Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch, schlug ich meine Augen auf und starrte unbewegt an die Decke. Ich konnte nicht sagen, wie spät es gerade war, aber vermutlich war der Morgen schon längst angebrochen. Und damit auch der Tag, der uns zum Verhängnis werden konnte.
In Kenzie gibt es mehrere Jugendliche, die Stehlen, aber meist ist es nur eine Kleinigkeit, wie ein Apfel oder ein Stück Brot. Viele von ihnen werden dabei erwischt, weil sie zu unvorsichtig waren oder von Umstehenden beim Raub beobachtet wurden.
Und da kommen wir schon zu dem Punkt, der uns von ihnen unterscheidet: Die Strafe.
Im Gegensatz zu unserer Strafe, ist ihre Strafe harmlos. Das schlimmste, was ihnen passieren könnte, wäre eine Geldstrafe oder ein paar Sozialstunden. Bei uns ist es anders... Egal was wir tun, wir werden immer mit dem Tod bestraft. Selbst die unter uns, die ihre Identität verbergen und sich normal verhalten, werden hingerichtet, sobald sie entlarvt werden.
Ich konnte nicht voraussagen, wie der heutige Tag verlaufen würde, aber ich hoffe sehr, dass alles gut gehen würde. Alles andere wollte ich mir gar nicht vorstellen.
Langsam richtete ich mich auf und sah mich um. Neben mir, zusammengerollt auf einer Matratze, lag Liv. Ich konnte sehen, wie sich ihr Körper hob und senkte, während sie ruhig schlief. Wir beide hatten uns dazu entschieden im Untergrund der Höhle zu schlafen, um nicht im Weg zu liegen, falls Daphne und 67, die auch hier unten schliefen, vor uns aufwachten und raufgehen wollten.
Eine Weile lang sah ich Liv an, wie sie ruhig schlief. Ihre Haare bewegten sich beim Atmen jedesmal leicht auf und ab. Am Ansatz waren ihre Haare blond, dass war mir bis jetzt noch gar nicht aufgefallen! Waren ihre Haare durch die Mutation weiß geworden? Oder hatte sie sie sich gefärbt? Ich vermutete mal ersteres…
Genau in dem Moment schlug sie die Augen auf und sah mich an.
,,Guten Morgen”, gähnte sie und rieb sich die Augen, als sie sich ebenfalls aufsetzte. Ich grüßte zurück und stand auf. Mein Weg führte mich ein paar Meter nach rechts, wo ein Spiegel stand. Er war nicht der neuste, Kratzer, Sprünge und etwas Dreck, zierten seine sonst glatte Oberfläche. Ich richtete mir mit meinen Händen ein wenig die Haare und fragte mich dabei ein weiteres Mal, wie diese Höhle hier entstanden war. Sie mit der Hand zu graben, würde vermutlich Jahre dauern. Und dann auch noch die Möbel hier runter zu bekommen, musste fast unmöglich gewesen sein!
Liv trat neben mich und ich ging ein bisschen zur Seite, sodass auch sie sich im Spiegel betrachten konnte.
,,Schon komisch oder? Ich meine, uns so zu sehen.”, Flüsterte sie leise und ich verstand, was sie meinte. Es war schon komisch. Ich hatte mich zwar mit meinem Aussehen und meinen neuen Fähigkeiten abgefunden, aber in manchen Momenten fragte ich mich dann, wie ich heute leben würde, wenn ich damals nicht entführt worden wäre?
Wahrscheinlich würde ich so Leben, wie alle anderen normalen Mädchen in meinem Alter auch. Wir würden uns zu Ausflügen in der Stadt treffen und würden Abends auch mal etwas zusammen essen oder feiern gehen. Ich könnte ins Schwimmbad gehen, an den Strand… Ohne Angst, einfach frei sein und mein Leben genießen.
Doch eigentlich brachten mir die Gedanken gar nichts. Sie machten mich nur verrückt. Ich lebte im hier und jetzt, damit musste ich Leben, ob ich wollte oder nicht. Eine Mutation, die sich verstecken musste, die gejagt wurde, das war ich. Seit Jahren schon, war ich kein normales Mädchen mehr. Und würde es vermutlich auch niemals wieder sein.
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~𝕏𝕖𝕟𝕚𝕒 | 𝔼𝕚𝕟 𝕃𝕖𝕓𝕖𝕟 𝕒𝕝𝕤 𝕄𝕦𝕥𝕒𝕟𝕥~
FantasyWir schreiben das Jahr 2056. 11 Jahre ist es nun her, seitdem die Mutanten aus den Laboren ausgebrochen sind. Xenia ist eine von ihnen... Jeder einzelne der Mutanten waren alles mal Kinder und Jugendliche, die ihren Familien entrissen und schrecklic...
