Kapitel 2

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L U C I A N A

꧁The mind remembers the words, But the heart remembers how it feels. The mind can forget, but the heart never will. ~ JmStorm꧂

Seit guten zehn Minuten klingelt mein Wecker, doch ich stelle ihn immer wieder aus. Ich möchte nicht aufstehen.
Gestern konnte ich kein Auge zudrücken. Meine Gedanken waren die ganze Zeit bei dem Herrn von gestern. Ob ich ihn heute wiedersehen werde?

Nun ja, alle guten Dinge sind drei, nicht wahr?

Vielleicht sehe ich ihn auch nicht; kommt darauf an, ob Williams Erbarmen mit mir hat und mich weiterleben lässt. Es ist beängstigend, wie viel Angst ich vor einem Mann haben kann, obwohl ich mir selbst versprochen habe, mir nie wieder etwas gefallen zu lassen. Vor allem nach ihm. Zum Glück sind meine Erinnerungen nur verschwommen, denn ich glaube, mit voller Erinnerung würde ich das nicht durchstehen.

Dieses Gefühl von Angst und Unwissenheit, das durch meine Adern fließt, lässt mich erschaudern. Ich kenne Williams nicht, und ich weiß nicht, wie weit er gehen würde. Ein-, zweimal war er zwar handgreiflich uns gegenüber, doch es ging nie zu weit. Bis jetzt.

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass ich versuchen soll, mich krankzumelden oder irgendetwas zu machen, damit ich nicht hingehen muss. Doch ich habe keine andere Wahl. Es würde bestimmt nur noch schlimmer für mich werden. Für uns. Vielleicht lässt er seine Wut an anderen aus, und ich möchte nicht dafür verantwortlich sein. Sie haben das nicht verdient.

Keiner von uns hat das verdient.

Also muss ich mich wohl stellen.

So langsam sollte ich wohl aufstehen; ich will ja schließlich nicht noch einmal zu spät kommen.

Ich zwinge mich aus meinem nicht wirklich gemütlichen Bett, und mein erster Stopp ist das Badezimmer, um meine morgendliche Routine zu starten.

Das Übliche halt.

Auf die Toilette gehen, Zähne putzen, Gesicht waschen und so weiter. Die Haare haben eine eigene Routine, die mich jedes Mal meinen letzten Nerv kostet. Locken sind schön, aber anstrengend. Manchmal wünsche ich mir einfach, eine Glatze zu haben; das würde mir das Leben so erleichtern.

Nach guten zwanzig Minuten im Bad gehe ich zurück in mein Zimmer, um mir Kleidung für heute rauszusuchen. Eine große Auswahl habe ich nicht wirklich, aber trotzdem ist es schwer, sich zu entscheiden. Mädchen halt.

Letztendlich entscheide ich mich für eine gemütliche Jeans mit einem enganliegenden Langarmoberteil.

Gerade als ich in die Küche gehen will, um mir etwas Warmes zu trinken zu machen, klingelt es an der Tür. Wer kann das denn so früh am Morgen schon sein? Ich ändere meine Route von Richtung Küche zu Richtung Haustür. Zuerst schaue ich durch den Türspion in der Hoffnung, jemanden Bekannten vor der Tür zu sehen, doch leider ist es nicht der Fall.

Um genau zu sein, steht da niemand. Langsam und mit Bedacht öffne ich die Tür und schaue mich in alle Richtungen um. Welcher Witzbold hat sich dazu entschieden, einen Klingelstreich bei mir zu machen?

Bevor ich die Tür wieder schließe, fällt mir ein kleines Paket auf, das genau vor meiner Tür positioniert ist. Für mich?

Ich habe doch nichts bestellt.

Etwas irritiert hebe ich das kleine, schwerer als gedacht wiegende Paket auf und lege es auf den Küchentisch ab. Ich werde es heute Abend öffnen.

Ich mache mir schnell einen Tee und trinke ihn genüsslich, während ich meine Nachrichten abchecke. Wie immer nichts.

ʀᴇᴍᴇᴍʙᴇʀ ᴍᴇWo Geschichten leben. Entdecke jetzt