Schau' mich an. (Zum Teil überarbeitet)

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Als ich erwachte, war das Erste das ich bemerkte, dass meine Kopfschmerzen nachgelassen hatten, und die Nadeln in meinem Körper waren ebenfalls verschwunden. Das Zweite war, dass sich eine eigenartige Wärme von der Seite auf mich ausstrahlte. Ich sah rüber und blickte in wunderschöne, grüne Augen. Ich musste lächeln über den schönen Anblick der sich mir bot, über die kleinen Sommersprossen die ich zum ersten Mal auf seiner Nase bemerkte. Ich musste lächeln, weil ich eine Ruhe empfand, die ich nicht schrecklich fand. Ich mochte sie und der Auslöser für sie lag vor mir, er war zum greifen nah und doch konnte ich nicht. Was auch immer  mit mir los war, es durfte sich nicht auf meinen besten Freund auswirken. Ich wollte kein schlechter Mensch sein, ich wollte nur wertschätzen, was mein Freund gerade für mich tat. Als ich erneut meine Augen auf schlug, drehte ich mich zu der stelle wo er vorhin noch gelegen hatte, doch war dort niemand mehr und somit auch die Wärme verschwunden. "Suchst du mich?", fragte eine tiefe, raue Morgenstimme hinter mir. Ertappt drehte ich mich und blickte in einen Aaron der auf meiner Bettkannte saß und mich mit verschlafenen Blick musterte. "Geht es dir besser?", ich wusste nicht das sich eine Stimme so schnell verändern konnte, doch als er diesen Satz sagte, hörte es sich so unglaublich anders an und doch konnte ich nicht sagen was. Es war diese eine Nuance, die alles verändert. Und in diesem Moment mochte ich es. "Ja, es geht. Was ist gestern  noch was passiert? Es ist alles so...verwaschen." Als ich wirklich darüber nachdachte, konnte ich mich nur noch an das aufwachen erinnern. Was gestern Abend passiert war, hatte mein Gehirn erfolgreich verdrängt oder gar aus meinem System gelöscht. "Ich brachte dich ins Bett, danach konntest du ein paar Stunden schlafen, bis du eine Kotzattacke hattest und die nächste Zeit mit mir am Klo verbrachtest. Danach war eigentlich alles wieder ruhig gewesen.", erzählte Aaron mir und musste währenddessen mehrmals Gähnen, was mir sofort ein schlechtes Gewissen bereitete. "Du...Hast du überhaupt geschlafen?", fragte ich aufgebracht und konzentrierte mich auf meinen schnellen Puls, der sich mit jedem tiefen Atemzug wieder etwas beruhigte. "Bitte, ich hatte schon weniger Schlaf und hab's überlebt. Mach dir um mich keine Sorgen, sondern eher um dich. Ich befürchte, dass du immer noch hohes Fieber hast. Zumindest könnte man auf deiner Stirn ein Spiegelei braten.", sagte Aaron während er das Fieberthermometer hervor holte und unter meine Achsel steckte. Er fuhr nochmal mit seiner Hand zu meiner Stirn, die sich unglaublich schön kühl, auf meiner erhitzten Haut anfühlte. Ich schloss genüsslich die Augen und genoss einfach nur die kälte die Aaron seine Hand auf meiner Stirn verbreitete. Ich öffnete sie vorsichtig wieder, um in ein amüsiertes Gesicht zu blicken. "Was schaust du so? weißt du wie anstrengend diese Hitze ist?", fragte ich empört, da er sich über meine Lage eindeutig lustig machte. Aaron entkam ein kleines Kichern, des er aber schnell mit einem Räuspern überspielte. "Ach, danke, so bescheiden musst du nicht sein. Ich weiß wie heiß ich bin. Das muss dir überhaupt nicht peinlich sein." Während ich vor Ärger und Scham bestimmt rot anlief, grinste Aaron so breit, dass man fast schon Angst vor ihm bekam. Und dann brach er in Gelächter aus, in dass ich leider mit einstieg. Ich liebte diese unbeschwerte Art, die wir miteinander hatten, diese angenehme Ruhe, die ich nur bei ihm zu akzeptieren schien, dieses Gefühl, wenn er mich ansah, und diese Augen mich an die ganzen Stunden erinnerten, die wir schon immer miteinander gehabt hatten. Es schmerzte, es zu akzeptieren, das dies nicht für immer sein würde. Wir alle mussten irgendwann mal sterben, alles hatte seine Zeit, für manche früher, manche später und doch gab es gar nicht so viele Unterschiede. Jedoch gab es die Leute die das Leben liebten und die, die es freiwillig beendet haben oder wollten. Ich konnte beide Seiten nicht verstehen. Selten dachte ich auch daran, wie es wohl wäre, jetzt in den Himmel, die Hölle, wo auch immer hinzukommen. Doch andernfalls war es auch komisch zu warten, dass Leben zu leben, bis man sowieso irgendwann starb. Ich verstand diesen ganzen Lebenszyklus nicht, doch wollte ich das auch nicht. Ich wollte nicht immer alles wissen. Es würde eindeutig meinen natürlichen Lebensverstand vernichten und das wollte ich unter keinen Umständen. nachdem wir uns wieder beruhigt hatten, sahen wir uns tief in die Augen, beide, mit einem lächeln auf den Lippen. Gott, hatte ich schon mal gesagt wie toll und wunderschön Aarons Lippen aussahen? Wahrscheinlich nicht, denn bis vor ein paar Wochen hätte ich noch nicht mal so empfunden wie jetzt gerade. Seine Augen, Lippen, Sommersprossen, dass alles zog mich in seinen Bann und wollte mich nie wieder loslassen. Und so ungern ich es mochte, ich wollte nie wieder aus diesem Bann gezogen werden, den ich genoss, jeden einzelnen Moment in ihm. Der Moment, den wir gehabt hatten, so wie ich empfunden hatte, wurde zerstört, als das Thermometer piepste, dass sich immer noch unter meiner Achsel befand. Langsam zog er es hinaus und blickte erst das Gerät, dann mich mit einem undefinierbaren Blick an. Ich schaute verwirrt zurück bis er mir das Fieberthermometer zeigte. die Hoffnung, bald wieder gesund zu werden, fiel in mir wie ein Kartenhaus das angepustet wurde zusammen. Ich hatte immer noch hohes Fieber. es war sogar ein wenig gestiegen. Verzweifelt ließ ich mich wie so oft noch weiter in mein Kissen sinken, doch wurde mein triebsaalblasen durch einen motivierten jungen Mann unterbrochen. "Ach komm! Das Fieber bekommen wir gebacken! Ich weiß noch so alte Tricks die meine Oma bei mir immer gemacht hat wenn ich hohes Fieber hatte. Aber ich gehe später in die Apotheke und besorge dir auch was gegen die Übelkeit, abgemacht?", fragte mich Aaron der mittlerweile seine Hand auf meine gelegt hatte und vorsichtig mit seinem Daumen über meinen Handrücken fuhr. Ich nickte nur benommen. Ich schaffte es nach einem Zwieback und einer Tasse Tee, ein paar Stunden zu schlafen. Als ich verschwitzt und desorientiert erwachte, bekam ich erstmal einen Schüttelfrost, der sich zum Glück aber schnell wieder beruhigte und nur ein leichtes Gefühl der Schwäche hinterließ. "Aaron?", rief ich in die totenstille. Niemand antwortete. Was, wenn er gegangen war? Mich hier alleine gelassen hatte? Wie sollte ich Hilfe holen? Ich konnte ja nicht mal wirklich allein gehen, geschweige denn aus dem Bett kommen. Ich verzweifelte, weswegen ich aufstand, mich aber sofort an der Wand neben meinem Bett festhalten musste, da ich sonst umgefallen wäre. Langsam und mit torkligen schritten kam ich der Zimmertür immer näher. Ich hatte die Klinke schon so gut wie in der Hand gehabt, als jemand von außen die Tür aufmachte und ich mit einem ruckartigen Schritt nach hinten wich. Ich verlor das Gleichgewicht und bereitete mich schon auf den schmerzhaften Aufprall vor den ich erwartete, doch wurde ich stattdessen an eine feste Brust gedrückt. Als ich erschrocken aufsah, sah ich in die grünen Augen die ich so liebte und beruhigte mich. "Was tust du denn? Stell dir vor ich hätte dich nicht aufgefangen! Warum wolltest du denn raus?", fragte mich Aaron aus und ließ sich selbst zwischen den Worten nicht mal Zeit zu Atmen. Ich lächelte weil er so aufgebracht war, da ich es irgendwie.. niedlich fand, jedoch schoss mir das Blut in die Wangen, wenn ich daran dachte, warum ich überhaupt das Zimmer verlassen wollte. "Ich, ähm...", sagte ich stotternd bevor ich mich nochmal räusperte und von vorne anfing. "Ich wollte nachsehen wo du bist." Als ich das sagte blickte ich verlegen zu Boden, damit der Mann vor mir nicht erkennen konnte, wo unangenehm mir die ganze Situation war. Ich spürte immer noch seine Hände, die sich nach wie vor an meiner Taille befanden. Ich versuchte mich leicht aus dem Griff zu lösen, doch wurde ich dadurch nur noch fester gehalten. "Schau mich an.", hauchte Aaron an mein Ohr und ich sah vorsichtig zu dem Größeren auf. "Du weißt wie blöd das von dir war, oder?", fragte er ein wenig vorwurfsvoll und doch mit einem lächeln im Gesicht. Er sah mich nur fragend an bis er weiter redete: "Du machst dir Sorgen um mich, obwohl du jeden Moment umkippen könntest sobald du das Bett verlässt. Das ist bescheuert!", antwortete er. Aaron wollte ernst bleiben und es wie einen Vorwurf klingen lassen, doch bekam er es nicht hin. Sein rechter Mundwinkel zuckte, was ihn auffielen ließ. Ich grinste ihn frech an, ließ meine Hände auf seine Schulter fallen und umarmte ihn. Ich spürte seinen harten Rücken, den Stoff seines T-Shirts auf meinen Fingerkuppen und genoss die Wärme die er ausstrahlte. Ich klammerte mich an ihn, wie ein kleines Kind und doch hörte ich nicht auf. Ich weiß nicht wie lange wir dort standen, wann er angefangen hatte vorsichtig mit seiner Hand über  meinen Rücken zu streichen, doch mussten auch die schönsten Momente irgendwann enden. Ich gähnte und ließ Aaron langsam aus. "ich glaube ich sollte mich wieder hinlegen. Kannst du mir helfen?", bat ich ihn, da sich alle meine Muskeln wie Brei anfühlten und mich wieder ein zittern durchrüttelte. Aaron legte meinen Arm um seine Schultern um mich besser bis zum Bett bringen zu können. Er saß sich vorsichtig mit mir hin, legte seine Hand unter meinen Rücken und ließ mich sanft auf die Matratze gleiten. "Danke.", hauchte ich. Aaron stand auf, ging kurz aus dem Zimmer, ließ aber die Tür offen, was mich komischer Weise beruhigte. Ich schloss die Augen, schlief aber nicht ein, da ich noch warten wollte bis Aaron zurück kam. Ich musste nicht lange warten, als auch schon Schritte im Flur zu hören waren, die schließlich in mein Zimmer traten. Ich öffnete einen Spalt breit die Augen und erblickte meinen besten Freund, der mit lauter Sachen auf dem Arm zu mir kam und sie auf meinem Nachkästchen ablegte. "Also, ich habe Tabletten gegen deine Übelkeit, welche gegen das Fieber und noch etwas gegen den Husten.", erklärte er mir und kratzte sich währenddessen verlegen am Kopf. Ich lächelte nur während ich wieder meine Augen schloss. "Du solltest sie nehmen. dann wird es sicher bald besser.", riet er mir und ich öffnete stöhnend wieder meine Augen. Ich schluckte drei Tabletten und war einfach nur glücklich schlafen zu können. Ich war fast eingeschlafen, als ich spürte wie die Matratze neben mir sank. Ich drehte mich nach rechts um die Quelle des Senkens sehen zu können. Aaron hatte sich zu mir gelegt und sah mich seitlich abgestützt an. "Schlaf gut." Er legte sich hin und schloss seine Augen und genau das gleiche tat ich auch.

Das Unerwartete EndeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt