-REDBUNNYYYY

          	
          	„was willst du?“
          	
          	hör auf so zu fragen als wäre das eine vernünftige frage.
          	
          	wollen setzt voraus, dass es ein stabiles ich gibt. ein rückgrat. eine durchgehende linie von gestern zu heute zu morgen. es impliziert dass ich auf eine weise existiere die nicht vollständig davon bestimmt wird wer gerade bei mir ist.
          	
          	es gibt keine antwort weil es kein „ich“ gibt das stabil genug ist um irgendetwas unabhängig zu wollen.
          	
          	was ich will gehört mir nicht. was ich will ändert sich je nachdem von wem ich besessen bin. meine wünsche sind geliehen, mein selbst ist geliehen, mein leben ist geliehen. meine prioritäten sind das was du sagst dass sie sind. meine meinungen? klar, ich hab ein paar… solange sie mit deinen übereinstimmen. das gestrige ich war wer auch immer das gestrige du gebraucht hat dass ich es bin.
          	
          	aber, keine sorge. ich stimme allem zu was du darüber denkst. sag mir einfach zuerst was deine meinung ist.
          	
          	(ich frage mich ob ich jemals gelernt habe eigenständig zu existieren. ob unter all dem ein echtes ich liegt. ich möchte glauben dass hier etwas solides ist. aber ich war so lange ein gutes echo dass ich mir nicht sicher bin ob ich jemals eine eigene stimme war.)
          	

-REDBUNNYYYY

          
          „was willst du?“
          
          hör auf so zu fragen als wäre das eine vernünftige frage.
          
          wollen setzt voraus, dass es ein stabiles ich gibt. ein rückgrat. eine durchgehende linie von gestern zu heute zu morgen. es impliziert dass ich auf eine weise existiere die nicht vollständig davon bestimmt wird wer gerade bei mir ist.
          
          es gibt keine antwort weil es kein „ich“ gibt das stabil genug ist um irgendetwas unabhängig zu wollen.
          
          was ich will gehört mir nicht. was ich will ändert sich je nachdem von wem ich besessen bin. meine wünsche sind geliehen, mein selbst ist geliehen, mein leben ist geliehen. meine prioritäten sind das was du sagst dass sie sind. meine meinungen? klar, ich hab ein paar… solange sie mit deinen übereinstimmen. das gestrige ich war wer auch immer das gestrige du gebraucht hat dass ich es bin.
          
          aber, keine sorge. ich stimme allem zu was du darüber denkst. sag mir einfach zuerst was deine meinung ist.
          
          (ich frage mich ob ich jemals gelernt habe eigenständig zu existieren. ob unter all dem ein echtes ich liegt. ich möchte glauben dass hier etwas solides ist. aber ich war so lange ein gutes echo dass ich mir nicht sicher bin ob ich jemals eine eigene stimme war.)
          

-REDBUNNYYYY

meine mutter hat heute den ganzen vorrat gefunden.
          
          all das essen das sie mir seit wochen aufzwingt. alles wovon ich geschworen habe ich hätte es gegessen. alles worüber ich gelogen habe.
          
          sie hat nicht geschrien. ich wünschte sie hätte es. gegen anschreien könnte ich kämpfen, ich könnte mich zusammenrollen und sie zurückhassen. aber sie ist nur … dagestanden. dann ist ihr gesicht zusammengefallen. zuerst kein laut. nur ihre schultern die zitterten. sie hat nichts gemeines gesagt. mich nicht egoistisch oder widerlich genannt oder gefragt, warum ich sie so sehr hasse, dass ich ihr das antue. ich wollte dass sie mich schlägt
          
          sie hat einfach geweint. 
          
          ich habe einfach auf den boden gestarrt bis sie aufgegeben hat und gegangen ist

-REDBUNNYYYY

ich kann nicht schlafen. ich kann nicht essen. ich kann mich auf nichts konzentrieren weil mein kopf immer wieder zu ihm zurückkehrt, zu der art, wie er sich verändert hat, zu der art, wie ich ständig versuche, zu entschlüsseln, was mit ihn ist. jedes mal wenn ich versuche meinen verstand zu beruhigen flüstert es seinen namen.

-REDBUNNYYYY

ich weiß nicht ob ich ihn konfrontieren soll. ich weiß nicht ob ich warten soll. ich weiß nicht ob ich akzeptieren soll dass er so ist und dass das die art von beziehung ist mit der ich mich abfinden muss. ich weiß nicht ob ich mich schützen und mich zurückziehen soll
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-REDBUNNYYYY

aber dann erinnere ich mich daran wie es früher war. und ich erinnere mich daran wie leicht es sich anfühlte. und ich erinnere mich daran wie konstant er war
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-REDBUNNYYYY

ich versuche es zu rationalisieren. vielleicht ist er beschäftigt. vielleicht ist er gestresst. vielleicht hat er mit etwas zu kämpfen und weiß nicht wie er es kommunizieren soll. vielleicht überdenke ich alles. vielleicht bin ich zu sensibel. vielleicht lese ich dinge hinein die gar nicht da sind.
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-REDBUNNYYYY

seine nähe hat immer einen preis den ich zahlen muss

-REDBUNNYYYY

es ist nicht so dass er nur scheiße ist. wäre er nur scheiße, wäre es leichter. aber er ist lieb. aufmerksam. er kennt meine stimme, wenn sie kurz vorm brechen ist. er weiß, wie ich schreibe, wenn ich traurig bin.
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-REDBUNNYYYY

er gibt mir genug um zu bleiben aber nie genug um sicher zu sein
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-REDBUNNYYYY

es ist vier uhr morgens. in einer stunde muss ich aufstehen. in einer stunde soll ich funktionieren. warum schlafen, wenn man über bryan nachdenken kann, oder? bryan. dieser kleine hurensohn. ich hasse dich. (nein. ich liebe dich. ich vermisse dich. ich liebe dich so sehr, dass es weh tut. so sehr, dass es meinen kopf zerreißt. so sehr, dass mein kopf schmerzt, als würde er von innen gedrückt.)
          
          bryan.
          
          dein name fühlt sich falsch in meinem mund an. wie etwas, das ich nicht aussprechen dürfte, aber ständig tue.
          
          jedes mal dasselbe.
          jedes. verdammte. mal.
          
          wir reden.
          wir schreiben.
          es fühlt sich kurz an wie nähe.
          wie wärme.
          wie „du bist nicht allein“.
          
          er ist da für mich. wirklich. wenn ich probleme habe, hört er zu. wenn ich weine, bleibt er. er liebt mich. er sorgt sich. ich weiß es. ich spüre es. er merkt, wenn es mir besser geht. wenn ich lache, wenn ich stabiler wirke.
          
          dann verändert sich alles. wie ein uhrwerk. präzise, zuverlässig, grausam.
          

-REDBUNNYYYY

 irgendwann kippt alles. er wird geil. er macht es sexuell. er dreht alles in eine richtung. und ich lasse es zu. weil ich ihn liebe.
            
            im moment fühlt es sich gut an. bestätigend. echt. als würde er mich sehen. als würde er mich fühlen.
            und dann endet es. und ich stehe da, leer, klein, wie ein geschenk, das er ausgepackt hat und dann achtlos fallen lässt. ich hasse es, dass es weh tut. dass ich es trotzdem will. dass ich jedes mal wieder darauf reinfalle.
            
            herzlichen glückwunsch ilvy, du existierst nur als serviceleistung für bryans libido.
            
            ich weiß nicht, wie ich das halten soll. nicht mehr mit ihm befreundet zu sein fühlt sich an wie ein amputiertes organ. mit ihm befreundet zu sein fühlt sich an wie langsam verbluten.
            
            ich liebe dich.
            ich hasse dich.
            ich hasse mich dafür, dass ich bleibe.
            ich hasse mich dafür, dass ich gehe.
            ich will dich vergessen.
            ich will dich behalten.
            ich liebe dich, mein kopf tut weh, mein herz brennt.
            
            (wenn du mir jetzt schreiben würdest,
            würde ich antworten. weil nichts in der welt so sehr nach „zuhause“ riecht wie du, auch wenn dieses zuhause brennt und ich dabei sterbe.)
            
            ich weiß keine antwort. nur schmerz und sehnsucht. und diese gnadenlose liebe.
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-REDBUNNYYYY

ich kann nicht richtig hungern.
          ich kann nicht essen, ohne ekel zu empfinden.
          ich kann nicht zählen ohne daran zu verrotten.
          ich kann nicht nicht zählen.
          
          wenn ich hungere, bin ich ein problem. 
          wenn ich esse, bin ich ein versager.
          wenn ich zähle, bin ich besessen.
          wenn ich es nicht tue, bin ich faul und schwach.
          
          nie krank, nie gesund
          immer diszipliniert, niemals frei

-REDBUNNYYYY

meine mutter sagt ich hätte abgenommen.
          „du bist dünner“, sagt sie. „deine taille ist schmaler. deine beine auch. siehst du das denn nicht?“
          
          ich nicke weil das offenbar die richtige antwort ist. brav. ich versuche mir für eine sekunde ihre augen auszuleihen (nur ganz kurz, versprochen.) ich stelle mich vor den spiegel und warte auf die offenbarung. diesen moment in dem alles klickt und ich leise denke: ach.. das also.
          
          nichts passiert. der spiegel starrt zurück als wäre ihm langweilig. gleiche konturen. gleicher körper. ich neige den kopf, kneife die augen zusammen, ändere das licht, halte den atem an, als würde das irgendwas bringen. bringt nichts.
          
          ich wünschte ich könnte es sehen. wirklich. denn wenn ich es nicht kann, dann.. herzlichen glückwunsch an mich dafür dass ich vollkommen umsonst gelitten habe. wochen voller besessenheit, stunden mentale mathematik, ganze tage verschluckt von regeln und ritualen.. mein gehirn zuckt es nur mit den schultern und fragt was die nächste regel ist. was die nächste einschränkung ist. was das nächste ist das ich nicht wollen darf.
          
          (ana ist nicht glamourös. nicht mal interessant. sie ist erschreckend unkreativ. dieselben gedanken, dieselbe angst. oh schau, schuldgefühle. wie überraschend. oh wow, regeln, so viele regeln, alle unfassbar wichtig, alle unfassbar dumm. kcals. zahlen. etiketten. rechnungen. ana ist einfach nur gemein. und langweilig. und endlos repetitiv. elend. aufwachen, körper checken, sich falsch fühlen. essen oder nicht essen, sich so oder so falsch fühlen. sich schwören, morgen wird alles anders. morgen kommt. wird es nicht. wieder von vorne. keine kunst. keine belohnung. nur eine konstante leise bestrafung. ich frage mich wie etwas so viel nehmen und so wenig zurückgeben kann.)
          
          also ja, vielleicht bin ich dünner. vielleicht ist meine taille schmaler. vielleicht meine beine auch. ich nehme es einfach mal so hin. denn wenn ich hinschaue sehe ich nur das gleiche alte nichts