Lies mir aus der Kristallkugel

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POV Julien
Im oberen Badezimmer sollte ich eigentlich kurz eine Pause haben. Eine Pause, in der ich meine Gedanken hätte sortieren können, doch stattdessen ist es hier im stillen Badezimmer noch schlimmer.
Mein Herz klopft schneller als normal in meiner Brust und meine Gedanken hängen dem Mann mit den blauen Haaren hinterher.

Seit wann fühle ich so?

Ich drehe den Wasserhahn auf und schöpfe mir etwas kaltes Wasser ins Gesicht - ich muss mich beruhigen. Ich hatte noch nie solche Probleme.
Klar, das Herzrasen ist bekannt und ein Kribbeln im Bauch ist auch nichts ungewöhnliches, aber das hier?
Wenn ich mit ihm in einem Raum bin, dann gerät auf einmal alles andere in den Hintergrund. Ich will keine seiner Aussagen verpassen, keine Frage oder Antwort. Ich will am liebsten die ganze Zeit an seiner Seite sein und seiner Stimme lauschen. Ist das Zuneigung?
Eigentlich hatte ich mit mir selbst abgesprochen, dass das, was ich davor gefühlt habe - zum Beispiel im Europapark - Zuneigung war, was ist es also jetzt?

Warum bin ich mir unsicher?

Warum habe ich das Gefühl, wenn ich an unsere eventuelle, unwahrscheinliche, Zukunft denke?
Doch bevor ich meine wirren Gedankengänge weiter verfolgen kann, klopft es an der Tür und ich höre Thomas "Ju!? Alles gut bei dir? Wir bestellen gerade Essen und ich wollte dich Fragen, was du willst" Mit meinen Armen finde ich immer noch eine Stütze auf dem Waschbecken "Alles gut... nehmt einfach das, was ich immer nehme" Hat er überhaupt gesagt, wo sie bestellen? Ich schüttel meinen Kopf und versuche mich wieder auf Thomas Stimme zu konzentrieren "Alles klar..."

Gerade als ich denke, ich wäre wieder alleine, erhebt er nochmal das Wort "Bei dir wirklich alles gut?" Mein Spiegelbild sieht mir unsicher entgegen "Ja, wirklich- also ja"
'Gut gemacht Ju, du klingst wirklich überzeugend', ich höre, wie Thomas sich etwas vor der Tür bewegt, vielleicht sorgt er sich?
"Soll ich dir Rezo-" "Nein!-, also... nein, danke" Ich lasse meinen Kopf gegen den Spiegel fallen und seufze, warum bin ich nur so durcheinander?
"Lass mich wenigstens rein, dann können wir uns in die Augen sehen" Um seinen Standpunkt klar zu machen, klopft er nochmal gegen die Tür.
Widerwillig öffne ich sie ihm und lehne mich dann mit dem Rücken ans Waschbecken, Thomas lehnt sich mir gegenüber gegen die Wand und schließt die Tür wieder.

Nachdem sich die Stille gezogen hat und er mich auffordernd an sieht, ergreift er doch das Wort "Was ist los mit dir?" Als Antwort zucke ich nur mit meinen Schultern, er seufzt "Ich vermute es hat was mit Rezo zu tun" Als er seinen Namen erwähnt, sehe ich Thomas das erste Mal an.
Seine Augen sind mit Sympathie gefüllt und seine Gesichtszüge sind sanft "Hattet ihr einen Streit?" Ich schüttel meinen Kopf "Nein, gar nicht. Im Gegenteil, wir verstehen uns echt gut"

Für einen Moment sehen wir uns beide einfach nur an. Seine Augen scheinen mir in die Seele schauen zu wollen oder, wahrscheinlicher, einfach meine Gedanken lesen zu wollen.
"Bereust du es?" Fragt er schließlich. Verwirrt und den Kontext nicht verstehend, ziehe ich meine Augenbrauen fragend zusammen. Er seufzt ein weiteres Mal, als er merkt, dass er seine Frage ausführen muss "Bereust du es, dass du mit ihm eingegangen bist, eine Beziehung zu versuchen - eine Beziehung über die Freundschaft hinaus?" Sofort hebe ich meine Hände abwehrend hoch "Nein, niemals. Er ist das beste, was mir je passiert ist"
Nun sieht er mich verwirrt an "Was ist dann das Problem? Was macht dich so unsicher?" Jetzt seufze ich und vergrabe kurz mein Gesicht in meine Hände "Genau das ist ja das Problem!" An Thomas' Gesichtsausdruck sehe ich, dass er den Kontext nicht versteht - wie ich einige Momente zuvor. "Es hat nie so gut funktioniert. Es gab immer etwas, was mich gestört hat - oder sie-" Theatralisch hebe ich meine Hände unterstreichend noch bei dem Wort 'sie' "-und da ist das nächste Problem. Ich hatte bis jetzt nur Beziehungen mit Frauen. Bei ihnen wusste ich, was ich tun soll, doch jetzt?"
In seinem Gesicht spiegelt sich Verständnis, aber auch etwas Verwirrung. "Zerbrichst du dir darüber den Kopf?-" ich nicke etwas schüchtern "-Wahrscheinlich kannst du dir denken was ich sagen will: Wir reden hier über Rezo, verhalte dich so, wie du dich fühlst. Wenn du etwas Zeit und Abstand brauchst dann tu das! Aber erkläre es ihm, er hat es verdient. Und wenn du eine Ebene weiter gehen willst, dann kannst du ebenfalls mit ihm reden. Sei einfach du selbst und genieße es" Er hatte recht, ich wusste, was er sagen würde. Ich wusste es und genau deswegen hatte ich nicht geplant, mit ihm - oder irgendjemandem - darüber zu reden.
Frustriert werfe ich meine Hände in die Luft "Ich weiß doch nicht wie! Wie zerstöre ich nicht das, was wir haben? Wie mache ich es nicht akward zwischen uns? Was soll ich tun, damit er sich wohl fühlt? Damit er das gleiche fühlt wie ich? Ich-..., ich weiß einfach nicht-..."
Mein Hals schnürt sich zu und Tränen steigen mir in die Augen.

Eine Auszeit nehmen #JuzoGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt