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Der Bus hielt.
Die Schüler quetschen sich raus.
Und ich?
Ich stand in der Tür des Busses und wollte keinen Schritt weitergehen.

Ich will da nicht hin!

„Jetzt steig aus Junge, ich habe nicht den ganzen Tag Zeit!", kam es genervt vom Busfahrer.
Mit aller Kraft, die ich aufbringen konnte, ging ich einen Schritt nach vorne. Sobald ich draußen war schwangen die Türen das Busses zu und er fuhr los.

Jetzt stand ich hier.
Vor mir ein Riesenpausenhof mit zu viel Schülern auf ihm, und dahinter eine Riesenschule die förmlich schrie „Verlauf dich!"

Die Kapuze weiter ins Gesicht ziehend, begann ich den Weg über den Schulhof anzutreten. Schon nach zwei Schritten merkte ich die ersten Blicke auf mir.
Meine Schritte beschleunigen sich. Wie sehr ich die Aufmerksamkeit auf mir haste. Immer mehr Schüler drehten sich zu mir um, und begannen zu tuscheln.
Das leichte Unbehagen wurde langsam, aber sicher immer mehr zu Panik.

Meine Atmung wurde flacher und mein Körper verkrampfte sich. Die letzten Meter legt ich beinahe rennend zurück, ehe ich im Schulgebäude Deckung fand.
Unglaublich, dass ein Schulgebäude mal zu meinem Beschützer montiert.

Als mein Atmung sich etwas beruhigt hatte, sah ich mich um. Der Gang in dem ich stand war leer bis auf ein paar Schüler, die mich komisch musterten. „Du schaffst das", murmelte ich mir selbst zu, was nur semi klappte. Ich musste nur noch diese Sekretariat finden und dann ist die erste Hälfte des Albtraum geschafft.
Tja, das war leichter gesagt als getan.
Was ist die Schule auch so groß?

„Bist du neu?", erschrocken fuhr ich herum. Vor mir stand ein Junge in meinem Alter. Er hatte Karamell farbene Haare und erinnerte mich an einem Welpen. „Äh....ja", kam es überfordert von mir. Ein Lächeln erschien auf seinem Gesicht was echt cute aussah. „Dachte ich mir schon, ich habe dich nämlich noch nie gesehen. Du suchst sicher, dass Sekretariat oder?" Ich nickte. „Komm, ich kann dich hinbringen." Erleichtert lächelte ich den Jungen an, und folgt ihm. „Ich heiße übrigens Seungmin und du?"
„Jisung" brachte ich leise hervor. „Das ist ein schöner Name. In welche Klasse kommst du?"
„In die 11b"
„Das ist meine Klasse!", rief er erfreut. Freut er sich etwa das ich in seine Klasse komme? „Das ist toll dann lernst du auch gleich ein paar meine Freunde kennen.
Oh wir sind schon da.", er hielt an, als eine Tür vor uns in Sicht kam. „Ich musste jetzt auch los sonst komme ich zu spät. Bis später Jisung", und schon war Seungmin weg und ließ mich alleine, überfordert und verwirrt zurück.
Warum war er so nett?
Mag er mich etwa oder tut er nur so? Sind seine Freunde auch so nett?
Ein lautes klingeln holte mich aus meinen Gedanken und er erinnerte mich an meine unfreiwillige Mission. Langsam ging ich auf die Tür zu und hob meine Hand. Gerade als ich klopfen wollte, wurde die Tür von der anderen Seite geöffnet und eine Frau mittleren Alter, blieb überrascht vor mir stehen. „Was machst du denn hier? Solltest du nicht schon längst in der Klasse sein."
„Ich...ehm...ich bin neu hier und sollte als erstes zum Sekretariat gehen."
„Warte...bist du Han Jisung?"
„Ja"
„Ah das trifft sich ja gut.
Ich bin Frau Liu, deine Klassenlehrerin. Komm kurz rein dann kann ich dir auch deine Bücher und den Stundenplan geben." Wie gesagt folgte ich ihr.

Das Sekretariat grenzte gleich ans Lehrerzimmer. Alles war in hellen Farben gehalten was es gleich viel einladender aussehen ließ. Es roch nach Kaffee und Keksen. Am liebsten würde ich hier den Rest meiner Schulzeit verbringen. „Hier sind deine Bücher und das ist dein Stundenplan."
Dankend nahm ich die Sachen entgegen und ließ sie in meinen Rucksack gleiten. „So komm Jisung, ich stelle dich jetzt der Klasse vor."

Je länger wir durch das Riesengebäude liefen, um so nervöser wurde ich. So schnell wie möglich wollte ich die Klasse erreichen und gleichzeitig wollte ich einfach nur weg. Vor einer Tür blieb sie stehen, drehte  sich zu mir um und lächelte. „Wenn wir gleich reingehen, wäre es schön, wenn du bei mir bleiben würdest, um dich einmal vorzustellen. Oh und vielleicht nimmst du deine Kapuze ab, so wirkst du aufgeschlossener."
Sie öffnete die Tür, und der Lärmpegel der uns entgegen, kam ließ mich zusammenzucken.Schnell nahm ich meine Kapuze ab und betrat den Klassenraum.

Sofort wurde es leise und alle Augen lang auf ihr, wobei eher gesagt auf mir. Die Stille wurde schnell vom flüstern gefüllt und ließ meine Wangen heiß werden. Mein Blick glitt über die geschätzten 29 Schüler, plus Seungmin welcher lächelte, und ich begann zu schwitzen.

Das war zu viel.

Die Hitze lief durch meinen ganzen Körper und ließ mich innerlich verbrennen.
Meine Hand kratzte aggressiv über meine Narben und alles in mir, schrie danach wegzulaufen.
„Bitte aufgepasst!", schallte die Stimme von Frau Liu durch den Raum. Sofort wurde es leise, was sich als noch schlimmer herausstellte, als das getuschelt. „Ab heute habt ihr einen neuen Schüler in eurer Klasse.
Stell dich doch bitte vor", fuhr sie an mich gewannt  fort.
Ok Jisung, du schaffst das, jetzt bloß nicht stottern. „M-mein Name ist Han Jisung und ich bin 17 Jahre alt", presste ich, mit rauher Stimme, aus mir heraus.

Wow, das zum Thema nicht stottern. Die Lehrerin beäugte mich noch ein paar Sekunden, als wolle sie sicher gehen, dass ich fertig mit sprechen wäre. „Danke Jisung, du kannst dich neben Felix setzen. Felix, hebst du bitte deine Hand?" Ein Junge mit orangefarbenen Haaren hob seine Hand und Lächelte mich an. Sein lächeln war anstecken und meine Mundwinkel hoben sich leicht nach oben. Mit zügigen schritten lief ich durch die Reihen der, mich anstarrenden Schülern, zu Felix.

Die Blicke verfolgten mich und bohrten sich wie Eiszapfen in meinen rücken. Schnell lies ich mich neben Felix nieder und versuchte, nicht zu viel von den neugierigen Blicken zu spüren, die sich auf meinen Rücken brannten. Felix war freundlich, das merkte ich sofort. Er schenkte mir ein beruhigendes Lächeln, das ein kleines bisschen von der Anspannung nahm, die sich in mir breitgemacht hatte.
„Keine Sorge, das hier wird schon", flüsterte er mir zu, während Frau Liu anfing, den Unterricht anzufangen.
Ich nickte nur stumm, mein Herz klopfte immer noch wie wild.
Die Stimmen im Klassenzimmer wirkten wie ein fernes Rauschen, alles fühlte sich surreal an. Meine Hände zitterten leicht, und ich wünschte, ich könnte einfach unsichtbar sein.
Doch Felix redete weiter, ganz beiläufig: „Wenn du irgendwas brauchst oder nicht klarkommst, sag einfach Bescheid, okay?"
Ich wollte antworten, doch der Kloß im Hals ließ es nicht zu. Stattdessen nickte ich nur erneut.

Der Unterricht lief fort, aber ich konnte mich kaum konzentrieren. Mein Blick wanderte immer wieder zu den anderen Schülern, die sich in Gruppen unterhielten, lachten, zusammen Aufgaben bewältigten oder sich Notizen machten. Ich fühlte mich so fehl am Platz.
Nach einer Weile bemerkte ich, wie Felix ein paar Seiten aus seinem Heft faltete und mir rüberschob. „Hier, das sind die wichtigsten Sachen vom letzten Jahr. Vielleicht hilft es dir beim Einstieg."
Ein kleines Gefühl von Wärme breitete sich in mir aus. Zum ersten Mal seit langem spürte ich ein bisschen Hoffnung in mir, doch tief in mir blieb die Angst, dass all das nicht von Dauer sein würde.

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⏰ Letzte Aktualisierung: Jan 21 ⏰

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Will I fly or fall? (Skz ff)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt