meine mutter sagt ich hätte abgenommen.
„du bist dünner“, sagt sie. „deine taille ist schmaler. deine beine auch. siehst du das denn nicht?“
ich nicke weil das offenbar die richtige antwort ist. brav. ich versuche mir für eine sekunde ihre augen auszuleihen (nur ganz kurz, versprochen.) ich stelle mich vor den spiegel und warte auf die offenbarung. diesen moment in dem alles klickt und ich leise denke: ach.. das also.
nichts passiert. der spiegel starrt zurück als wäre ihm langweilig. gleiche konturen. gleicher körper. ich neige den kopf, kneife die augen zusammen, ändere das licht, halte den atem an, als würde das irgendwas bringen. bringt nichts.
ich wünschte ich könnte es sehen. wirklich. denn wenn ich es nicht kann, dann.. herzlichen glückwunsch an mich dafür dass ich vollkommen umsonst gelitten habe. wochen voller besessenheit, stunden mentale mathematik, ganze tage verschluckt von regeln und ritualen.. mein gehirn zuckt es nur mit den schultern und fragt was die nächste regel ist. was die nächste einschränkung ist. was das nächste ist das ich nicht wollen darf.
(ana ist nicht glamourös. nicht mal interessant. sie ist erschreckend unkreativ. dieselben gedanken, dieselbe angst. oh schau, schuldgefühle. wie überraschend. oh wow, regeln, so viele regeln, alle unfassbar wichtig, alle unfassbar dumm. kcals. zahlen. etiketten. rechnungen. ana ist einfach nur gemein. und langweilig. und endlos repetitiv. elend. aufwachen, körper checken, sich falsch fühlen. essen oder nicht essen, sich so oder so falsch fühlen. sich schwören, morgen wird alles anders. morgen kommt. wird es nicht. wieder von vorne. keine kunst. keine belohnung. nur eine konstante leise bestrafung. ich frage mich wie etwas so viel nehmen und so wenig zurückgeben kann.)
also ja, vielleicht bin ich dünner. vielleicht ist meine taille schmaler. vielleicht meine beine auch. ich nehme es einfach mal so hin. denn wenn ich hinschaue sehe ich nur das gleiche alte nichts