45 | Hupenkonzert

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mit LonelyArktis

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A whole new world
A new fantastic point of view
No one to tell us, "No"
Or where to go
Or say we're only dreaming

- Mena Massoud und Naomi Scott-

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"Komm mit", verlangte Mona und führte M aus dem Zimmer.
Wie nicht anders zu erwarten gafften die strebsamen Angestellten wieder.

"Siehst du! Ich hab doch gesagt, hier läuft 'ne Professionelle nackt herum", wetterte eine Gestalt, die Mona rein optisch weder als Mann noch Frau begreifen konnte. Sie roch wie ein Weibchen, aber einen Busen oder Hintern konnte Mona in dem bis oben hin schwarzen zugeknöpften Anzug beim besten Willen nicht ausmachen.

Was war nur aus der Welt geworden?

Mit einem breiten Grinsen im Gesicht ging Moma frontal auf die Pseudofrau zu und packte deren Hals, ein Finger nach dem anderen legte sich entlang der Pulsschlagader, die plötzlich heftig pochte. "Wo krieg ich ein Tattoo?", fragend legte sie den Kopf schief, "und lüg mich nicht an, das spüre ich, Mäuschen." Zur Erinnerung tippte sie mit dem Zeigefinger über die samtige Haut des Halses.

Neben Mona kreischte es schrill auf, von der Tonlage definitiv auch ein weibliches Geschöpf. "Also wo jetzt?", verlangte Mona fordernd von Mäuschen zu wissen. Neben erstickten Krächzen kam da aber nichts aus ihrem Mund.
"Gegenüber ist ein Tattoostudio. Du musst nur die Straße überqueren", piepste eine andere.
"Dankeschön", flötete die Dämonin und ließ von Mäuschen ab. Mehr Verwendung hatte sie für den Menschen nicht.

"Mein Gott, was für eine Verrückte", tuschelten die Weiber wie aufgeschreckte Hühner, als Mona ihnen den Rücken zukehrte, aber genauso schnell wie die am Tratschen waren, bewegten sich Füße fluchtartig in die Personalmanagement Abteilung, um sich dort über Herr Hunter und dessen Besuch zu beschweren.
Sie konnten von Glück sagen, dass Herrn Hunter das Zeitliche gesegnet hatte, sonst schlüge bald deren letzte Stündlein unbarmherzig laut.

Kichernd hielt Mona M am Oberarm zum Stehen an. "Warte hier, ich muss nur kurz was holen", sprach sie und entschwand für einen Augenblick im angrenzenden Zimmer. Das auf dem Weg liegen gebliebene Spitzengewand war viel zu hübsch, um es zurück zu lassen.
Schnell zog sie es über und präsentierte sich dem wartenden Dämon in einer Pirouette, sodass der halb transparente Seidenstoff sich um ihren Oberkörper wölbte und den Ansatz von Pobacken frei legte.
"Jetzt können wir gehen", bestimmte sie und klackerte mit den roten Highheels voraus.

Im Treppenhaus entgegneten ihnen einige seltsame Blicke, aber da Menschen bisher durchweg so auf sie reagierten, schenkte Mona dem keine Beachtung. Menschen waren eben Glotzer. So einfach war das.

"Wie lange braucht es, bis deine Kräfte wieder aufgeladen sind?", fragte sie einen Schritt vor der Offenbarung. Durch die Tür raus erwartete sie eine nie zuvor gesehene Welt.
„Ein paar Stunden", antwortete M gerade, als er direkt in Mona rein lief, die erstaunt stehen geblieben war, fasziniert von der neuen Welt, die sich vor ihr ausbreitete.

Von rechts fuhren farbenfrohe Kasten auf Rädern, von links ebenso. Überall blinkte und leuchtete etwas: die Ampelanlagen, Neontafeln an Hauswänden, Werbeplakate und nichts, überhaupt nichts stand still. Die Menschen waren in ständiger Bewegung, redeten scheinbar mit sich selbst, als sie ohne den Blick zu heben an Mona und M vorbei gingen.
Außerdem war es laut, Hupen, Stimmen, die aus kleinen Boxen kamen, die die Menschen ans Ohr hielten und das Geräusch von Flügelschlagen, wenn die schier unzählbare Schar an Tauben ein neues Fressziel fand.

Ein Schmunzeln stahl sich auf Ms Lippen, angesichts dessen, dass dem hübschen Succubus selten die Worte fehlte - außer, wenn er sie zum Orgasmus leckte, aber das war etwas anderes - und sanft legte er die Hände an ihre Hüfte, schob sie nach vorne, um sie zum Weitergehen zu animieren.

"WOW", entfuhr es Mona mit breitem Grinsen, "Ich liebe die Menschenwelt!", rief sie entzückt mit vor Begeisterung leuchtenden Augen.
„So besonders ist sie gar nicht", sagte er kichernd, genoss es aber, dass er es war, der ihr 'erstes Mal' in der Menschenwelt erlebte. Er - nicht K.

Auch wenn das Chaos hier sie belebte wie sonst nur ein Akt, fand sie doch eine versteckte Ordnung.
Fokussiert verfolgte sie das Prozedere.
Wenn eine Frau die Straße überqueren wollte, hielten die seltsamen Karosserien alle an.
Nicht bei Mona...
Ein Schritt, zwei Schritte schon lagen die Blicke aller auf der Halbnackten, die für den Stau auf der Road 23 verantwortlich sein würde.
"TUUUUUUUUUT", dröhnte die Hupe des ersten Mannes, der auf die Eisen treten musste. Eine astreine Vollbremsung hinlegte und zwei Zentimeter vor Mona zu stehen kam. Ein ganzes Trötenkonzert folgte.

Die stoppenden Autos, die überraschten Blicke der Männer hinter den Steuern, in die sich nicht selten Gier schlich, sobald sie einen längeren Blick auf Mona erhascht hatten, ließen M schmunzeln, seine Brust vor Stolz anschwellen, als er seelenruhig neben ihr her lief. So musste es sich anfühlen, allen zu zeigen, dass er das hotteste Mädchen hatte, die, die alle wollten, aber nur neben ihm, M, herlief.

Wagen fuhren aufeinander auf und ließen in wutentbrannten Stimmen die Fenster runter, "Fahr zur Hölle Fotze, wir sind hier nicht auf dem Strich!"
Irritiert blieb Mona einfach stehen, in diesem Verkehrschaos und griff nach Ms Kragenauschnitt, zog ihn dicht an ihr Gesicht. "Wieso weiß der Mensch woher wir kommen, M?"
Dem entsprechenden Fahrer schenkte sie einen durchdringend Blick. "Du solltest ein Auge auf ihn werfen", riet sie ihrem einzigen Verbündeten hier.
Ms Schmunzeln wurde zu einem Grinsen und besitzergreifend legte sich sein Arm um ihre Teile, richtete er sich noch ein Stück auf, warf jedem, der es wagte einen dummen Spruch zu machen, einen so scharfen Blick zu, dass dieser sofort verstummte und sich schleunigst wieder in die Sicherheit hinter das Lenkrad zurück zog.
„Wenn du das willst", antwortete er glucksend, zog sie mit beiden Händen an ihren Hüften noch ein Stück näher, ignorierte die sich weiter aufstauenden Fahrzeuge hinter ihnen.

Hier waren sie die Kings, hier war er ein K und Mona in seinen Armen. Diese seltene Gelegenheit wollte er nutzen, um sich ein Mal wie der Herr im Haus zu fühlen - oder in diesem Fall: auf der Straße.

Erst das Bild eines tätowierten Mannes, der durch eine Fensterscheibe das Chaos auf der Straße beobachtete, versetzte Mona erneut in Bewegung.
"Dort lang", brachte sie M mit einem Fingerzeig auf den neusten Stand und winkte dem Tattoo-Mann bereits zu.

Mac sah es auch und wurde bleich.
Sein ganzes Leben lang hatte er darauf gewartet, dass 'Etwas' passierte. Etwas Bahnbrechendes, das sein Leben komplett auf den Kopf stellte. Etwas wie ein Schlangenbiss, der ihn auf genetischer Ebene mutieren ließ, wie in den Comics über, unter und hinter ihm beschrieben wurde.
Einen, nein, zwei Dämonen zu treffen, damit hatte Mac nicht gerechnet.

Noch weniger mit dem, was die Perfektion all seiner erotischen Fantasien von ihm wollte.

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