Tür und sagte mir, dass ich noch zwei Minuten hätte und eilte wieder hinaus. Kein Hallo oder Tschüss. Sehr freundlich... aber wahrscheinlich war sie noch mehr im Stress als ich.
Ich hoffte, dass sie heute da ist. Sie, mein Mädchen meine Geliebte oder wie auch immer ich sie nennen soll. Nur weiß sie nichts von alledem. Wenn sie nicht da ist, dann würde ich das nicht schaffen. Das wusste ich, denn sie hat mir den Mut und die Kraft gegeben, dass ich heute hier stehe. Sie ist die schönste Frau die ich kenne und wenn sie tanzt, sieht es aus, als ob sie fliegen könnte.
Sie sagte einmal zu mir, das das einzige was sie beruhigen kann tanzen ist und dass sie beim Tanzen für einen Moment alles vergessen kann.
Der Raum bot nicht viel Platz und trotzdem versuchte ich so eine Drehung, wie sie sie immer tanzte. Ich bekam es bei weitem nicht so elegant hin wie sie, wurde aber durch die Konzentration etwas ruhiger. Ich probierte es noch sechs oder sieben mal, bis eine Stimme aus einem Lautsprecher in der Zimmerdecke meinem Namen, mein Musikinstrument, welches ich spielen werde, aufrief. Ein Mädchen mit einer Querflöte kam von der Bühne durch die Tür und lief, ohne mich zu beachten, an mir vorbei. Ich atmete tief durch und trat auf die Bühne.
Im ersten Moment war ich von Scheinwerferlicht geblendet und hörte nur erstaunte Rufe aus dem Publikum. Warum, war mir sofort klar. Ich trug keinen Anzug und war auch nicht so fein gekleidet, wie die anderen Jungen bei diesem Wettbewerb. Ich hatte eine schwarze Jeans und ein schwarzes T-shirt an. So fühlte ich mich wohler und außerdem konnte oder wollte ich mir so etwas nicht leisten. Innerhalb einer Zehntelsekunde wurde ich wieder so nervös wie vor zwei Minuten und ging langsam zu dem Flügel, der etwas abseits der Mitte auf der Bühne stand. Ich schaute noch einmal ins Publikum und mein Blick fand sie. Sie schaute mir direkt in die Augen und lächelte. Sie ist gekommen. Meine Nervosität war wie mit einem Schlag weg und ich fing leise an zu spielen.
Für sie.

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⏰ Letzte Aktualisierung: Apr 29, 2018 ⏰

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