Kapitel 1

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L U C I A N A

The sound of rain.

Ein Klingeln reißt mich aus meinem nur zu schönen Schlaf, und ohne nachzusehen, wer dran ist, gehe ich verschlafen an mein Handy. Bevor ich überhaupt die Möglichkeit bekomme zu fragen, wer dran ist, kommt mir die Person schon eilig entgegen.

„Wo bleibst du?! Williams sucht dich schon überall und fragt, wo du bleibst!"
Ehe ich die ganze Situation wahrnehmen kann, stehe ich schon hektisch auf und schaue auf die Uhr.
Verschlafen.
Ich habe tatsächlich verschlafen.
Dios mío, er wird mich so umbringen.

„Sag ihm, dass ich spätestens in 30 Minuten da bin."

Ohne auch nur einen Augenblick zu verschwenden, schmeiße ich das Handy auf mein Bett und versuche, mich so schnell wie möglich fertigzumachen.
Überrascht von meiner Geschwindigkeit gehe ich aus meinem Apartment und schließe die Tür hinter mir.

Normalerweise würde ich, bevor ich das Haus verlasse, abchecken, ob ich auch wirklich nichts Wichtiges vergessen habe, doch dafür bleibt keine Zeit. Auf die Uhr schauend, laufe ich schnell nach draußen durch das ekelhaft riechende Treppenhaus. Nach einer Weile gewöhnt man sich an den Geruch, doch für Neue ist das die Hölle. Man kann aber auch in solch einer Gegend nichts Besseres erwarten.

Den Bus kriege ich nicht mehr. Na toll, das heißt wohl, dass ich laufen muss.

Ich habe lange keinen Sport mehr gemacht. Das Schicksal stellt wohl meine Ausdauer und meine Sportlichkeit infrage.
Nun gut, dann sollte ich wohl keine Zeit verschwenden und schnell anfangen zu rennen, bevor ich noch später komme, als ich es sowieso schon bin.

-ˋˏ ༻✿༺ ˎˊ-

Mit hektischer Atmung öffne ich die Eingangstür des Cafés und betrete das nach Kaffee riechende Lokal. Dafür, dass es halb neun ist, ist es gut gefüllt.
Kein Wunder, dass sofort aufgefallen ist, dass ich fehle.
Bei so einer Menge an Kunden würde es jedem auffallen. Ich sollte mich einfach unauffällig unter meine Kollegen mischen, dann wird es auch nicht so sehr auffallen.
Dachte ich zumindest.
„Schön, dass Sie sich entschieden haben, uns mit Ihrer Anwesenheit zu beglücken, Martínez."

Ja, das war wohl nichts. Langsam drehe ich mich um und schaue somit sofort William ins Gesicht. Meinem Boss. Schnell senke ich meinen Blick und murmele eine leise Entschuldigung vor mich hin.

Ich hasse diesen Mann.

„Wie war das? Ich konnte Sie leider nicht hören", provoziert er weiter.

Diesmal mit mehr Kraft in der Stimme entschuldige ich mich für meine Verspätung.
„Ich entschuldige meine Verspätung. Kommt nicht mehr vor."„Darauf hoffe ich doch", erwidert er.

Bevor ich mich umdrehen kann, um mit meiner Arbeit anzufangen, ertönt seine Stimme erneut.
„Sie kommen morgen nach Ihrer Schicht in mein Büro. Ich erwarte Sie."
Schwer schluckend nicke ich und gehe sofort hinter die Theke.

Verdammt, das heißt nichts Gutes. Immer wenn es heißt: „Ich erwarte Sie in meinem Büro", kann man sich denken, wieso. Dieser Mann ist der Teufel in Menschenform. Es wäre nicht das erste Mal, dass er handgreiflich gegenüber Mitarbeitern geworden ist, doch was können wir tun?

Wir brauchen die Stelle, und noch dazu haben wir enttäuschenderweise keine handfesten Beweise dafür. Ich kann es mir nicht leisten, diese Arbeit zu verlieren. Keiner von uns kann es. Also leiden wir in Stille und versuchen, es ihm so gut es geht recht zu machen.
Irgendwann wird es besser. Irgendwann.

ʀᴇᴍᴇᴍʙᴇʀ ᴍᴇWo Geschichten leben. Entdecke jetzt