mit LonelyArktis
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UNDERWORLD
She who walks the floors of Hell
finds the key to the gates of her own Heaven,
buried there like a seed.
- Segovia Amil -
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"Alleine solltest du das Boot nicht benutzen."
Kaum merklich zuckte sie zusammen, als die Stimme aus dem Nichts auftauchte. Sie hatte zumindest damit gerechnet Schritte oder dergleichen zu hören.
Der junge Mann, der am Steg aufgetaucht war, mit der schwarzen Kutte, die an einen Benediktiner-Mönch erinnerte, den unscheinbaren braunen Haaren und der sanften Stimme, wollte so gar nicht zu zu dem Bild der anderen Dämonen passen. Das Einzige, das an ihm hervor stach, waren die strahlenden hellblauen Augen, die an den wolkenlosen Himmel im Frühling erinnerte.
Das war also K.
"Soll ich aussteigen?", wollte sie wissen, aber rührte sich für den Moment nicht. Wenn er ein Problem damit hatte, dass sie sich vor ihm hingesetzt hatte sollte er es so sagen, dass sie es verstand.
Nachdenklich legte er den Kopf schief, als er die junge Frau in dem Holzgefährt betrachtete. "Du wirkst nicht wie eine gerade verstorbene Seele", setzte er langsam an. "Deine Energie ist anders. Stärker. Und irgendwie... Falsch." Das letzte Wort hatte er ebenso neutral gesagt wie die anderen, ohne Wertung, reine Beobachtung. "Was genau...?"
"Bin erst kürzlich gestorben, aber nicht heute, ja", stimmte sie trocken zu, "Wollte nicht sterben", fügte sie an und zuckte mit den Schultern. So viel zu Ms Plan also. Gut, dass sie eigene, vor allem andere hatte. "Um genau zu sein-", setzte sie an und wollte dem Mönch reinen Wein einschenken.
"Peter! Gerade einmal zwei Tage hier und nur am herumstreunen und quatschen."
Die dunkle Stimme glich einem Knurren, lauernd und so, als würde der Besitzer nicht lange zögern jedes Hindernis, jede unliebsame Störung mit sofortiger Wirkung aus dem Weg zu räumen.
Der echte K war also aufgetaucht. Ein Mann, der vor allem bedrohlicher wirkte. Sie verstummte und begnügte sich vorerst derer Unterhaltung zu folgen.
K kam mit langen, festen Schritten auf die beiden zu, wobei er Terminator einen kurzen Blick zu warf und fragend eine Augenbraue hoch zog. "Sind M und seine Chaotentruppe alle am ficken, oder was?", fragte er trocken an den Kater gewandt. Dieser bedachte ihn mit einem 'Natürlich-was-denkst-du-denn?' - Blick und zuckte nur gelangweilt mit den Schultern.
"Was sonst", diesen zynischen Kommentar konnte Aries sich nicht verkneifen, aber scheinbar schenkten die Männer hier ihr keine Beachtung.
"Der sucht sich als Praktikanten aber auch nur die größten Volltrottel", brummte K leise vor sich hin, während er zu Aries ins Boot stieg, gefolgt von Peter. Der junge Mann hatte vor wenigen Tagen einfach vor K gestanden und darum gebeten bei ihm ein Schnupper-Praktikum machen zu dürfen. Normalerweise nahm K keine Gehilfen, aber dieser ruhige, junge Mann hatte etwas an sich gehabt, dass er nicht hatte ablehnen können.
Das Boot schaukelte, als einer nach dem anderen einstieg, brachte Aries dazu zu überlegen, ob sie eigentlich Seekrank war oder nicht. Andererseits, das letzte was sie gegessen hatte war eine Banane gewesen, schnell, mehr heruntergeschluckt als gekaut, weil sie schon zu spät für die Arbeit war.
Scheinbar brauchten Dämonen nicht zu essen. Super, für Logie und Kost durfte sie demnach einsparen.
Doch bevor K die Ruder zur Hand nahm, wandte er sich Aries zu. "Der Obolus." Fordernd hielt er ihr die ausgestreckte Hand hin in Erwartung der Bezahlung.
Einen Obolus hatte sie trotzdem nicht übrig. Sie blinzelte und überlegte, ob sie K auf die Hand spucken sollte... Er hielt sie so auffordernd hin.
"Hab keinen bekommen", begann sie und räusperte sich, "Du bist K, der Herr hier unten, richtig so? Ich will einen Deal mit dir machen, ich denke es wäre in deinem Interesse von Komplott und Putsch-Versuchen zu erfahren."
Einen Moment starrte er sie völlig perplex an, versuchte Sinn aus ihrem Verhalten zu machen, einzuschätzen, mit wem er es zu tun hatte, und auch Peter hob bei ihren Worten halb überrascht, halb interessiert eine Augenbraue. Und dann fing K an zu lachen.
Rein technisch betrachtet saßen sie alle in demselben Boot. Aries, das Superlativ von M, spezialisiert auf arschig sein, und Blauauge, alias Peter der Praktikant. Anfühlen tat es sich mehr nach Wippe und der Schwerpunkt lag deutlich zu Gunsten des Fährmanns. Er lachte so laut, dass das Boot anfing gefährlich zu schaukeln und seine dunkle Stimme über den dunklen Fluss hallte, der sich in endlose Tiefen zu erstrecken schien. Stabil wie eine Walnussschale auf dem Ozean wackelte ihr Bötchen und Aries war not amused.
„Konplott?", fragte K halb um Atem ringend und wischte sich eine Lachträne aus dem Augenwinkel. „Putsch-Versuch?" Er prustete los und es war ein Wunder, dass er sich nicht einmal fest halten musste und trotzdem im wankenden Boot saß, als wäre es fester Untergrund.
Der Ausdruck auf ihren Lippen ließ sich am besten mit einem Strich beschreiben, fest presste sie die Lippen aufeinander und klammerte sich mit beiden Händen an die hölzerne Bande. Weiß standen die Knöchel hervor während ihre Arme vor Anspannung zitterten und ein leichter Grünton sich in Aries Gesichtsfarbe mischte. Eindeutig die Seekrankheit, oder Einbildung, aber die Übelkeit in ihrem Gaumen war bestimmt keine Fantasterei.
"Genug gelacht?", knurrte sie, darauf bedacht den Mageninhalt bei sich zu behalten. Seine Spottereien interessierten sie einen feuchten Dreck. Ihr Fehler, dass sie geglaubt hatte es gäbe auch nur einen hier, mit dem man anständig sprechen könnte. Zum Teufel mit den Dämonen.
Verletzten konnte er sie auch nicht mehr. Was hatte sie auch erwartet? Dass der große Bruder über mehr Hirnmasse verfügte? Zu dumm auch, gleiche Gene und der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.
„Du meinst Mephi? Hat mein süßer, kleiner Bruder sich wieder einen 'teuflischen Plan' mit seinem Spatzenhirn ausgedacht, um mich zu 'stürzen'?" Noch immer konnte er ein restliches Kichern nicht unterdrücken. Mit einem amüsierten Funkeln in den blutroten Augen sah er Aries an. „Und er hat dich geschickt, um etwas gegen mich zu unternehmen?"
Er streckte eine Hand nach ihr aus, fuhr mit dem Finger ihre Gesichtskonturen nach, bis er schließlich auf ihrem Hals ruhen blieb, direkt auf ihrer Schlagader.
Sie wollte platzen vor Zorn, als auch dieser mit seinen großen Griffeln in ihr Gesicht patschte. Würden die nicht auf der verräterisch heftig pochenden Halspulsschlagader liegen, Aries hätte die Pranke fort geschlagen, heftig.Jetzt reichte es aber wirklich!
„Ein borstiges, kleines Kätzchen wie dich?" Seine Stimme wurde eine Nuance tiefer und etwas lauerndes lag nun darin.
Darauf würde sie nicht antworten. Böse starrte sie den Oberdämon an und es passierte exakt das gleiche wie zuvor. Scheiß Déjà-vue. Als ob ihr die Wiederholung, Version 2.0 besser gefallen würde, als Grauenszenario Nummero Eins. Weit, so weit es ging lehnte sie sich nach hinten. Nicht so weit wie es ihr gefallen täte, aber ihre Hände waren wie angetackert, noch immer schaukelte alles.
„Vielleicht sollte ich dir ein Halsband anlegen, damit du brav bleibst und keinen 'Putsch' gegen mich versuchst?"
Lebenslang hatte sie nicht an Gott geglaubt. Durfte der Tod sie deshalb so verarschen?
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Welcome To Hell | 18+
FantasyEngelchen auf der einen Schulter, Teufelchen auf der anderen, Blut tropft vom Handgelenk - und nur ein einziger Wunsch: RACHE! Ein Pakt mit einem Dämon, der Tausch gegen die Seele, der eigene Tod - doch alles läuft anders, wenn man sich mit Mephis...
