Kapitel 5
Die Tropfen auf ihrer heißen, ausgetrockneten Haut fühlten sich gut und beruhigend an. Und passend zu ihrer düsteren Stimmung. Wie oft Freya den Garten bereits umrundet hatte, wusste sie nicht, aber irgendwann ließ sie sich im nassen Gras nieder und weinte bitterlich. Das tat sie zwar schon seit Stunden, aber es nahm kein Ende. Die Trauer über so viele verlorene Menschen nahm Überhand und sie war froh, dass Damian und Selene auf Melody aufpassten.
Freya krallte sich sogar in das Gras und schlug auf die Erde ein. Auf andere sah sie sicherlich wie ein Kind, das keine Süßigkeiten bekam aus, aber das war ihr in dem Moment völlig egal.
Sie musste irgendwohin mit ihren Gefühlen. Da kam ihr der Rasen, den sie zum Glück nicht kaputt machen konnte, gerade Recht.
Irgendwann spürte sie, dass der Regen über ihr nachließ, doch um sie herum regnete es weiter.
Als sie aufsah bemerkte sie Damian, der ihr eine Art Schutz über den Kopf hielt. "Komm bitte rein. Sonst wirst du noch krank", sagte er sanft.
Ein Regenschirm, der wohl für zwei Personen gedacht war, bot ihr Schutz vor den Tropfen an. Nur langsam richtete Freya sich auf, blieb aber sitzen und schlang ihre Arme um ihre Beine. "Ich kann nicht", krächzte sie kläglich und vergrub ihren Kopf an den Beinen. "Ich komme nicht mehr klar", schluchzte Freya bitter. Ihr Körper zitterte, aber nicht vor Kälte, sondern vor Verausgabung.
Damian ließ den Schirm los und dieser schwebte daraufhin in der Luft. Wahrscheinlich nutzte er Windmagie. Dann beugte er sich zu Freya hinab und nahm sie in den Arm.
"Damian ... bitte. Nur noch eine Weile", flüsterte Freya völlig erschöpft und flehend. So konnte sie nicht zu Melody. "Bitte ... ich komme nachher rein. Versprochen", schniefte sie aufgelöst.
"Nein", sagte er entschieden. "Du kommst jetzt mit, wir gehen warm baden und dann gehen wir ins Bett. Selene hat Melody schon in den Schlaf gelesen. Es ist wirklich spät."
Niedergeschlagen ließ sich Freya von ihm zum Haus tragen, bat ihn dann aber, sie herunterzulassen. Den restlichen Weg wollte sie allein bewältigen. "War Melody brav?", fragte sie mit zitternder Stimme und schämte sich, dass sie einfach gegangen war.
"Ja, das war sie. Selene hat lange mit ihr gespielt. Sie hat mir danach die Ohren vollgeschwärmt, wie gern sie noch ein Kind hätte", meinte Damian nüchtern und schien zu versuchen, Freya aufzuheitern, während er diese Richtung Badezimmer führte. Dass sie alles nass machten, schien ihn nicht zu stören. "Genau genommen noch eine Enkeltochter oder einen Enkelsohn."
Erleichtert, dass Melody lieb gewesen war, schmiegte sich Freya an ihn. "Das kann ich Selene nicht verübeln. Kinder sind wundervoll", seufzte sie und fuhr sich über ihr heißes Gesicht. Sie schloss ihre Augen, da sich alles drehte und legte einen Arm um Damian.
Dieser hielt sie, während er sie ins Bad führte. Es war riesig und hatte sogar mehrere in den Boden eingelassenen Badewannen.
Es war nicht das, was sie zuvor besucht hatten, denn das neben Damians Zimmer war kleiner gewesen. Freya bekam große Augen und sah sich einen Moment um. "Wieso sind hier so viele Badewannen?", fragte sie verblüfft und blinzelte ihre restlichen Tränen weg.
"Das ist das Gemeinschaftsbad unserer Familie", meinte er belustigt. "Mit vielen Kindern ist das nötig. Wir waren immer alle zusammen baden."
"Wie viele Geschwister hast du eigentlich?", erkundigte sich Freya nachdenklich, während sie die nasse, klebende Kleidung auszog. Sobald sie nackt war, begann sie erbärmlich zu frieren und mit den Zähnen zu klappern.
"Ich habe drei große Brüder", sagte er und ließ heißes Wasser ein, damit sie sich schnell aufwärmen konnte.
Die Wanne war noch nicht einmal halbvoll, als Freya sich hineingleiten ließ und beinahe aufschrie. Seit wann war das Wasser so heiß? Sie fühlte ihre Haut und bemerkte, dass sie ganz kalt war. Zum Glück war Damian hartnäckig gewesen, sie hineinzuholen. Wahrscheinlich würde sie sonst wirklich krank werden.
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Die Magie der Steine - Eis (Band 5) [Leseprobe]
FantasyDas neue Semester beginnt für Freya alles andere als gut. Der Verlust ihrer Familie macht ihr zu schaffen, doch Damians Familie ist für sie und Melody da. Es gibt einige Überraschungen, die ihr Leben auf den Kopf stellen. Als sie zurück in die Schul...